Do 05.09. 2019 22:05Uhr 29:30 min

artour

Das Kulturmagazin des MDR

Komplette Sendung

Evelyn Fischer moderiert artour und schaut lächelnd in die Kamera. 29 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Do, 05.09.2019 22:05 22:35

Beiträge aus der Sendung

Udo Lindenberg vor dem Palast der Republik. 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Themen der Sendung:

* Ein Bauhausmuseum für Dessau
* "Und der Zukunft zugewandt": Film über ein fast vergessenes Kapitel DDR-Geschichte
* Stadt, Land, LOT - der Leipziger Musiker und das Aufwachsen in der Provinz
* Das Problem sind wir: Der desillusionierte Blick eines sächsischen Bürgermeisters
* Kulturkalender

* Ein Bauhausmuseum für Dessau
Das Jubiläum geht in die zweite Runde. Einhundert Jahre nach der Gründung des Bauhauses bekommt nun auch Dessau ein eigenes Bauhausmuseum. In Dessau stehen - als Unesco-Welterbe anerkannt - die Ikone des Bauhauses, das Hauptgebäude, auch die Meisterhäuser sind weltberühmt, weitere Bauten gehören zum Bauhauserbe. Als Defizit war gleichwohl immer empfunden worden, dass darüber hinaus kaum etwas in Dessau zu sehen war. Möbel, Leuchten, Textilien, Tapeten oder Schrifttypen - in Dessau entstand in den 1920er Jahren die für uns heute selbstverständlich gewordene Alltagskultur der Moderne. Das Defizit wird jetzt behoben. Was verändert sich für die Bauhausstadt und die Arbeit des Bauhauses? Als neues Museum hat das spanische Architekturbüro addenda architects einen 'großen Pavillon' entworfen, der mitten in die Stadt platziert worden ist. Die Ausstellung erzählt über das Lernen und Lehren, das freie Entwerfen und die Entwicklung industrieller Prototypen, das künstlerische Experiment und den Umgang mit dem Markt. Ein Besuch im neuen Bauhausmuseum wenige Tage vor der Eröffnung.
Autor: Meinhard Michael

* "Und der Zukunft zugewandt": Film über ein fast vergessenes Kapitel DDR-Geschichte
Die Sowjetunion war das "gelobte Land" deutscher Kommunisten. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 änderten sich die Gründe für ein Exil in der Sowjetunion. Zunächst als Arbeitskräfte willkommen wurden sie ab 1936 zur Zielscheibe des stalinistischen Terrors, der das ganze Land erfasste. Eine Million Mitglieder der KPdSU fielen ihm zum Opfer. Auch die im Land lebenden Ausländer gerieten ins Visier der politischen Polizei. Fast zwei Drittel der deutschen Kommunisten wurden verhaftet. Mehr als tausend kamen zwischen 1936 und 1945 ums Leben. Wie viele Kommunisten in den sowjetischen Straflagern überlebten, ist bis heute unbekannt. Auch die Zahl derer, die Anfang der 50er Jahre in die DDR zurückkehren konnten. In der DDR wurden sie zum Schweigen verpflichtet. Der Terror Stalins blieb ein Tabu.
Fast 20 Jahre hat der Film-Regisseur Bernd Böhlich die Schicksale von Kommunisten in den sibirischen Lagern und ihrem neuen Leben in der DDR recherchiert. Sein Film "Und der Zukunft zugewandt" erzählt ein verdrängtes, verschwiegenes, fast vergessenes Kapitel der DDR-Geschichte.
Autor: Lutz Pehnert

* Stadt, Land, LOT - der Leipziger Musiker und das Aufwachsen in der Provinz
"Ich kannte jede Straße, jedes Haus und jede Ecke, doch wollt ich hier nicht bleiben, nicht bleiben ums Verrecken." Mit diesen Zeilen beschreibt der Musiker LOT sein Heimatdorf Rüdigershagen im Eichsfeld in seinem aktuellen Song. Mit 12 Jahren zog er mit seiner Familie aus dem hessischen Flörsheim hierher in die thüringische Provinz. Es war kurz nach der Wende: Dort, wo kaum ein Bus mehr hält und die Kneipen dicht machen, muss ein Junge aus Westdeutschland gewirkt haben wie von einem fremden Planeten. In seiner neuen Schule wurde er als "Wessi" verprügelt. Und dennoch sagt er, das Leben dort sei eine gute Zeit gewesen. "Nasenbluten" heißt LOTs inzwischen drittes Studio-Album - es ist eine Sammlung von Songs, in denen er in einer Art Hassliebe kritisch und zugleich wehmütig auf seine Herkunft zurückblickt. Er beschreibt darin ein paradoxes Lebensgefühl vieler jüngerer Menschen, die ihr Zuhause in den Kleinstädten verlassen und die heute in Dresden, Magdeburg, Jena oder Erfurt wohnen. Wir haben mit LOT, der eigentlich Lothar Robert Hansen heißt und inzwischen in Leipzig lebt, einen Ausflug aufs Land gemacht und mit ihm über sein Verhältnis zur Heimat gesprochen.
Autorin: Vivien Vieth

* Das Problem sind wir: Der desillusionierte Blick eines sächsischen Bürgermeisters
Vor sechs Jahren wurde der Sozialdemokrat Dirk Neubauer, damals noch parteilos, ins Rathaus der sächsischen 4.000-Seelenstadt Augustusburg gewählt, in der es die AfD bei der letzten Europawahl auf 30 Prozent brachte. Was er nach seiner Wahl in der Stadt vorfand, waren Intransparenz, Politikverdrossenheit und ein Gefühl der Verlorenheit. In einem aktuellen Buch mit viel Zündstoff macht sich Neubauer - am konkreten, aber paradigmatischen Beispiel seiner Stadt - auf die Suche nach den Ursachen der augenfälligen Unzufriedenheit. Und wird fündig in einer Bürokratie, die den Bürger, scheinbar mit System, von der Politik entfremdet. „Wir haben verlernt, wie Gesellschaft geht - und zwar nicht nur im Osten Deutschlands." Das sagt Dirk Neubauer, den wir in seine Heimatstadt Augustusburg begleitet haben.
Autor: Tilman Jens

Kulturkalender
* Ausstellung Udo Lindenberg "Zwischen Töne", 6.9. bis 1.12. Museum der Bildenden Künste Leipzig
* "Musica Sacra" Abschlusskonzert MDR Musiksommer am 7.9. in Suhl, mit dem MDR Sinfonieorchester unter Leitung von Domingo Hindoyan
* "Der Vorname", Premiere am 6.9. im Theater Naumburg, weitere Vorstellungen am 7./13./14./20.9. und weitere Termine
Autorin: Ulrike Reiß

"artour" ist das Kulturmagazin für das MDR-Sendegebiet und für Ostdeutschland. "artour" wird in Rostock wie in Weimar geschaut, aber natürlich auch in Hamburg und München. Das Kulturmagazin mit Ostkompetenz greift Themen auf, die die Zuschauer bewegen. Von Thälmann bis Theater, von der Kittelschürze bis zum Konzert, von der Off-Bühne bis zur Oper. Themen werden auch mal gegen den Strich gebürstet, egal, ob es sich um eine Kunstausstellung oder einen kulturpolitischen Skandal handelt.

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