Fr 19.07. 2019 03:25Uhr 29:30 min

Die Büste Stauffenbergs in einer Vitrine.
Die Büste Stauffenbergs in einer Vitrine. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Fr, 19.07.2019 03:25 03:55

artour

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Das Kulturmagazin des MDR

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Themen der Sendung:

* Gregor, der Umstrittene: Die Debatte um Gysis Auftritt in Leipzig:

In Leipzig branden die Wogen der Erregung: Am 9. Oktober, am 30. Jahrestag der entscheidenden Großdemonstration gegen die SED-Herrschaft, soll in der Peterskirche ausgerechnet der letzte Vorsitzende der SED, Gregor Gysi, eine Rede halten, feierlich umrahmt von Beethovens Neunter. Vor allem einstige Bürgerrechtler laufen Sturm gegen die Einladung des Politstars der Linken.

artour spricht unter anderem mit dem einstigen DDR-Oppositionellen Werner Schulz, der den Auftritt Gysis empörend und geschmacklos findet, und mit Frank Richter, auch er ein verdienter Bürgerrechtler, der sich in der Causa allerdings eine abweichende Meinung erlaubt.


* "Der Führer Adolf Hitler ist tot" - Was bleibt vom Mythos Stauffenberg?

75 Jahre nach dem gescheiterten Staatsstreich vom 20. Juli 1944 und dem vereitelten Bombenattentat auf Adolf Hitler haben Neupublikationen über den Widerstandskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg eine lebhafte Debatte in Gang gebracht. Der Autor Thomas Karlauf hatte mit seinem Buch "Stauffenberg - Porträt eines Attentäters" eine Neubewertung des bekanntesten Widerstandskämpfers der Gruppe vom 20. Juli versucht. Er rückte den Mann, der die Bombe neben Hitler im Besprechungsraum der Wolfsschanze deponierte, in die Nähe des umstrittenen Dichters Stefan George und seinem verherrlichenden Mythos der Tat, dem Stauffenberg nahe gestanden haben soll.

Sophie von Bechtolsheim, eine Enkelin Stauffenbergs, antwortet jetzt in einem eigenen, sehr persönlichen Buch auf die Thesen Karlaufs. Der Titel ist programmatisch und gleichsam eine Replik auf die Schrift des George-Experten: "Stauffenberg - Mein Großvater war kein Attentäter."

Selbst 75 Jahre nach dem verhängnisvollen Tag polarisieren das Ereignis, die beteiligten Personen und ihre Motive. artour spricht mit Nachfahren des Widerstandskämpfers über das Vermächtnis des 20. Juli, das trotz Abstand der Jahre hochaktuell bleibt.


* Die Schrankwand als Symptom - Was Möbel über die Gesellschaft sagen:

Einst war die Wohnwand begehrtes Interieur der Postwende-Zeit, jetzt feiert sie ein Comeback in der Kunst. Die in Zwickau geborene Künstlerin Henrike Naumann gestaltet Räume aus alten Schrankwänden und 90er-Jahre-Einrichtungsgegenständen, die sie auf Ebay findet. Ihre Arbeiten sind begehbare Landschaften aus mannshohen CD-Regalen, Furnier, Sperrholz und Glasvitrinen mit indirekter Beleuchtung: Ein Psychogramm mit Möbeln.
Henrike Naumann ergründet aktuell in mehreren Ausstellungen die deutsch-deutsche Wiedervereinigung und deren Folgen für die Gesellschaft.


* "Mehr Licht, Luft, Sonne" - Flussbaden in Dessau:

Das Flussbad am Rehsumpf liegt ein bisschen versteckt im Grünen, wie es sich für eine Badeanstalt gehört, erst recht eine, die "Rehsumpf" genannt wird. Seit 1907 war es ein Fluchtpunkt für von Stadt und Industrie genervte Dessauer. Man mietete sich eine "Zelle", ein kleines Badehäuschen, man schwamm in der Jonitzer Mulde, man entspannte sich hier. Hugo Junkers war regelmäßiger Gast und Förderer des Bades.

Lebensreform hieß das Motto wie auch die Bewegung, der man folgte: Raus in die Natur und nebenbei den Körper ertüchtigen. Dabei galt: in Maßen, nicht als Drill wie beim Turnvater Jahn. Zu allen Zeiten war der Rehsumpf eine Dessauer Institution, in der DDR als "ABUS"-Bad.

2015 war es beinahe vorbei mit Licht und Luft und Sonne. Nach Flut- und Vandalismusschäden beantragte die Stadt Dessau bei der Denkmalbehörde den Abriss des historischen Kleinods. Der Verein "Rehsumpf" wehrte sich erfolgreich dagegen, restaurierte die weiß-blauen Badehäuser und plant nun sogar, das letzte erhaltene Flussbad der Region wiederzueröffnen. Gerade läuft eine Ausstellung mit bisher unveröffentlichten Fotos aus der Hoch-Zeit des Bades.


Kulturkalender:

* WEST SIDE STORY ab 18.07.2019 (Premiere; Previews ab 16.07.) für drei Wochen an der Semperoper

*Ausstellung Kunsthalle Talstraße in Halle - "Frauen-Schönheit-Schicht - Frauen im VEB Kosmetik Kombinat 1988-89", Fotografien von Barbara Köppe, bis 13.10.

*Filmstart am 13.7. - "Back to Maracana"

"artour" ist das Kulturmagazin für das MDR-Sendegebiet und für Ostdeutschland. "artour" wird in Rostock wie in Weimar geschaut, aber natürlich auch in Hamburg und München. Das Kulturmagazin mit Ostkompetenz greift Themen auf, die die Zuschauer bewegen.

Von Thälmann bis Theater, von der Kittelschürze bis zum Konzert, von der Off-Bühne bis zur Oper. Themen werden auch mal gegen den Strich gebürstet, egal, ob es sich um eine Kunstausstellung oder einen kulturpolitischen Skandal handelt.