Mo 23.04. 2018 22:10Uhr 58:30 min

Fakt ist! Aus Magdeburg

Getrennt leben, gemeinsam erziehen - Das Recht aufs Kind

Komplette Sendung

Fünf Personen sitzen in einem Studio um einen Tisch gruppiert und unterhalten sich.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Mo, 23.04.2018 22:10 23:08
Wenn Eltern sich trennen, stellen sie sich vor allem eine Frage: Wer kriegt die Kinder? Jährlich sind ca. 200.000 Kinder in Deutschland von Trennungen betroffen. Zwar regeln die meisten Paare den Umgang mit dem Nachwuchs friedlich, doch immer wieder sind Mama und Papa so zerstritten, dass am Ende das Familiengericht entscheiden muss, wo und wie das Kind leben soll.

Noch ist in Deutschland die Regel: Die Kinder leben hauptsächlich bei einem Elternteil und besuchen den anderen Elternteil am Wochenende oder in den Ferien. Gegen dieses so genannte Residenzmodell regt sich allerdings Widerstand: Schon 2015 hat der Europarat empfohlen, dass Kinder nach der Trennung bei Mutter und Vater gleichermaßen leben sollten, also pendeln zwischen den Eltern - das sogenannte Wechselmodell.

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes können deutsche Familiengerichte seit 2017 dieses Modell anweisen, auch wenn ein Elternteil dagegen ist. Doch die FDP geht noch weiter. Sie will das Wechselmodell beim Streit um den Umgang als gesetzlichen Standard einführen und hat jetzt dazu einen Antrag in den Bundestag eingebracht. Die Argumente: Gleichberechtigte Väter sollen auch nach einer Trennung intensiven Kontakt zu ihren Kindern haben dürfen. Außerdem sei das Wechselmodell das Beste für das Kind. Kritiker sprechen dagegen von möglichen negativen Auswirkungen, von "Kofferkindern", die sich nirgends zuhause fühlen.

Welche Auswirkungen also hat das Wechselmodell auf die Trennungskinder? Wie praktikabel ist es im Alltag, vor allem was die Erziehung angeht? Welche Rolle spielt die Kooperationsbereitschaft der Eltern? Was bedeutet es für den Unterhalt? Und wie definiert man eigentlich Kindeswohl?

Darüber diskutiert Moderatorin Anja Heyde mit diesen Gästen:

* Frank Sitta (FDP), stellv. Fraktionsvorsitzender der Bundestagsfraktion
* Eva von Angern (DIE LINKE), stellv. Fraktionsvorsitzende der Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt
* Wolfgang Keuter, Familienrichter
* Stefan Rücker, Psychologe

Bürgerreporter Stefan Bernschein hat einen Vater besucht, der mit seiner Ex-Frau das Wechselmodell ausprobiert hat. Im Publikum hat er Mütter und Vertreter des Kinderschutzbundes zu Gast, die das Modell kritisch sehen sowie Väter, die es befürworten. Zudem wird er einen Fall aus Helbra aufgreifen. Dieser hatte für viel Aufsehen gesorgt, weil Polizei und Jugendamt ein Kind aus der Schule abgeholt hatten, um es augenscheinlich gegen seinen Willen zur Mutter zu bringen. Zuschauer können sich via facebook.com/MDRSachsenAnhalt, über Twitter (@faktist) oder per Mail an faktist@mdr.de an der Diskussion beteiligen.

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