Do 06.06. 2019 22:05Uhr 29:30 min

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MDR FERNSEHEN Do, 06.06.2019 22:05 22:35

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Das Kulturmagazin des MDR

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Die Themen:
* Händel und die Frauen
* Zurück zur Schreibschrift
* Klage gegen antisemitisches Relief in Wittenberg
* Absage der Leipziger Jahresausstellung
* Kulturkalender

Mehr zu den Themen:

* Händel und die Frauen
Die Händel-Festspiele in Halle haben begonnen. Hier wurde Georg Friedrich Händel 1685 geboren, später wurde er in Italien und vor allem in London weltberühmt. Zum Heiraten war er nicht gemacht. "Empfindsam, heroisch, erhaben - Händels Frauen" lautet das Motto der diesjährigen Festspiele. Tatsächlich ist das kein modischer Zugriff, sondern berührt einen Charakterzug des Komponisten: In Händels Musik dürfen die Frauen alles, was auch die Männer tun, und sie dürfen es intensiver und in halsbrecherischen Koloraturen. "artour" spricht mit der Händel-Preisträgerin Silke Leopold und berichtet über zwei Aufführungen: "Julius Cäsar in Ägypten" an der Oper Halle und "Kitty Clive", ein Gastspiel der Gruppe "L'Arpeggiata".
Autor: Meinhard Michael

* Zurück zur Schreibschrift
Kinder und Jugendliche können immer schlechter mit der Hand schreiben. Experten fordern deswegen in einer Petition, dass an Grundschulen sofort die Schreibschrift gelehrt wird - ohne Umweg über die Druckschrift. Denn mit der Druckschrift trainieren Kinder sich falsche Bewegungsabläufe an - das hat die Lehrerin Maria-Anna Schulze Brüning aus Hamm im Alleingang erforscht. Immer öfter stellte sie fest, dass die Kinder Mühe hatten, Texte leserlich in ausreichender Geschwindigkeit aufzuschreiben. Sie gab zusammen mit dem Journalisten Stephan Clauss sogar ein Buch dazu heraus: "Wer nicht schreibt, bleibt dumm". Die Experten verfechten die Schreibschrift und damit eine Rückbesinnung auf Schönschreiben und Rechtschreibung. In der "Siegener Erklärung zur Schrift in der Schule" fordern sie die Wiedereinführung der DDR-Schreibschrift an der Schule, um die Schreibkompetenz der Schüler zu verbessern.
Autorin: Carolin Haentjes

* Klage gegen antisemitisches Relief in Wittenberg
Das sogenannte "Judensau"-Relief an der Stadtkirche zu Wittenberg ist erneut Gegenstand eines Streits. Während im Oktober 2016 ein englischer Theologe eine Internetpetition gegen das Relief startete, landete der Streit nun vor Gericht. Michael Düllmann, ein Mitglied der jüdischen Gemeinde Berlin, klagte vorm Landgericht Dessau-Roßlau auf Entfernung des Reliefs. Die Klage wurde abgewiesen. Der Kläger kündigte an, in die nächste Instanz zu gehen. Das Relief, das (je nach Quelle 1300 oder 1440) dort angebracht wurde, zeigt Juden an den Zitzen eines Schweins saugend. Eine antisemitische Darstellung in der christlichen Kunst, die an vielen europäischen Kirchen zu sehen ist. Muss man eine solche Abbildung heute allein als antisemitische Hetze bewerten und entfernen - oder haben wir es mit einem Zeugnis der dunklen Seite in der Geschichte des Christentums zu tun, das man nicht einfach tilgen sollte? Darüber wird in Kirche und Gesellschaft gestritten, darüber wird nun auch ein weiteres Mal ein Gericht zu befinden haben. "artour" spricht mit dem Historiker Michael Wolffsohn, mit dem Pfarrer der Wittenberger Stadtkirche und mit dem Kläger, Michael Düllmann.
Autor: Rayk Wieland

* Absage der Leipziger Jahresausstellung
Vor 109 Jahren gründete Max Klinger zusammen mit anderen Mitstreitern den "Verein Leipziger Jahresausstellung". 1910 fand auch die erste Ausstellung statt, die es sich zum Ziel setzte, "Leipzig im deutschen Kunstleben eine bedeutsame Stellung zu sichern". Bis 1927 gab es diese Ausstellung jährlich. 1992 wurde die Tradition wieder aufgenommen. Seither findet jedes Jahr diese Schau bildender Kunst statt. Dieses Jahr könnte sie zum ersten Mal seit der Wende ausfallen. Der "Verein Leipziger Jahresausstellung" hatte u.a. den Maler Axel Krause mit zwei Bildern eingeladen. Um Krause gibt es seit 2018 eine intensive öffentliche Debatte - aber nicht wegen seiner Kunst, sondern wegen seines Engagements in der AfD-nahen Desiderius Erasmus Stiftung, wegen Facebook-Posts, in denen er sich gegen die "illegale Masseneinwanderung" aussprach und wegen angeblicher Nähe zur Identitären Bewegung. Die Galerie "Kleindienst" hatte sich daraufhin von ihrem Künstler getrennt. Nun, nachdem bekannt wurde, dass Krause auf der Leipziger Jahresausstellung gezeigt werden soll, verschärfte sich die Debatte. Künstler zogen ihre Arbeiten aus der geplanten Ausstellung zurück, der Verein geriet unter Druck. Am vergangenen Wochenende eskalierten die Dinge: Zunächst wurde Axel Krause ausgeladen, anschließend trat der komplette Vorstand des Vereins zurück und die Ausstellung wurde abgesagt. "artour" spricht mit Axel Krause; Arne Linde, Chefin der Galerie "ASPN", die sich gegen die Präsentation des Künstlers ausgesprochen hatte und mit Professor Rainer Schade, dem ehemaligen Vorsitzenden des "Vereins Leipziger Jahresausstellung".
Autor: Reinhold Jaretzky

* Kulturkalender
- "Stadt. Mensch. Geschichten. - Altenburger Fotoatelier Arno Kersten 1867-1938" - Jahresausstellung im Residenzschloss Altenburg bis 27.10.2019
- Domfestspiele in Halberstadt, 7.-10. Juni - werden eröffnet mit Ballettchoreografie "Salomé" von Ballettdirektor Carl Aslan
- Neues Album von "Brandt Brauer Frick": "Echo" erscheint am 7.6.
- Veranstaltungs- und Programmhinweis WGT
Autorin: Stephany Mundt