Di 27.11. 2018 21:15Uhr 29:40 min

Echt

Heimat contra Kohle – Ein Dorf wehrt sich

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Friedensstraße in Großgrimma 30 min
Bildrechte: Dietmar Winter
MDR FERNSEHEN Di, 27.11.2018 21:15 21:45
Es ist ein idyllischer Hof auf dem Jens Hausner mit seiner Familie lebt. Auch zu seinen Nachbarn hat er guten Kontakt. Pödelwitz, im Landkreis Leipzig, ist für den Landwirt Heimat. Auf den ersten Blick ein romantisches Dorf, mit alten Kastanien, einer ehrwürdigen Kirche, deren Grundmauern aus dem 13. Jahrhundert stammen. Schaut man sich weiter um, entdeckt man aber überall auch leerstehende Häuser. Pödelwitz gleicht einem Geisterdorf. Viele Menschen haben es inzwischen verlassen, denn die Braunkohlenbagger rücken unaufhörlich näher. Ein Umzug schien lukrativ, weil die Mitteldeutsche Braunkohlegesellschaft Mibrag großzügige Entschädigungen geboten hat.

Doch 27 Einwohner wollen nicht weichen. 27 Pödelwitzer entschieden sich, zu bleiben. Jetzt, wo gerade deutschlandweit demonstriert wird, weil kein Mensch mehr für Kohle die Heimat aufgeben soll, wollen sie ihr Dorf nicht verlassen. Geht es nach den Plänen der Mibrag wird es Pödelwitz als letztes Dorf in Deutschland treffen. Bis 2028 werden alle Vorbereitungen abgeschlossen sein, dann soll die Kohle unter dem Ort abgebaggert werden. Brennstoff für das benachbarte Kraftwerk Lippendorf.

"Ursprünglich hieß es immer, Pödelwitz bleibt", sagt Jens Hausner. "Etliche Anwohner sind darum aus umliegenden Dörfern extra hierhergezogen." Nun soll sein Heimatdorf plötzlich doch weichen. Um es zu erhalten, hat Hausner die Bürgerinitiative "Pro Pödelwitz" gegründet.

Aber es gibt auch Kritiker - mindestens 2.700. Sie werfen Hausner und seinen Mitstreitern vor, 2700 Arbeitsplätze von Mibrag-Mitarbeitern mit ihrem Ausharren zu gefährden.

Wie weiter im Kampf: Heimat gegen Kohle? "Echt"-Moderator Sven Voss fragt nach Lösungen.

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