Di 24.09. 2019 22:05Uhr 45:00 min

Kriminalfälle der Einheit – Nepper, Blender, Firmenräuber

Film von Lutz Hofmann

Komplette Sendung

Porträt von Oswald Müller, damals Werftdirektor in Wismar, vor der Werft 44 min
Oswald Müller, damals Werftdirektor in Wismar Bildrechte: MDR/Hoferichter&Jacobs
MDR FERNSEHEN Di, 24.09.2019 22:05 22:48

Bilder zum Film

Bilder zum Film

In den Nachwendejahren war der Osten ein Eldorado für Kriminelle. Fast jeden Tag ereigneten sich Überfälle auf Sparkassen und Geldtransporter und aus Museen wurden etliche wertvolle Gemälde gestohlen.

Blaulicht und Sirene auf einem Polizeifahrzeug
In den Jahren 1989/1990 entwickelte sich der Osten Deutschlands zu einem Eldorado für Kriminelle. Insgesamt nahmen die Strafanzeigen von 1989 bis 1990 um 30,3 Prozent zu. Bildrechte: Hoferichter & Jacobs GmbH
Blaulicht und Sirene auf einem Polizeifahrzeug
In den Jahren 1989/1990 entwickelte sich der Osten Deutschlands zu einem Eldorado für Kriminelle. Insgesamt nahmen die Strafanzeigen von 1989 bis 1990 um 30,3 Prozent zu. Bildrechte: Hoferichter & Jacobs GmbH
Zwei Männer hinter Absperrband auf einer Treppe vor einer Sparkasse
Fast täglich ereigneten sich Überfälle auf Banken, Sparkassen und Geldtransporter. Hinzu kamen Einbrüche und Kunstdiebstähle. Laut Anzeigen-Statistik nahmen Raub und Erpressung um 218 Prozent zu sowie Diebstahl und Unterschlagung um 51 Prozent. Bildrechte: Hoferichter & Jacobs GmbH
Radarkontrolle der Volkspolizei an einer Straße
Die Polizei war in jenen Jahren überfordert. Es fehlte sowohl an Personal als auch an technischer Ausstattung. Bildrechte: imago/Rust
Markierungen auf Landkarte
Nach der Währungsunion im Juli 1990 gab es jeden Tag etwa vier Banküberfälle. Die Polizei konnte oftmals nur noch die Tatorte auf einer Karte markieren. Bildrechte: Hoferichter & Jacobs
Ein weißer Transporter mit beschädigter Heckklappe im Schnee
Und die Kriminellen waren geschickt. An diesen Transporter hatten sie beispielsweise einen "Rammbock" geschweißt, mit dem sie die Türen der Geldinstitute aufbrachen. Eine Bande, die vor allem in Mecklenburg und Brandenburg agierte, erbeutete bei ihren Raubzügen zwischen 1992 und 1997 mutmaßlich zehn Millionen D-Mark. Bildrechte: Hoferichter & Jacobs GmbH
Alle (5) Bilder anzeigen
Die DDR ist am Ende, im Frühjahr 1990 ist das allen klar. Es ist eine Zeit des Aufbruchs, des Neuanfangs; eine ganz frische Euphorie weht durch die Regionen im Osten. Aber zugleich ist auch klar: das Leben wird sich rasant verändern. Dieses Potenzial wissen auch Kriminelle für sich zu nutzen. Denn die neue Freiheit ist schlecht bewacht: Die alte Staatsgewalt ist in Auflösung begriffen, eine neue gibt es noch nicht…

Drei Monate vor der deutschen Einheit rollt der größte Geldtransport, den die Welt je sah, in den Osten. Dutzende Geldlaster bringen mehr als 25 Milliarden D-Mark – deponiert werden sie in schlecht gesicherten Bankfilialen. Jetzt wird auch die DDR zum Eldorado für Bankräuber, Anlagebetrüger und kriminelle Investoren.

Der Film Kriminalfälle der Einheit - "Nepper, Blender, Firmenräuber" von Lutz Hofmann nimmt die Zeit des Aufbruchs im Osten unter die Lupe und taucht ein in die Phase des Umbruchs. Anhand spektakulärer Kriminalfälle aus der Zeit der Einheit lassen sich auch Spuren und Erklärungen für heutige Zustände ableiten. Während man in den Parlamenten damit beschäftigt war, den Weg in die Einheit Deutschlands vorzubereiten, brach auf den Straßen Angst vor einer kriminellen Welle aus, die bis dato im Osten unbekannt war.

Im Trabi dem Verbrechen hinterher

Ist Anfang 1990 die Kriminalität in der DDR schon sprunghaft gestiegen, schießt sie nach der Währungsunion noch einmal kräftig in die Höhe. Die DDR hat ihre Grenzen weit geöffnet und schnell kommen auch kriminelle Einzeltäter und Banden aus allen Himmelsrichtungen in den Osten. Zigaretten werden massenweise geschmuggelt, Waffen auf Schwarzmärkten verkauft und schnell auch harte Drogen. Während sich die Staatsmacht neu formiert, stecken Kriminelle ihre Claims ab – wenig behelligt von der verunsicherten Polizei. Denn die Polizisten sind für diesen Berufsalltag nicht ausgerüstet. Manchmal jagen sie sogar im privaten Trabi dem Verbrechen hinterher.

Die Wirtschaft im Herzen getroffen

Zum ersten Mal gab es im Osten plötzlich Wirtschaftsverbrechen im großen Stil, wie der Fall des Anlagebetrügers Norbert M. zeigt, der seine Opfer um Millionen prellte und nach einer verbüßten Haftstrafe einfach unter neuem Namen weitermachte. Oder die Machenschaften des betrügerischen Investors Heinz K., der im ELBO-Skandal die Treuhand um Millionen D-Mark betrog und tausende Arbeitsplätze verzockte. Etwa 50 Millionen D-Mark sind bis heute verschwunden…

Ebenso das skandalöse Handeln rund um die norddeutschen Werften in Wismar, Rostock und Stralsund, das die Wirtschaftsstandorte an der ostdeutschen Küste im Herzen traf oder die betrügerischen Deals des Hamburger Insolvenzanwalts Hans-Jürgen L., der erst nach vier Jahren Flucht gefasst werden konnte.

Sie alle stehen für eine neue Art des Verbrechens in der endenden DDR und dem jungen wiedervereinigten Deutschland.

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