Sa 26.01. 2019 11:45Uhr 29:35 min

Ein Zug fährt über die Göltzschtalbrücke in Netzschkau (Sachsen)
Ein Zug fährt über die Göltzschtalbrücke in Netzschkau (Sachsen) Bildrechte: dpa
MDR FERNSEHEN Sa, 26.01.2019 11:45 12:15

Der Osten - Entdecke wo du lebst Das Wunder vom Göltzschtal

Das Wunder vom Göltzschtal

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Es ist immer wieder ein ganz besonderer Moment, wenn Andreas Ketzel am Abend Licht ins dunkle Göltzschtal bringt. In der Winterzeit lässt er das Wahrzeichen des Vogtlands im hellen Lichterschein erstrahlen.
Die Göltzschtalbrücke zieht bis heute die Menschen in ihren Bann.

1851 eingeweiht, ist sie nach wie vor die größte Ziegelsteinbrücke der Welt. 26 Millionen Ziegelsteine wurden damals hier vor Ort gebrannt und verbaut. Viele fragen sich bis heute: Wie konnte dieses Wunder gelingen. Andreas Ketzel gibt gern Auskunft, denn so nah wie er lebt niemand an der Göltzschtalbrücke. "Das Wunder vom Göltzschtal" hat sein eigenes Leben – und das seiner Familie seit Generationen geprägt. Direkt am Fuße der gigantischen Brücke, in "Ketzels Mühle" können sich Besucher heute ein wenig stärken. Schon der Ururgroßvater von Andreas Ketzel servierte hier Getränke und kleine Snacks - damals im Jahr 1846, als für die Eisenbahnlinie zwischen Leipzig und Hof die größte Lücke geschlossen werden sollte. Das Göltzschtal sollte von einer 578 Meter langen und 78 Meter hohen Brücke überspannt werden – eine riesige Baustelle entstand. Damals eine Sensation! Was hier geschah, nennen viele das achte Weltwunder. Nicht nur mehr als 1.000 Bauleute arbeiteten hier täglich - auch Schaulustige ließen sich dieses Spektakel nicht entgehen.

150.000 Ziegelsteine wurden pro Tag verbaut. Auf Eisenbahnwaggons und Pferdewagen wurde unaufhörlich Nachschub angekarrt. Unterhalb der Brücke standen riesige Mischstationen, in denen Arbeiter - nur mit Schaufeln ausgerüstet - gigantische Massen von Mörtel anrührten. Die Rezeptur dieses Mörtels stammte vondem Apotheker Heinrich Carl.

Das, was damals entstanden ist, hält auch heutigen Anforderungen stand. Nach nun bald 170 Jahren ist die Brücke nach wie vor ein Vorzeigeprojekt. An der TU Dresden ist das in Vorlesungen und Seminaren immer wieder Thema für künftige Bauingenieure. Im Jahre 2009 wird die Brücke von der Bundesingenieurkammer in die Liste der Ingenieurbaukunst aufgenommen. Es ist ein ganz besonderer Ort im Osten, für Besucher genauso, wie für die Menschen die hier leben und arbeiten.

Ein Film von Stephan Heise.

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