Do 09.05. 2019 22:05Uhr 29:30 min

artour

Das Kulturmagazin des MDR

Komplette Sendung

Evelyn Fischer 30 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Do, 09.05.2019 22:05 22:35

Beiträge aus der Sendung

Darsteller auf einer Bühne 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Themen:

* Von Leipzig nach Venedig
* "Nur eine Frau" – Ein Film über einen Ehrenmord in Berlin
* Urban Action – eine Kunstaktion in Jena
* Zur Schwerpunktwoche: Europa vom 6.5. - 12.5.2019: Eine Insel und zwei Milliardäre
* Kulturkalender

Mehr zu den Themen:

* Von Leipzig nach Venedig

Franciska Zólyom ist die Direktorin der Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst und seit kurzem eine der gefragtesten Persönlichkeiten im nationalen und internationalen Kunstgeschäft. Denn sie wurde Anfang 2018 durch den damaligen Außenminister Sigmar Gabriel zur Kuratorin des Deutschen Pavillons auf der Biennale 2019 in Venedig berufen - der weltweit wichtigsten Kunstschau. Im Herbst 2018 gab Zólyom dann bekannt, dass im Mittelpunkt der Schau die iranisch-deutsche Installations- und Video-Künstlerin Natascha Sadr Haghighian stehen wird. Ein Mysterium, denn diese änderte nicht nur für die Biennale ihren Namen in Süder Happelmann, sondern sie tritt selbst öffentlich kaum in Erscheinung, und wenn, dann verbirgt sie ihren Kopf gern unter einem felsblockartigen Gebilde. Wir treffen für "artour" Franciska Zólyom in Venedig, wenn der deutsche Pavillon eröffnet wird, lassen uns von ihr die Kunst erklären und uns erzählen, wie sie es geschafft hat, mit 44 Jahren zur Spitze der deutschen Kunstszene zu gehören.


* "Nur eine Frau" - Ein Film über einen Ehrenmord in Berlin

Am 7. Februar 2005 wird Hatun Aynur Sürücü auf offener Straße in Berlin mit drei Kopfschüssen aus nächster Nähe hingerichtet. Sie ist 23 Jahre alt und Mutter eines fünfjährigen Sohnes, der zur Tatzeit allein in seinem Bett liegt und schläft. Der Mörder kommt aus der eigenen Familie. Es ist ihr jüngster Bruder, der mit der Tat die "Ehre der Familie" wieder herstellen will. Die Geschichte dieses "Ehrenmordes", der bundesweit für Entsetzen sorgte und eine Debatte über Zwangsehen und Wertvorstellungen von in Deutschland lebenden muslimischen Familien auslöste, erzählt jetzt der Kinofilm "Nur eine Frau". Regisseurin Sherry Hormann macht hier Hatun Aynur Sürücü zu einer gerade in ihrer Nüchternheit erschütternden Berichterstatterin ihres eigenen Schicksals: Sie schildert rückblickend ihre Zwangsverheiratung im Alter von 16 Jahren, die anschließende Flucht vor ihrem prügelnden Ehemann, wie sie das Kopftuch ablegte, eine Lehre begann und sich ein selbstbestimmtes Leben aufbaute - gegen den Widerstand ihrer strenggläubigen Familie, die am Ende ihre Ermordung betrieb.

Sürücüs Tod war der Beginn einer bis heute dauernden Debatte um Zwangsehen und Verbrechen im Namen der Ehre. Der Berliner "Arbeitskreis gegen Zwangsverheiratung", nach ihrer Ermordung gegründet, hat 2017 allein für Berlin 570 Fälle von Zwangsverheiratungen ermittelt. Im gleichen Jahr wurden in Deutschland 51 vollendete oder versuchte Morde oder Totschlagsverbrechen "im Namen der Ehre" registriert. Der Menschenrechtlerin und Anwältin Seyran Ateş zufolge, die seit Jahrzehnten für die Rechte muslimischer Frauen kämpft, hat sich seit Sürücüs Tod zu wenig geändert. Ateş kann sich nach zahllosen Morddrohungen und einem Attentatsversuch nur noch mit Polizeischutz in Deutschland bewegen. Kinostart des Films "Nur eine Frau" ist am 9. Mai.


* Urban Action - eine Kunstaktion in Jena

Jena ist eine der am stärksten wachsenden Städte in Mitteldeutschland. Nur knapp über ein Prozent der Wohnungen steht leer. Selbst in Neulobeda, im Plattenbau-Trabanten, gibt es Zuzug. Hier, wo man jahrelang ganze Straßenzüge zurückbaute, wurde kürzlich Richtfest für einen neuen Wohnblock gefeiert. Es ist der erste Hochhaus-Neubau dort seit der Wende.

Und doch gibt es ein Problem: Mit dem Wachstum verschärft sich das soziale Gefälle in der Stadt - während in der Innenstadt die Mietpreise nur noch für Besserverdienende zu bezahlen sind, entsteht im einst als fortschrittlich geltenden Plattenbaubezirk, wo heute viele ältere und sozial schwache Leute wohnen, das Gefühl des Abgehängtseins, verbunden mit der Frage: Wie soll man hier leben? Und wie interessiert man junge Leute für dieses Viertel? Wie stärkt man die Gemeinschaft der Menschen? Eine Aktion will nun auf dieses Problem aufmerksam machen. "72 Hour Urban Action" nennt sich das Projekt, das Künstler aus aller Welt und Einwohner aus Lobeda zusammenbringt und das sich als Aufgabe gestellt hat, Lobeda schöner zu machen.


* Zur Schwerpunktwoche: Europa vom 6.5. - 12.5.2019: Eine Insel und zwei Milliardäre

Die Insel Sark liegt im Ärmelkanal und ist der britischen Krone unterstellt, gehört also nicht zur EU und nicht zu Europa oder Großbritannien. Die Steuern dort sind marginal. 2007 kamen die Barclay-Brüder, zwei milliardenschwere britische Unternehmer und Verleger, auf die Insel und begannen, sie aufzukaufen. Die Regisseurin Bettina Borgfeld hat die Bewohner Sarks vier Jahre lang begleitet und beobachtet, wie sich die Stimmung auf der Insel Sark während dieser Zeit veränderte. Der Dokumentarfilm "Was kostet die Welt" erzählt von der Macht des Geldes und dem Widerstand der Menschen, die sich ihr Zuhause nicht wegnehmen lassen wollen. Er funktioniert zugleich als Parabel auf ein Europa der Plattform-Konzerne. Am 16. Mai startet er in den Kinos.


* Kulturkalender

- "Das verlorene Sächsische Rokoko" - Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden auf Schloss Hubertusburg anlässlich 300 Jahren Hochzeit Friedrich August und Maria Josepha im September 2019
- Uraufführung "Die Benennung der Tiere" am Neuen Theater Halle
- Das A-Cappella-Herren-Quintett "basta" gibt zwei Konzerte in Weimar: 14. & 15. Mai

Neu im Kino