Di 10.09. 2019 21:00Uhr 44:30 min

Ehemaliges Grenzgebiet US-Stützpunkt "Point Alpha"
Ehemaliges Grenzgebiet US-Stützpunkt "Point Alpha" Bildrechte: MDR/Dirk Schneider
MDR FERNSEHEN Di, 10.09.2019 21:00 21:45

Der Osten - Entdecke wo du lebst Point Alpha - Der heißeste Punkt des Kalten Krieges

Point Alpha - Der heißeste Punkt des Kalten Krieges

Ein Film von Dirk Schneider

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Spurensuche rund um "Point Alpha"

Spurensuche rund um "Point Alpha"

Dass wir uns heute noch erinnern können an "den heißesten Punkt des Kalten Krieges", ist Berthold Dücker zu verdanken, der mit "Point Alpha" ein Dokumentationszentrum initiierte. Eine Spurensuche.

Vern Croley
Als Platoon Sergeant tat Vern Croley in den 1980er-Jahren Dienst auf "Observation Post" Alpha. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Überlagerung aus farbigen Linien und Punkten
Aufmarschpläne von Nato und Warschauer Pakt lassen sich heute im Dokumentationszentrum "Point Alpha" besichtigen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Selbstschussanlage SM 70
Die so genannten Selbstschussanlagen des Typs SM-70 wurden am vorderen Metallgitter-Grenzzaun montiert. Versteckt ausgelegte Drähte lösten Schüsse aus oder brachten Splitterminen zur Detonation. Das Ziel: Fluchtversuche verhindern. Bildrechte: Gedenkstätte Point Alpha
Bertold Dücker in: "Point Alpha - Der heißeste Punkt des Kalten Krieges".
Dass "Point Alpha" als Erinnerungsort existiert, ist Berthold Dücker zu verdanken, der ganz in der Nähe aufgewachsen ist. Vom Kühe-Weiden kam er eines Tages nicht mehr nach Hause, mit 16 flüchtete er in den Westen. Nach der Wende kehrte er nach Thüringen zurück. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Von den Zeitzeugen werden persönliche Dinge gezeigt – hier: Puppenkleid und die kleine Puppen-Kaffeemühle von Marie-Luise Tröbs
Das einzige, was Marie Luise Tröbs damals mitnehmen durfte, war dieses Puppenkleid, dass sie für die Ausstellung in "Point Alpha" zur Verfügung stellte. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Wachturm
Junge Männer, die in der DDR studieren wollten, mussten vorher ihren Dienst bei der NVA ableisten, oft bei den gefürchteten Grenztruppen so wie hier in Thüringen bei Geisa. Der Wachturm erinnert daran. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Axel Bretfeld über den Selbstmord seines Bruders an der Grenze in: 'Point Alpha - Der heißeste Punkt des Kalten Krieges'
Axel Bretfeld erfährt erst Jahrzehnte später, warum sein Bruder Frank an der Grenze Suizid beging. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Axel Bretfeld über den Selbstmord seines Bruders an der Grenze in: 'Point Alpha - Der heißeste Punkt des Kalten Krieges'
Wie schwer ihn der Dienst an der Grenze mitnahm, zeigt schon der Blick auf die Bilder, die Frank als Kind und als Grenzer zeigen, erzählt Axel Bretfeld, der sehr an seinem älteren Bruder gehangen hat. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Gedenkstätte Point Alpha, Haus auf der Grenze
Gerade Schüler sollten das "Haus auf der Grenze" mal besuchen, findet Berthold Dücker. Das ganze Areal biete viel Stoff für eine große Geschichtslektion. Bildrechte: MDR/Lily Meyer
Vern Croley
Als Platoon Sergeant tat Vern Croley in den 1980er-Jahren Dienst auf "Observation Post" Alpha. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Porträt eines Mannes auf eine Mauer projiziert
Immer nach zwei Wochen kam die Ablösung, wegen des hohen Stressfaktors, erzählt Vern Croley. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grenzanlage von oben
Heute kaum noch zu ahnen: Auf DDR-Seite wurden seit den 1970er-Jahren neuartige Splitterminen installiert, entlang der ganzen Grenze insgesamt 71.000 Stück. Entwickelt in der Tschechoslowakei, getestet an Schweinen, produziert schließlich im VEB Chemiewerk Kapen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Bertold Dücker in: "Point Alpha - Der heißeste Punkt des Kalten Krieges".
Besonders herzlich wurde Berthold Dücker damals nicht aufgenommen. Vom Zoll in den Zug gesetzt muss er sich als Flüchtling aus dem Osten beschimpfen lassen. Dann geht es ins Notaufnahmelage Gießen, das er für für die Dreharbeiten erstmals wieder besucht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Bertold Dücker in: "Point Alpha - Der heißeste Punkt des Kalten Krieges".
Im Westen schafft es Berthold Dücker, seinen Traum zu verwirklichen. Er wurde Journalist. Nach der Wende kehrte er in seine thüringische Heimat zurück. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Luftaufnahme eines Ortes
Geisa war das westlichste Dorf im Osten – und Sperrgebiet direkt an der Grenze. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Marie Luise Tröbs
Marie Luise Tröbs' Familie wurde in den 1960er-Jahren aus Geisa zwangsausgesiedelt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Die Vernichtung Deutschlands in einem Atomkrieg - sie hätte hier begonnen, im Südwesten Thüringens, an der Grenze zu Hessen, nahe der Stadt Geisa. Point Alpha ist einer der authentischsten Erinnerungsorte des Kalten Krieges. Dieser eigentlich kleine Beobachtungspunkt der U.S. Army in der Rhön, im sogenannten "Fulda Gap", wäre im 3. Weltkrieg Schauplatz der ersten vernichtenden Schlacht zwischen NATO und Warschauer Pakt geworden. Taktische Atomwaffen inklusive. Gelegen an der hochgerüsteten innerdeutschen Grenze, mit Minenstreifen, Selbstschussanlagen und Sperrgebiet.

Diesen Ort würde es ohne den Thüringer Berthold Dücker nicht mehr geben. Er flüchtete als 16-Jähriger wenige Jahre nach dem Mauerbau, 1964, von hier aus in den Westen. Journalist zu werden, sein Traumberuf, das konnte er sich in der DDR nicht vorstellen. Berthold Dücker wird im Westen Journalist, recherchiert über den US-Stützpunkt "Point Alpha", macht Karriere. Als ihn nach dem Mauerfall die Anfrage erreicht, Chefredakteur einer der neuen Zeitungen in Südthüringen zu werden, sagt er begeistert zu. In dieser Zeit erlebt er mit, dass "Point Alpha" von der hessischen Landesregierung abgerissen und das Gelände renaturiert werden soll. Berthold Dücker protestiert - und wird zum Begründer der Aufklärungs-, Dokumentations- und Erinnerungsstätte Point Alpha. Der junge Freistaat Thüringen unterstützt ihn damals, das Land Hessen nicht.

Ost und West, in Gegensätzen vereint, an kaum einem anderen Ort ist das so wie hier. Bis heute. Heute kommen 88 Prozent der Schüler, die sich Point Alpha und das Grenzmuseum anschauen, aus Hessen. 12 Prozent aus Thüringen. Der Film geht auf Spurensuche im nahen, thüringischen Vacha. Warum ist das so? Am Gymnasium Vacha lehrt Beate Dittmar. Sie stammt wie Berthold Dücker aus Geisa, ist aber in der DDR geblieben. Heute ist sie Lehrerin und engagiert sich stark für Point Alpha. Berthold Dücker trifft Schüler, die geboren wurden, als die DDR schon 10 Jahre Geschichte war und deren Familien und Biografien doch noch stark von dieser Zeit geprägt sind.

Was erzählt uns dieser Ort heute, vor allem jungen Menschen in Ost und West?

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