Mi 18.09. 2019 21:45Uhr 29:30 min

Exakt - Die Story Grünes Band oder Flickenteppich?

Der Streit ums richtige Erinnern

Film von Peter Simank

Komplette Sendung

Grenzanlagen im Gegenlicht 30 min
Grenzanlagen im Gegenlicht Bildrechte: MDR/Kai Frobel
MDR FERNSEHEN Mi, 18.09.2019 21:45 22:15

Bilder zur Sendung

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Braunkehlchen auf Grenzpfahl
Braunkehlchen auf Grenzpfahl Bildrechte: MDR/Thomas Stephan
Braunkehlchen auf Grenzpfahl
Braunkehlchen auf Grenzpfahl Bildrechte: MDR/Thomas Stephan
Innerdeutsche Grenze 1988
Innerdeutsche Grenze 1988 Bildrechte: MDR/Lothar Engle
Grünes Band im Südharz
Grünes Band im Südharz Bildrechte: MDR/BUND/Klaus Leidor
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Die frühere deutsch-deutsche Grenze ist heute ein ökologisches Juwel. Doch um das Grüne Band gibt es Querelen und Widerstände. "exakt - Die Story" analysiert den komplexen Streit und beleuchtet in einer Chronologie die Ereignisse und Diskussionen um Sachsen-Anhalts vielleicht erstes Nationales Naturmonument.

Sie war eine der am besten bewachten Grenzen der Welt mit Sicherheitszäunen, Selbstschussanlagen und Minenfeldern. Mindestens 684 Menschen verloren bei Fluchtaktionen aus der DDR ihr Leben an der deutsch-deutschen Grenze. Gleichzeitig jedoch verwandelte sich die historische Nahtstelle zwischen Ost und West in 40 Jahren deutscher Teilung in ein ökologisches Juwel, ein Biotop-System von 1400 km Länge. „Ein solches Biotop auf der Länge, das gibt es in Deutschland kein zweites Mal", so Kai Frobel, Initiator des Grünen Bandes.

Nach dem Mauerfall 1989 hätte der Todesstreifen zum längsten Naturschutzgebiet Deutschlands werden können. Doch Behördenwirrwarr und Bürokratie verhinderten zunächst das einzigartige Öko-Projekt. Stattdessen entstanden Gewerbegebiete, Straßen und Ackerflächen. Die größten Lücken im Grünen Band klaffen in Sachsen-Anhalt. Das soll sich seit 2016 ändern. Im aktuellen Koalitionsvertrag des Landes steht die Ausweisung des Grünen Bandes als Nationales Naturmonument festgeschrieben. Doch das trifft auf scharfen Widerstand der Anrainer.

„Man kann alles machen. Man hat ja früher eine Grenze auch gebaut und gesagt: Hier will ich lang und hier wird eine Grenze gezogen. Und wenn wir das heute machen wollen, müsste man das wieder so machen und müsste die Leute enteignen. Nur damit man das Grüne Band hier vervollständigen kann. Also, für mich ist das sinnlos", meint Landwirt Reinhold Freudenberg aus Lüttgenrode im Harz.

Im Sommer 2019 droht an dieser Frage gar die schwarz-rot-grüne Koalition im Magdeburger Landtag zu scheitern. Land- und Forstwirte sowie Privateigentümer sehen sich bereits enteignet, anderen kommen Erinnerungskultur und Natur zu kurz. Mittlerweile hat der Landtag einen Gesetzesentwurf verabschiedet und hofft, den ehemaligen Grenzstreifen bis zum 9. November 2019, dem 30. Jahrestag des Mauerfalls, als Nationales Naturmonument doch noch auszuweisen. Damit jedoch werden viele Lücken und Fragen auch weiter bestehen bleiben und die Diskussionen um Naturschutz und Erinnerungskultur vermutlich erst richtig beginnen.

„Dann geht es erst richtig los. Dann nehmen wir uns fünf Jahre Zeit, um Pläne zu machen zur Entwicklung des Naturschutzes und der Erinnerungskultur. Und dann nach fünf Jahren hoffen wir, das Grüne Band gut für den Naturschutz und die Erinnerungskultur entwickelt zu haben.", meint Prof. Claudia Dalbert, Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt.

Die Reportage analysiert die Querelen, Widerstände und die Komplexität im Streit ums Grüne Band und zeichnet eine Chronologie nach, die die Ereignisse und Diskussionen um Sachsen-Anhalts vielleicht erstes Nationales Naturmonument beleuchtet.

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