Do 28.11. 2019 22:05Uhr 29:30 min

artour

Das Kulturmagazin des MDR

Komplette Sendung

Moderatorin Evelyn Fischer 31 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Do, 28.11.2019 22:05 22:35

Beiträge aus der Sendung

Gemälde - Max Liebermann 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Themen:
* Juwelenraub in Dresden
* Thomas Kretschmann - Von Dessau nach Hollywood
* Ost-Places - ein Bildband über fast verschwundene Gebäude
* Später Durchbruch für Ruth Wolf-Rehfeldt
* Kulturkalender

Mehr zu den Themen:

* Juwelenraub in Dresden
"Der größte Kunstraub aller Zeiten" schlagzeilte die "Bildzeitung" am Tag nach dem Juwelenraub im Grünen Gewölbe. In einem spektakulären Coup, mit dem man außerhalb von Hollywoodfilmen kaum mehr gerechnet hatte, raubten Diebe unschätzbar wertvollen Schmuck und Edelsteine aus dem streng gesicherten Museum. Entsprechend groß ist das Entsetzen. Wie war das möglich? Sind alle unsere Kunstschätze so fahrlässig geschützt, dass ein 5-Minuten-Einbruch ausreicht, um sie zu entwenden? So weltberühmt das Grüne Gewölbe ist, so unbekannt ist einer breiten Öffentlichkeit, was genau da gestohlen wurde.

Der Bruststern des Ordens des Weißen Adlers, die Große Brustschleife aus dem Schmuck der Königinnen - worum genau handelt es sich dabei? Sind das wirklich unersetzbare Objekte der historischen "Identität der Sachsen", wie der Innenminister des Freistaats, Roland Wöller, bekräftigte? Ist hier wirklich das "Sieges- und Heimatgefühl der Sachsen zerstört", wie die FAZ meinte? Oder sind diese Juwelen nichts anderes als eine Demonstration fürstlichen Reichtums, fürstlicher Macht vergangener Epochen, deren Bedeutung nur noch touristischen Attraktionszwecken dient?
Autor: Tilman Jens


* Thomas Kretschmann - Von Dessau nach Hollywood
Im Alter von zehn Jahren ging er von Dessau nach Halle auf die Sportschule und bereits mit elf schwamm er DDR-Rekord in 1.500 Meter Freistil. Die sozialistische Heimat hatte Großes mit ihm vor: Medaillen holen bei Olympia. Doch Kretschmann widersetzte sich dem erteilten "Leistungsauftrag", dem Doping, dem Drill der Sportschule und floh an seinem 21. Geburtstag über Ungarn in den Westen. Hier startete er als Schauspieler durch. Trotz fehlender Ausbildung wird er zu einem internationalen Star. An der Seite berühmter Kollegen und großer Regisseure wie Roman Polanski.

Seit fast 30 Jahren lebt und arbeitet er in Los Angeles. Der Drill des Schwimmens habe ihn geprägt, ihn zu einem Langstreckenschwimmer gemacht. Grund für Kretschmanns anhaltende Erfolge im hart umkämpften Hollywood. Wir besuchen den Schauspieler privat in seiner Villa in Kalifornien und begleiten ihn bei einem Besuch in seiner Heimatstadt Dessau. Ein Hinweis auf das Porträt des Schauspielers Thomas Kretschmann in unserer Reihe "Lebensläufe".
Autorin: Caterina Woj


* Ost-Places – ein Bildband über fast verschwundene Gebäude
Dreißig Jahre nach der Wende ist der Historiker Andreas Metz im Osten Deutschlands auf Motivsuche gegangen: Was ist noch zu finden aus den vierzig Jahren Lebens- und Alltagskultur der untergegangenen DDR? Was an DDR-Architektur wurde erhalten, was stillschweigend oder absichtsvoll dem endgültigen Verfall preisgegeben? Wo gab es Denkmalstürmerei, wo gibt es Denkmalpflege? Was fand selbstverständlichen Eingang in die gelebte Gegenwart? Sensibilität und Entdeckerlust prägen seinen fotografischen Blick. Der umfangreiche Bildband "Ost-Places" ist Spurensuche und auch Wettrennen gegen die Uhr: Motive verschwinden, weil Gebäude abgerissen, eine Inschrift oder ganze Wandgemälde übermalt wurden. Ost Places werden zu Lost Places.
Autor: Hans-Michael Marten


* Später Durchbruch für Ruth Wolf-Rehfeldt
Es klingt wie ein Märchen und ist doch Realität: Mit fast 90 Jahren erlebt eine ostdeutsche Künstlerin nach Jahrzehnten im Schatten der Kunstwelt ihren Durchbruch und wird zum gefeierten Star. 1932 in Wurzen geboren, beginnt Ruth Wolf-Rehfeldt Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts mit so genannter Visueller Poesie und Mail Art. In der DDR liegt sie damit weit jenseits der staatlichen Kunstnormen. Bis Anfang der 90er Jahre wird sie nur punktuell wahrgenommen, kommt nach der Wende auch im westdeutschen Kunstbetrieb nicht an und gibt ihre künstlerische Tätigkeit weitgehend auf.

2015 wird eine Berliner Galeristin in einer Gruppenausstellung auf einige Blätter der Künstlerin aufmerksam. Als sie ihren Wohnort ausfindig macht, bei ihr klingelt und nach ihrer Kunst fragt, antwortet die Rentnerin: "Ja, so etwas habe ich irgendwann einmal gemacht". Es folgen eine Einzelausstellung in den Räumen der Galerie, 2017 die Teilnahme an der documenta 14 in Kassel und damit der Durchbruch. Inzwischen folgt Ausstellung auf Ausstellung. Die Arbeiten der fast vergessenen ostdeutschen Künstlerin sind international gefragt und werden inzwischen für fünfstellige Euro-Beträge gehandelt.
Autor: Detlef Suske


* Kulturkalender
- "Max Liebermann" - 1. Teil der Ausstellungsreihe "Impressionismus in Leipzig 1900 - 1914", bis 16.2. im Museum der Bildenden Künste Leipzig
- Filmstart "Bruderliebe"
- Konzert "Die höchste Eisenbahn" in Erfurt
Autorin: Ulrike Reiß