So 26.01. 2020 22:50Uhr 44:48 min

Versteigerung Lörrach, Nov 1940
Versteigerung Lörrach, Nov 1940 Bildrechte: MDR/Stadtarchiv Lörrach
MDR FERNSEHEN So, 26.01.2020 22:50 23:35

75 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg Die Versteigerer

Die Versteigerer

Profiteure des Holocaust

Film von Jan N. Lorenzen und Michael Schönherr

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Wie der NS-Staat jüdische Bürger schrittweise entrechtete

Geschichte

MDR-Zeitreise-Schwerpunkt: Die Versteigerer - Profiteure des Holocaust Wie der NS-Staat jüdische Bürger schrittweise entrechtete

Das NS-Regime entrechtete die jüdische Bevölkerung schrittweise und entzog ihr so die Lebensgrundlage. Den Auftakt bildete 1933 ein reichsweiter Boykott jüdischer Geschäfte. Eine Chronologie in Bildern.

Illustration - Thema: Juden, Drittes Reich, Progrom
Im April 1933 werden jüdische Geschäfte, Arztpraxen und Rechtsanwaltskanzleien reichsweit boykottiert. Das ist der Auftakt zu einer schrittweisen Entrechtung jüdischer Bürger. Sie werden aus dem gesellschaftlichen Leben gedrängt. In der Folge wandern bis Kriegsbeginn zwei Drittel der 500.000 im Deutschen Reich lebenden Glaubensjuden aus. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK | Schwarwel
Illustration - Thema: Juden, Drittes Reich, Progrom
Im April 1933 werden jüdische Geschäfte, Arztpraxen und Rechtsanwaltskanzleien reichsweit boykottiert. Das ist der Auftakt zu einer schrittweisen Entrechtung jüdischer Bürger. Sie werden aus dem gesellschaftlichen Leben gedrängt. In der Folge wandern bis Kriegsbeginn zwei Drittel der 500.000 im Deutschen Reich lebenden Glaubensjuden aus. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK | Schwarwel
Illustration - Thema: Juden, Drittes Reich, Progrom
1934 wird die bereits 1931 eingeführte Reichsfluchtsteuer gezielt gegen jüdische Emigranten eingesetzt. Der Freibetrag wird von 200.000 auf 50.000 Reichsmark gesenkt. Bei Auswanderung müssen 25 Prozent des Vermögens an den NS-Staat gezahlt werden. Der Rest kann nur unter starken Verlusten in ausländische Währung umgetauscht werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK | Schwarwel
Illustration - Thema: Juden, Drittes Reich, Progrom
Ab Ende April / Anfang Mai 1938 dürfen Juden, die auswandern, nur Hausrat mitnehmen, wenn der Staat das genehmigt hat. Für Sachen, die nach 1933 gekauft wurden, werden 100 Prozent Steuer fällig. Das können und wollen sich viele jüdische Emigranten nicht leisten. Deshalb bleiben viele Möbelcontainer von jüdischen Auswanderern in deutschen Häfen zurück. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK | Schwarwel
Illustration - Thema: Juden, Drittes Reich, Progrom
Am 9. November 1938 verwüsten Angehörige der Sturmabteilung (SA) und Schutzstafel (SS) Geschäfte und Wohnungen jüdischer Bürger. Hunderte Synagogen werden in Brand gesetzt und völlig zerstört. Wenige Tage später, am 12. November 1938, treten die sogenannte Judenvermögensabgabe und weitere Verordnungen in Kraft, um den jüdischen Bürgern ihre Existenzgrundlage zu nehmen. Unter anderem müssen sie ihre Gewerbebetriebe veräußern, ihren Grundbesitz verkaufen und sämtliche Wertpapiere bei einer Bank hinterlegen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK | Schwarwel
Illustration - Thema: Juden, Drittes Reich, Progrom
Am 30. April 1939 tritt das Gesetz über die Mietverhältnisse mit Juden in Kraft. Nichtjüdische Hausbesitzer dürfen ab sofort jüdischen Mietern fristlos kündigen. Jüdische Hausbesitzer sollen die jüdischen Mieter übernehmen. Mit dem Gesetz sind die im Reich verbliebenen Juden gezwungen, in sogenannte "Judenhäuser" zu ziehen und einen Teil ihrer Möbel "freiwillig" zu versteigern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK | Schwarwel
Illustration - Thema: Juden, Drittes Reich, Progrom
Ende Oktober 1940 findet die erste Massendeportation von Juden statt. 6.000 jüdische Bürger aus Süddeutschland werden nach Frankreich verschleppt. Das ist eine Art Generalprobe für die folgenden großen Deportationen. Zum ersten Mal wird der zurückgelassene Hausrat versteigert. Direkt aus den Häusern der Menschen. Ein Jahr später, im November 1941, verlieren im Ausland lebende Juden die deutsche Staatsangehörigkeit und damit jeglichen Anspruch auf Eigentum. Das Vermögen fällt automatisch an den NS-Staat. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK | Schwarwel
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Am 20. Januar 1942 treffen sich 15 hochrangige Vertreter des NS-Regimes unter dem Vorsitz des SS-Obergruppenführers Reinhard Heydrich am Berliner Wannsee, um die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung in Europa zu organisieren. Heydrich erwähnt in diesem Zuge ausdrücklich die "Wohnungsfrage und sonstige sozial-politische Notwendigkeiten". Unter dem Eindruck des stärker werdenden Bombenkriegs sollen jüdische Wohnungen und Möbel für Bombengeschädigte "freigemacht" werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK | Schwarwel
Illustration - Thema: Juden, Drittes Reich, Progrom
Bald darauf, am 25. März 1945, wird in Paris die "Dienststelle Westen" für die sogenannte M-Aktion gebildet. Unter Führung des "Einsatzstabes Reichsleiter Rosenberg" werden von Juden zurückgelassene Wohnungen in Frankreich und den Benelux-Ländern geräumt. Aus fast 70.000 "unbewachten jüdischen Wohnungen" werden bis 1944 insgesamt 1 Million Kubikmeter Möbel über Sammellager ins Deutsche Reich transportiert. Vom Bombenkrieg stark getroffene Regionen im Westen und Norden erhalten einen Großteil der Lieferungen, die in der Regel günstig an Bombengeschädigte verkauft werden. (Über dieses Thema berichtet der MDR auch in der Fernsehdokumentation "Die Versteigerer" | 13.11.2018 | 22:05 Uhr.) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK | Schwarwel
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Neue Aktenfunde machen es möglich, das schrecklichste Kapitel der deutschen Geschichte aus einer vollkommen neuen Perspektive zu erzählen.

Mit der Akribie eines deutschen Beamten hat der Versteigerer Hans Klemm in Leipzig jeden Verkauf ehemals jüdischen Eigentums zwischen 1933 und 1944 dokumentiert. In unzähligen Listen sind die von den ausreisenden und deportierten Juden zurückgelassenen Gegenstände erfasst: Betten und Schränke, Tische und Stühle, Bettwäsche, Kleidung, Musikinstrumente und Spielzeug. Jeder Gegenstand wird geschätzt und dann versteigert. Als Auftraggeber fungieren damals die Geheime Staatspolizei oder die Oberfinanzdirektion, die das Geld zugunsten der Reichskasse einziehen. Doch auch der Versteigerer selbst erzielt gewaltige Gewinne. 10 Prozent des Versteigerungserlöses stehen ihm zu. Die Gewinne von Hans Klemm steigen in der NS-Zeit von etwa 10.000 auf über 100.000 Reichsmark pro Jahr.

Die Aktenfunde rund um den Leipziger Versteigerer Klemm waren für die beiden Filmemacher Jan N. Lorenzen und Michael Schönherr der Anlass, sich auf eine Reise durch Deutschland zu begeben. In mühseliger Recherche haben sie festgestellt: Überall, in jeder Stadt und in jedem kleinen Dorf, in dem Juden gelebt haben, sind deren Habseligkeiten meist unmittelbar nach deren Deportation unter den Hammer gekommen und dies wurde genau dokumentiert: Im mecklenburgischen Stavenhagen z.B. kümmert sich der Bürgermeister persönlich um den Verkauf der Hühner und Kaninchen des "Juden Jacobssohn". In Schwerin leuchtet Elektromeister Max Kuhlmann den Verkaufsraum aus. In Lörrach bannt ein Polizeifotograf auf Zelluloid, wie im Ort eine Art Schlußverkaufsstimmung entsteht, als die Gegenstände und Möbel der deportierten Juden direkt in den Innenhöfen der Häuser versteigert werden. Und in Düsseldorf freut sich die Stadtverwaltung, dass mit dem "frei Werden" der jüdischen Wohnungen nunmehr bombengeschädigten "Volksgenossen" ein Ersatz für ihre verbrannten Sachen geboten werden kann.

Mit der Zerstörung deutscher Städte im Bombenkrieg steigt der Bedarf an Einrichtungsgegenständen ins Unermessliche. Die Möbel der deutschen Juden reichen nicht mehr aus. Ab 1942 werden auch die Wohnungen der französischen und holländischen Juden geplündert, die Möbel von Spediteuren nach Deutschland gebracht: Im niedersächsischen Delmenhorst müssen extra Arbeitskräfte angeworben werden, um den Verkauf zu bewältigen. Unzählige Zeitungsannoncen künden deutschlandweit von dem makabren Geschäft. Deutlich wird: geheim sind diese Vorgänge nicht. Oft werben die Anzeigen offen mit "Judensachen", oder Möbeln aus „nichtarischem Besitz“. Jeder, der kaufte, wusste, die Deportierten kommen nicht zurück!

Die Filmemacher haben unveröffentlichtes Filmmaterial gefunden und mit Zeitzeugen gesprochen, die in ihren Kellern Möbel oder andere Gegenstände aus ehemals jüdischem Besitz bewahren. Auf der Basis dieser Recherche lässt sich die Geschichte der „Judenmöbel“ erzählen: Wer hat sie bekommen? Wer hat sich an ihnen bereichert? Und wo finden sich Dinge bis heute?

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