Do 09.01. 2020 22:05Uhr 29:30 min

artour

Das Kulturmagazin des MDR

Komplette Sendung

artour 30 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Do, 09.01.2020 22:05 22:35

Beiträge aus der Sendung

Kultur

artour - Kulturkalender 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
* Alkohol - Der globale Rausch
Alkohol: Kein Stoff der Welt ist in seiner Wirkung so unglaublich vielfältig. Man bekommt ihn überall, und er ist in der Lage, die unzähligen Neuronen eines menschlichen Gehirns völlig unterschiedlich zu beeinflussen. Doch kaum jemand bezeichnet Alkohol trotz seiner starken Wirkung als Droge. Aber warum lässt unsere Gesellschaft die schwerwiegenden Folgen von Alkohol zu? Warum trinken wir, und welche Rolle spielt die mächtige Alkoholwirtschaft mit einem Jahresumsatz von 1,2 Billionen Euro? Autor Andreas Pichler spricht mit vielen Expertinnen und Experten zu diesem wichtigen Thema und sucht auf seiner spannenden Reise um die Welt nach Antworten.

* Provenienzforschung und koloniales Erbe
90 bis 95 Prozent des afrikanischen Kulturerbes befinden sich heute bei uns in Europa, kaum etwas davon ist bis heute in Afrika zu sehen. Immerhin laufen seit einigen Jahren an vielen Museen in Deutschland Debatten, wie mit dem kolonialen Erbe umzugehen sei. In den Depots der ethnologischen Museen liegen etwa zwei Millionen Objekte. Wie viele davon aus der Kolonialzeit stammen, kann niemand sagen. Wie lange wird es dauern, bis all diese Herkunftsgeschichten erforscht und im Zweifelsfall an Afrika zurückgegeben werden: Jahrzehnte, Jahrhunderte?
Für die Provenienzforschung sind die Museen selbst verantwortlich, doch ihnen fehlen Geld und Personal. Die Bundesregierung hatte im Januar 2019 eine Million Euro zusätzlich für die Erforschung von Objekten aus kolonialen Kontexten bereitgestellt. Doch dieses Budget, das das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg verwaltet, wurde von den Museen nicht einmal ausgeschöpft. Im vergangenen Monat beschloss die Bundesregierung zusätzlich eine zentrale Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland zu errichten. Kulturstaatsministerin Monika Grütters will so "den Dialog mit Expertinnen und Experten sowie Betroffenen (...) suchen und möglichst kurzfristig umsetzbare Lösungen vorschlagen". Aber kurzfristige Lösungen sind bisher Fehlanzeige.
Eines der größten Völkerkundemuseen Deutschlands, das Grassi-Museum Leipzig, hat jetzt anlässlich seines 150-jährigen Bestehens eine kleine Sonderschau eröffnet, um den Ursprüngen seiner Existenz nachzuspüren. In der Kolonialzeit wurde seitens der Museen mitunter eine aggressive Sammelpolitik gefördert, die bis heute den Grundstock der Bestände prägt. Zur Eröffnung wurde die Büste des einstigen Generaldirektors Karl Weule aus dem Foyer abgeräumt und durch einen Bücherstapel ersetzt.
Nur ein weiterer symbolischer Akt? Oder bewegt sich die deutsche Museumslandschaft jetzt doch? Wir sprachen mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters, erkundigten uns nach Sammlungsgeschichte im Grassi-Museum in Leipzig bei Léontine Meijer-van Mensch, Direktorin der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen, und interviewten Moritz Holfelder, Autor der soeben erschienenen Streitschrift „Unser Raubgut".

* "Lindenberg! Mach dein Ding"
Vom Tellerwäscher zum Millionär. Damit ist die Geschichte hinlänglich beschrieben. Ein Junge aus dem westfälischen Gronau zog aus, um Deutschlands bekanntester Rockstar zu werden. Und hier endet der Film, er endet, bevor Udo Lindenberg seinen Hut und seine Sonnenbrille aufsetzt und Rockgeschichte schreibt. Er endet, bevor er Erich Honecker seine Lederjacke schenkt und dieser sich mit einer Schalmei bedankt. Er endet, bevor Udo sein Talent zum Malen entdeckt, endet, bevor Udo zur Ikone mit 700 Songs wird. Aber all das hat man vor Augen, wenn der Film von einem Jungen erzählt, der nie eine Chance hatte und das grandios nutzte. Der Film erzählt, wie es dazu kommen konnte. Er erzählt, wie aus dem Kind, dem das Trommeln angeboren war, ein hochsensibler junger Mann und Künstler wird, der nichts auslässt und immer nur eins will: Sein Ding machen. Für die Regisseurin Hermine Huntgeburth war das Spannendste, einen modernen Musikfilm zu machen. Im Interview erzählt sie, dass Udo Lindenberg auch „Bundesrepublik" ist. Mit ihm und seiner Geschichte kann man wunderbar Zeitgeschichte erzählen. Das ist ihr gelungen. Der Film "Lindenberg! Mach dein Ding" kommt am 16. Januar ins Kino.

* Die 20er Jahre
Wir stehen gerade am Beginn der 20er Jahre, der 2020er Jahre. Gern wird in diesen Tagen der Vergleich zu denen vor 100 Jahren bemüht. Zum Lebensgefühl, zur politischen Situation, zum Auseinanderdriften der gesellschaftlichen Schichten. Ergeben historische Vergleich einen Sinn, die vermeintlichen Parallelen zur Weimarer Republik? Wie gefestigt ist unsere Demokratie heute oder wie sehr befinden wir uns schon mitten im „Tanz auf dem Vulkan"?
Wir sprechen darüber mit Dirk Van Laak, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Leipzig.
Autor: Meinhard Michael

* Kulturkalender
+++ Wagners Ring an der Oper Leipzig: 15.1. Rheingold, 16.1. Walküre, 18.1. Siegfried, 19.1. Götterdämmerung +++ "Kurt Günther - Zwischen Dur und Moll" - Ausstellung in der Orangerie Gera (bis 3. März) +++ Die Magdeburger Band "Berlin Syndrome" begrüßt ihren neuen Drummer und das neue Jahr mit neuen Songs und ihrer "New Ways"-Tour durch 4 Städte, zwei davon im Sendegebiet: 16.1. Leipzig, 17.1. Magdeburg +++