Do 28.03. 2019 23:35Uhr 78:11 min

Semperoper Dresden
Semperoper Dresden Bildrechte: MDR
MDR FERNSEHEN Do, 28.03.2019 23:35 00:53

Erlebnis Musik Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem op. 45

Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem op. 45

Aufzeichnung aus der Semperoper Dresden

  • Stereo
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • VideoOnDemand
Als das Deutsche Requiem am Karfreitag des Jahres 1868 im Bremer Dom uraufgeführt wird, ist Johannes Brahms 35 Jahre alt. Die Aufführung wird ein bahnbrechender Erfolg für den jungen Komponisten.
Mit dem Gedanken, eine Trauermusik zu komponieren, trug sich Brahms bereits seit 1859. In dieser Zeit steht er noch unter dem Eindruck des Todes seines väterlichen Freundes und künstlerischen Mentors Robert Schumann, der nach schwerer Geisteskrankheit 1856 in Bonn verstarb. Schumann verkörperte für Brahms das Bild des genialen Künstlers schlechthin. Doch erst der Tod der geliebten Mutter im Jahre 1865 wurde zum direkten Auslöser für die Komposition des Werks.

Doch ist das Deutsche Requiem keine Totenmesse im Sinne der lateinischen kirchenmusikalischen Tradition. Ihm geht es nicht um ein Komponieren entlang der katholischen Liturgie, wie das bei den großen Requiemvertonungen des 19. Jahrhunderts der Fall war, wie etwa bei Verdi oder Dvorak. Brahms nahm sich die Freiheit, die ihm entsprechenden Texte aus dem Alten und Neuen Testament selbst auszuwählen.

Einer kirchlichen Dogmatik, auch einer protestantischen, wollte er sich nicht unterwerfen. Brahms verzichtet auf die traditionellen Bilder von der Erlösung durch Christus am Tag des Jüngsten Gerichts. Anstelle dessen setzt er den zentralen Gedanken von Trauer, Trost und Hoffnung - eine Hinwendung zum Diesseits. Es gilt, der Toten zu gedenken und die Lebenden zu trösten.

"Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden" - der erste Satz nach Worten aus der Bergpredigt ist gleichsam das Motto, das über dem ganzen Werk steht. Nicht zuletzt der Blick des Komponisten über konfessionelle Grenzen hinaus auf den Ernst der letzten Dinge, auf das menschlich Wesentliche, hat bewirkt, dass das Deutsche Requiem seinen Weg in die Herzen der Menschen gefunden hat und einen festen Platz in unserer Musikkultur einnimmt.

Das Konzert wurde am 13. Februar 2003 aufgezeichnet - im Gedenken an die Zerstörung Dresdens, die sich an diesem Tag zum 58. Mal jährte.