Di 23.07. 2019 21:00Uhr 44:30 min

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Tagebau und Industrie bestimmten jahrzehntelang die Landschaft im Geiseltal. Bildrechte: MDR/TV Omega/Holger Schmidt
MDR FERNSEHEN Di, 23.07.2019 21:00 21:45

Der Osten - Entdecke wo du lebst Kohle, Kumpel, Kapitäne - Das Geiseltal im Wandel

Kohle, Kumpel, Kapitäne - Das Geiseltal im Wandel

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Der Bergbau prägte die Landschaft und das Leben der Menschen im Geiseltal - 295 Jahre lang. Sie waren stolz darauf, Bergleute zu sein. Sie schätzten Kollegialität und Zusammenhalt. Dafür nahmen sie Lärm und Schmutz in Kauf, die der Bergbau mit sich brachte. Dafür nahmen sie in Kauf, dass 16 Dörfer der Kohle weichen mussten, dass der Bergbau das Gesicht des Geiseltales für immer veränderte. "Wir haben damit gelebt - und sind gern auf Arbeit gegangen", erinnert sich Ingrid Funka. Sie bediente einst einen der riesigen Kohlebagger im Tagebau und war, mit 19 Jahren, die jüngste Baggerführerin der DDR.

Ein Viertel der 8.000 Beschäftigten im Braunkohlenkombinat Geiseltal waren Frauen. Sie fuhren die Loks der Kohlezüge, arbeiteten als Schlosserinnen auf gigantischen Baggern, bedienten schwere Maschinen. Selbst die Leitung des Kombinats lag in den Händen einer Frau. "Die Frauen haben im wahrsten Sinne des Wortes 'ihren Mann''gestanden. Davor kann man nur den Hut ziehen", erzählt Axel Himmel. Er war Ingenieur im Braunkohlenkombinat Geiseltal und setzte die Bergbautradition seiner Familie fort.

Zu Beginn der 90er-Jahre änderte sich die Situation dramatisch: Das mit 100 Metern einst mächtigste Braunkohleflöz der Welt war "ausgekohlt". Am 30.Juni 1993 verlässt der letzte Zug mit Braunkohle den Tagebau Mücheln. Zurück bleibt eine Mondlandschaft. 48 Quadratkilometer voll Brachen und zum Teil gefährlicher Altlasten. Zurück bleiben auch tausende Menschen, die plötzlich keine Arbeit mehr haben und vor einer ungewissen Zukunft stehen. "Es war traurig, eine harte Zeit", sagt Ingrid Funka heute.

Die Menschen im Geiseltal aber gaben nicht auf, sondern nahmen ihre Geschicke in die Hand. Mit vielen Visionen und mit noch mehr Mühe und Arbeit begannen sie, ein kleines Paradies zu schaffen, das sich heute - 25 Jahre später - an den Ufern des größten künstlichen Sees Deutschlands erstreckt. Nach Jahren der Flutung füllt nämlich inzwischen der Geiseltalsee, den Tagebau - und verwandelt die einst in der Landschaft klaffende Wunde in die denkbar schönste Narbe.

Heute trifft man dort einen Hydrologen aus dem Tagebau, der die Entstehung des Sees vorbereitete und jetzt als Kapitän Passagiere über den See schippert. Oder die Winzerfamilie Reifert, die vor fast 20 Jahren den Mut hatte, auf einer früheren Abraumhalde einen Weinberg anzulegen. Und selbst an die verschwundenen Dörfer des Geiseltales wird heute auf ganz besondere Weise erinnert …

Von Menschen, ihrer Heimat und ihren Geschichten, von Kohle, Kumpeln und Kapitänen erzählt dieser Film von Sven Stephan und Holger Schmidt.

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Leonid Breschnew (li.) und Willy Brandt (re.) während ihres dreitägigen Treffens auf der Krim vom 16.-18. September 1971. Bildrechte: MDR/Wladimir Musaelian
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