Di 12.11. 2019 21:00Uhr 44:00 min

ARD-Themenwoche „Zukunft Bildung“ Pauker, Pioniere und Pennäler

Die Droyßiger Lehranstalten

Komplette Sendung

Droyssiger Lehranstalten von oben 44 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Di, 12.11.2019 21:00 21:45
Ein Film von Ulrike Reiß

Droyßig, eine 2.000 Seelengemeinde im südlichen Sachsen-Anhalt – seit fast 170 Jahren steht in diesem kleinen Ort eine große Schule. Die Droyßiger Lehranstalten waren Mädchenschule, sozialistische Kaderschmiede und beherbergen heute ein christliches Gymnasium. Vom Kaiserreich über die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus, die DDR bis ins geeinte Deutschland - immer wurden hier junge Menschen auf das Leben vorbereitet.

Lehrermangel gibt es nicht erst seit kurzem. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts fehlt es überall an Lehrern. Frauen dürfen bis dato nicht unterrichten. Doch mit Einführung der allgemeinen Schulpflicht gibt es einen gestiegenen Bedarf an Lehrern. Deshalb sollen nun auch Frauen diesen Beruf ergreifen können. Aber die müssen erst mal ausgebildet werden.

Das ist die Geburtsstunde der Droyßiger Lehranstalten. 1852 wird die Schule als königliches evangelisches Lehrerinnen-Seminar mit Internatsbetrieb eröffnet. Neben Lehrerinnen machen bald auch Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen hier ihren Abschluss.

Viele ehemalige DDR-Bürger verbinden die Droyßiger Lehranstalten mit der Pionierorganisation "Ernst Thälmann". Im Zentralinstitut der Pionierorganisation werden von 1958 bis zur Wende für die gesamte DDR hier Pionierleiter ausgebildet, um flächendeckend an den Polytechnischen Oberschulen die Heranwachsenden zu sozialistischen Persönlichkeiten zu erziehen.

Die Droyßiger Anstalten haben davor zwei Weltkriege überdauert. Annemarie Koppe und Ilse Rösenberger waren in den letzten Kriegsjahren Internatsschülerinnen. Für sie war die Schule "eine Oase inmitten des schrecklichen Krieges". Sie erinnern sich an engagierte Lehrer, an eine strenge, aber fundierte Ausbildung und besonders an die musische Bildung: "Wir haben so viel gesungen". Später wurden beide Lehrerinnen, Vorbild war ihre Englischlehrerin in Droyßig.

Nach dem Krieg werden besonders neue Grundschullehrer gebraucht. Die Schule wird ab 1953 Institut für Lehrerbildung – und Peter Meyer, Keyboarder der Puhdys, hier zum Unterstufenlehrer ausgebildet. Gemeinsam mit seinem damaligen Studienkollegen Siegfried Ludwig besuchen sie noch mal die prägenden Orte dieser Zeit. Dabei erinnern sie sich an Sportfeste, Fahnenappelle und feucht-fröhliche Abende in der Dorfkneipe.

Heute lernen hier 600 Schülerinnen und Schüler in den historischen Gebäuden. Seit 1991 ist die CJD Christophorusschulen Droyßig ein Gymnasium mit Begabtenförderung und Gemeinschaftsschule mit christlich-evangelischem Leitbild. Sophie Schmidt ist Schülerin der 11. Klasse. Jeden Morgen ist sie eine Stunde unterwegs, bevor für sie der Unterricht beginnt. Und da ist sie nicht die Einzige. Der gute Ruf der Schule zieht Schüler aus der ganzen Region nach Droyßig. Neben dem normalen Unterricht engagiert sich Sophie in einem besonderen Projekt: "Schüler helfen Schülern". Eine Aufgabe, die ihr so viel Spaß macht, dass sie ihren Berufswunsch schon gefunden hat - Sophie möchte Lehrerin werden.

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