Mi 13.11. 2019 20:45Uhr 29:49 min

Uweltingenieur Bernd Ebeling und Ulrich Ehlers halten ein Strahlenmessgerät an ein verstrahltes Eisenrohr.
Uweltingenieur Bernd Ebeling und Ulrich Ehlers halten ein Strahlenmessgerät an ein verstrahltes Eisenrohr. Bildrechte: MDR/Heidi Mühlenberg
MDR FERNSEHEN Mi, 13.11.2019 20:45 21:15

Exakt - Die Story Verstrahlt - Vergiftet - Vergessen

Verstrahlt - Vergiftet - Vergessen

Das Erbe der DDR Erdgas-Förderung

Film von Heidi Mühlenberg

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Wienhold W. hat Quecksilber in seinen Nieren, im Darm und im Gehirn. Das Sprechen und Gehen fällt ihm schwer. Als junger Mann arbeitete der heute 56-Jährige als Erdgaskumpel. "Wir haben dafür gesorgt, dass Millionen in der DDR warme Stuben hatten und jetzt krepieren wir." Wie seine Kollegen arbeitete er damals ohne Atemschutz und atmete giftige Dämpfe ein. Denn beim Erdgasbohren sprudelt immer auch ein Giftgemisch aus den Bohrlöchern: Quecksilber, Blei, Benzol und radioaktive Isotope. Viele Kollegen, mit denen Wienhold W. zusammengearbeitet hat, erreichten nicht mal das Rentenalter.

Obwohl das gut dokumentiert sind, weigert sich seit Jahren die Berufsgenossenschaft Rohstoffe / Chemische Industrie, die Erdgasarbeiter als berufskrank anzuerkennen. Ingrid H. bekam gerade posthum den Ablehnungsbescheid - anderthalb Jahre nach dem Tod ihres Mannes Rudi. Der frühere Laborleiter des VEB Erdgaskombinats Salzwedel verstarb an Blasenkrebs. Kurz vor seinem Tod traf sich der Laborleiter mit MDR Exakt Autorin Heidi Mühlenberg und führte sie zu den heiklen Hinterlassenschaften aus 50 Jahren Erdgasförderung. Der Chemiker und Familienvater prangerte die Verseuchung des Landstrichs an.

Die giftigen Reste lasten schwer auf der Gegend um Salzwedel, die lange ab vom Schuss im Grenzgebiet zum Westen lag. Aus 400 Bohrlöchern holte die DDR hier 170 Milliarden Kubikmeter Erdgas – und dabei zwangsläufig viele hundert Tonnen Quecksilber. Viele davon lagern noch heute in ungesicherten Gruben. Landwirt Uwe B. stieß beim Pflügen plötzlich auf rostige Rohre und entdeckte zwei Schlammgruben mit Bohrabfällen. Sie lagen mitten in seinem Maisfeld. Seit Jahren verschleppen die Behörden die Entsorgung.

Am schlimmsten hat es die Einwohner von Brüchau erwischt. Hier entsorgten Erdgasfirmen in einer löchrigen Tongrube bis 2012 hunderte Tonnen Quecksilber und Gifte. Altlasten, die hoch gefährlich sind. Schon 2016 wurden Chlorid, Radium und Quecksilber im Grundwasser nachgewiesen.

Ungelöst ist auch das Problem der verstrahlten Erdgasrohre, die zu tausenden aus den Bohrlöchern kamen und noch heute an vielen Orten in der Landschaft zu finden sind, entlang von Flüssen, als Stangen für Zäune und in Viehställen. "Diese Rohre sind ausgebaut und zerschnitten worden und als Konsumgüterproduktion, als Zaunpfähle an die Bevölkerung abgegeben worden", erinnerte sich Rudi H. Viele Pfähle strahlen immer noch.

"Exakt - Die Story" erzählt die Geschichten der Betroffenen, die zunehmend verärgert sind über das Totschweigen, Aussitzen oder Ignorieren ihrer Probleme durch die Ämter und das Land und geht den Fragen nach: Warum wurden die Altlasten der DDR Erdgasförderung lange Zeit heruntergespielt? Was ist bis heute ein Riesenproblem und was tun die Behörden dagegen?

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