Do 22.08. 2019 22:05Uhr 44:13 min

artour

Das Kulturmagazin des MDR

Komplette Sendung

Thomas Bille moderiert artour und schaut lächelnd in die Kamera. 30 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Do, 22.08.2019 22:05 22:35

Beiträge aus der Sendung

Schwarzweißfotografie einer halbnackten jungen Frau. 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Themen:
* Wozu das Theater? Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen
* Till Ulenspiegel
* Porträt der Comic-Autorin Olivia Vieweg aus Weimar, die gerade die ganze Welt das Fürchten lehrt
* "Musik statt Straße" - Vom Ghetto in den Konzertsaal
* Kulturkalender

Mehr zu den Themen:

* Wozu das Theater? - Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen

Im Rahmen der großen MDR-Kultur-Intendantenumfrage "Wozu das Theater?" wirft der Beitrag einen genauen Blick auf die Lage des Theaters in Bautzen. Wie "geht" Theater in den Zeiten der Polarisierung? Was bewegt Intendant Lutz Hillmann, immerhin seit 20 Jahren im Amt, angesichts der politischen Lage in Sachsen und der Zwischenfälle mit Rechten in seiner Stadt, und wie reagiert er mit seinem Theater darauf? Kurz gesagt - mit Theater. Einem Theater, das entpauschalisiert, wie er sagt. Das Menschen-Geschichten erzählt, das Welten zeigt, wie sie sein könnten. Das Empathie hat und zugleich Empathie erzeugt.

Hillmann hält wenig von Ausgrenzung und Belehrung. Möglichst viele Menschen will er erreichen, sie mit dem Theater zum Nachdenken verführen, Themen mal mit großem Ernst ("Nathan der Weise" oder "Angst essen Seele auf") angehen, ein andermal auch mit Humor ("Dieter und der Wolf" oder die Komödie "Extrawurst"). Handlungsbedarf sieht Hillmann allerdings in der Frage der Theaterfinanzierung: Nicht zuletzt angesichts der erstarkenden AfD fordert er eine Beteiligung des Bundes. Die Kunstfreiheit, sagt er, muss auf sicheren Füßen stehen.

Autor: Matthias Schmidt


* Till Ulenspiegel

Er war ein Weltstar, und er kam nach Raguhn bei Bitterfeld: Gérard Philipe. Der Franzose war Titelheld und Regisseur einer legendären deutsch-französischen Koproduktion der DEFA, die 1956 in die Kinos kam. Ausgerechnet "Till Ulenspiegel", der Schalk, der die Mächtigen in Angst und Schrecken versetzte, wurde verfilmt. Damit hoffte die DEFA, den Boykott aufzubrechen, dem ihre Filme im Ost-West-Konflikt ausgesetzt waren. Neben Gérard Philipe spielten u.a. die DEFA-Stars Erwin Geschonneck, Wilhelm Koch-Hooge, Elfriede Florin und Marga Legal.

Die Dreharbeiten bescherten der kleinen Stadt Raguhn in Sachsen-Anhalt einen Riesenrummel. Die Frauen belagerten den Weltstar, der mit seinem französischen Filmteam im Ratskeller logierte. Mit über 1.000 Komparsen in historischen Kostümen - rekrutiert aus Soldaten der Nationalen Volksarmee (NVA), Volkspolizisten und Mitarbeitern der umliegenden Großbetriebe - wurde hier die Schlacht zwischen den Spaniern und den Flamen gedreht. Die NVA baute sogar in der Mulde - der Fluss ist hier 2,80 Meter tief - eine Unterwasserbrücke, um die Aufnahmen der Durchquerung von Oraniens Heer zu realisieren.

"artour" spricht mit Ralf Schenk, Vorstand der DEFA-Stiftung, über die weltpolitischen Grabenkämpfe hinter den Filmkulissen, und mit dem heute 83jährigen Bauern Richard Preuße, der als Komparse bei den Dreharbeiten dabei war. Der Film wird am 26. August im MDR gezeigt und ist schon ab 22. August nach der artour-Sendung in der Mediathek zu sehen.

Autor: Dennis Wagner


* Porträt der Comic-Autorin Olivia Vieweg aus Weimar, die gerade die ganze Welt das Fürchten lehrt

Die 1987 in Jena geborene und dort aufgewachsene Olivia Vieweg, die heute in Weimar lebt, hat das Drehbuch für den Film "Endzeit" geschrieben (für das sie den Tankred-Dorst-Preis gewonnen hat). Und einen gleichnamigen Comic, der dem Film als Vorlage diente. Im Film "Endzeit" (Regie:Carolina Hellsgård), der am 22. August startet, hetzen die 22-jährige Vivi und die 26-jährige Eva durch die Wälder zwischen Weimar und Jena, nachdem Zombies die Erde überrannt haben. Gemeinsam müssen sie den Kampf gegen die Untoten aufnehmen. Einer der Drehorte: Die Talsperre Leibis-Lichte in Thüringen. "Endzeit", heißt es, sei der erste Film dieses Genres, der von den Hauptfiguren bis hin zu Regie, Drehbuch, Produktion, Kamera, Filmmusik, Schnitt, Szenenbild und Maske in weiblicher Hand liegt.

Olivia Vieweg ist eine überaus erfolgreiche Autorin. Sie hat Dutzende Manga-Geschichten für Anthologien wie "Paper Theatre" gezeichnet. Sie hat die Texte der deutschen Folk-Metal-Rockband "Subway to Sally" in Bildgeschichten umgesetzt und eine erfolgreiche Katzen-Cartoon-Serie ("Warum Katzen besser sind als Männer") gestartet. Ihr Geld verdient sie auch als Illustratorin für Jugendbücher wie "Vampirinternat Schloss Schauerfels" und für Werbe-Aufträge.

Allerdings hat sie auch diverse Langcomics verfasst. Neben "Endzeit" schrieb sie die Bildererzählung "Antoinette kehrt zurück". Im Suhrkamp Verlag erschien ihre Mark-Twain-Adaption "Huck Finn", die sie ins 21. Jahrhundert und vom Mississippi an die Saale verlegt: Aus dem Sklavenjungen Jim wird die asiatische Zwangsprostituierte Jin. Ebenfalls für den Suhrkamp Verlag arbeitet sie gerade an einer aktuellen Antigone-Comic-Version. Mit ihrem Vater, dem Philosophen Klaus Vieweg, hat sie ein Buch über Hegelianismus in der Star-Trek-Serie geschrieben. Ein Porträt.

Autor: Reinhold Jaretzky


* "Musik statt Straße" - Vom Ghetto in den Konzertsaal

Das Projekt "Musik statt Straße" von Georgi Kalaidjiev und seiner Frau ermöglicht Kindern aus dem Roma-Ghetto "Nadeshda" im Bulgarischen Sliven klassischen Musikunterricht. Mit einer professionellen Musiker-Karriere sollen die Kinder den Teufelskreis aus Vorurteilen und Armut durchbrechen. So wie Georgi Kalaidjiev einst selbst. Er verließ das Ghetto, als seine internationale Karriere als Konzertgeiger begann, tourte mit dem Bulgarischen Nationalorchester und spielte die Filmmusiken von Ennio Morricone ein. Heute wohnt der 70-Jährige in Gießen und hat sich seit zehn Jahren voll und ganz den Kindern in seiner Heimat verschrieben.

Für die Schüler seines Projekts organisiert Kalaidjiev Reisen nach Gießen und Gera (Partnerstadt von Sliven). Für viele ist es die erste Auslandserfahrung. Vom 20.-23.8. kommt er mit 15 Schülern nach Gera. Die Bulgarischen Kinder treffen in Gera Schüler der kommunalen Musikschule "Heinrich Schütz" zu einem gemeinsamen Konzert. Am 22.8. geben die Gäste ein Konzert im Rathaussaal der Stadt, bei dem auch der Geraer OB Vonarb anwesend ist. Außerdem sind eine Theater-Führung und eine Shopping-Tour in den Gera-Arcaden geplant. "artour" zeigt die prekäre Situation der Kinder im Roma-Ghetto in ihrer Heimat und begleitet sie auf ihrer Reise nach Gera.

Autor: Falk Müller


* Kulturkalender

- 1. Mendl-Festspiele Zeitz noch bis 28. September. Am 23.8.: "Luther, Brecht und Frisch" - Und Mendl hat das letzte Wort
- Kunstfest Weimar 21.08. bis 07.09.2019
- Ausstellung "180 Jahre Fotografie - Die Ästhetik der Lüste" noch bis 30.12.2019 im Deutschen Fotomuseum Markkleeberg

Autorin: Ulrike Reiß

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Als die spanische Inquisition seinen Vater auf dem Scheiterhaufen verbrennt, wird aus dem bisher unbekümmerten Volksnarren Till Ulenspiegel (Gérard Philipe) ein leidenschaftlicher Kämpfer gegen die Okkupanten. Bildrechte: MDR/DEFA-Stiftung/André Manion u. Waltraut Pathenheimer
Comiczeichnerin Olivia Vieweg 1 min
Bildrechte: MDR /Sabrina Gebauer

Fr 10.11.2017 11:34Uhr 00:54 min

https://www.mdr.de/kultur/videos-und-audios/video-radio/video-olivia-vieweg-trailer100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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