Fr 06.07. 2018 01:55Uhr 90:00 min

Die Arbeiter in Bischofferode streiken
Die Arbeiter in Bischofferode streiken Bildrechte: MDR/Hoferichter & Jacobs GmbH
MDR FERNSEHEN Fr, 06.07.2018 01:55 03:23

25 Jahre Beginn des Hungerstreiks in Bischofferode Bischofferode - Das Treuhand-Trauma

Bischofferode - Das Treuhand-Trauma

Film von Dirk Schneider

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Bilder zur Sendung

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Ehemaliger Kali Tagebau Bischofferode
Der ehemalige Kali-Tagebau in Bischofferode. Bis zur Schließung 1993 waren dort ca. 1.800 Menschen beschäftigt. Das Kali-Salz bestimmte das Leben von ganzen Familien, der Schacht war zweite Heimat. Bildrechte: MDR/Hoferichter & Jacobs GmbH
Ehemaliger Kali Tagebau Bischofferode
Der ehemalige Kali-Tagebau in Bischofferode. Bis zur Schließung 1993 waren dort ca. 1.800 Menschen beschäftigt. Das Kali-Salz bestimmte das Leben von ganzen Familien, der Schacht war zweite Heimat. Bildrechte: MDR/Hoferichter & Jacobs GmbH
Kali Bischofferode
Der Schließung ging ein erbitterter Kampf der Kali-Kumpel voraus, der in einem 81-tägigen Hungerstreik gipfelte. Er wurde zum Symbol für den Kampf gegen die Privatisierungspolitik der Treuhand. Bildrechte: MDR/Hoferichter & Jacobs GmbH
Verlassene Werkhalle
Heute erinnern nur noch Überreste an die tradtionsreiche Geschichte des Kalibergbaus in Thüringen. Bildrechte: MDR/Hoferichter & Jacobs GmbH
Verlassene Werkshalle
20 Männer arbeiteten 20 Jahre nach der Schließung noch im Schacht, um das alte Bergwerk zu sichern. Bildrechte: MDR/Hoferichter & Jacobs GmbH
Noch steht der Förderturm in Bischofferode.
Der Förderturm in Bischofferode steht noch. Bildrechte: MDR/Hoferichter & Jacobs GmbH
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Der Sommer 1993 verändert Deutschland. In diesem Sommer wird ein kleiner Ort im katholisch geprägten Eichsfeld im Norden Thüringens weltberühmt - Bischofferode. Vor 25 Jahren, am 1. Juli 1993, beginnen zwölf Kalikumpel im dortigen Kalibergwerk "Thomas Müntzer" einen Hungerstreik für den Erhalt ihres Bergwerkes. Aus 12 werden schnell 23, schließlich mehr als 40 Menschen, die aus Protest gegen die mögliche Schließung ihres Werkes über Wochen hungern. 81 Tage dauert die Aktion, es war das letzte Mittel. Bereits im April hatten die Kumpel das Werk besetzt, um es für einen Weiterbetrieb zu sichern.

Der Hungerstreik wird zum Symbol für den Kampf gegen die Privatisierungspolitik der Treuhand. Die Bilder des Hungerstreiks gehen um die Welt. Die internationale Presse fragt sich, ob jetzt die deutsche Einheit auf dem Spiel steht. Menschen in ganz Europa solidarisieren sich, Urlauber von der Ostsee schicken Solidaritäts-Ansichtskarten, sogar die Puhdys kommen in das kleine Kaff Bischofferode. Fernsehteams aus aller Welt berichten.

Der epische Kampf der Kumpel dauert bis Ende 1993 und ist doch erfolglos. Sie werden erschüttert in ihrem Glauben an die neu erlangte Freiheit, gerade, hier, im Eichsfeld, das die Deutsche Einheit 1990 so euphorisch begrüßt hatte. Die Kalikumpel sehen sich als Bauernopfer einer im Geheimen orchestrierten Neuordnung der deutschen Kaliindustrie, die schon lange während ihrer Proteste ein eingefädelter Deal war – sie konnten nicht gewinnen. Die sogenannte Kalifusion war der größte Wirtschaftsdeal der Deutschen Einheit, der den Steuerzahler bis heute fast zwei Milliarden EUR gekostet hat.

Der Freistaat Thüringen - das Bundesland mit den besten Kalivorkommen Deutschlands - ist bis heute der große Verlierer des Mega-Deals. Thüringen könnte reich sein, verliert aber neben Bischofferode fast alle Kaligruben, und muss heute für die Sanierung und Sicherung der Bergwerke Jahr für Jahr Millionenbeträge einsetzen.

Der Film "Bischofferode - Das Treuhand-Trauma" zeichnet die Ereignisse des Jahres 1993 nach. Er verbindet die Dramen von Hungerstreik, Wut, Verhandlungen und Demonstrationen mit einem Panorama der Nachwendezeit – und mit der Rekonstruktion des Mega-Deals in einem der wichtigsten Rohstoffmärkte der Welt. Zu Wort kommen die Hungerstreikenden selbst, Bergleute und Arbeiterinnen, dazu Politiker wie Gregor Gysi, Bodo Ramelow und Rita Süssmuth, Kirchenvertreter und Bürgermeister, nicht zuletzt Wirtschaftsmanager, die Einblick hatten in die Verhandlungen. Und schließlich Kaliexperten und der damalige Investor, der letztlich gehindert wurde, die Grube zu übernehmen.

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