Di 28.01. 2020 22:05Uhr 44:00 min

DDR vereist

Einsatz an der Winterfront

Film von Nils Werner

Komplette Sendung

Schneefräseneinsatz auf Rügen Jan. 1979. 44 min
Bildrechte: MDR/Heinz Mittelbach
MDR FERNSEHEN Di, 28.01.2020 22:05 22:48

Schneechaos auf Rügen

Geschichte

Schneechaos auf Rügen

Rügen war eine der am schwersten betroffenen Regionen im Katastrophenwinter 1978/79. In eindrucksvollen Aufnahmen hat der gebürtige Rüganer Egon Nehls das Schneechaos auf der Insel festgehalten.

Fast vom Schnee verwehter Hochspannungsmast auf Rügen 1978/79
Rügen war eine der am schwersten betroffenen Regionen im Katastrophenwinter 1978/79. In eindrucksvollen Aufnahmen hat der gebürtige Rüganer Egon Nehls das Schneechaos auf der Insel festgehalten. In Bergen wurde am 1. Januar 1979 ein Meter Schnee gemessen. Schneeverwehungen erreichten mehrere Meter Höhe, wie hier auf der Landstraße zwischen Garz und Karnitz. Bildrechte: Egon Nehls
Eine schneebedeckte Straße.
Rügen versank komplett in Schnee und Eis. Auch die kleine Stadt Garz im Süden der Insel, der Heimatort von Egon Nehls, wurde komplett eingeschneit. Bildrechte: Egon Nehls
Ein Kind steht neben einem zugeschneiten Auto.
Nachdem der Sturm nachgelassen hatte, unternahm Nehls mit seiner Nichte und Kamera im Gepäck am 2. Januar 1979 einen Spaziergang durch den Ort. Man beachte: unter dem Schneehügel auf der linken Seite verbirgt sich ein Auto. Bildrechte: Egon Nehls
Drei Menschen stehen vor einem zugeschneiten Haus.
Ganze Häuser verschwanden im Schnee. Diese Familie aus Garz schaufelte sich mit großer Kraftanstrengung wieder frei. Bildrechte: Egon Nehls
Eine Winterlandschaft mit Häusern und Bäumen.
Trotz der schlimmen Zustände hatte der Extremwinter auch seine schönen Seiten. Diese Aufnahme machte Egon Nehls von der Rückseite seines Hofs. Bildrechte: Egon Nehls
Fast vom Schnee verwehter Hochspannungsmast auf Rügen 1978/79
Rügen war eine der am schwersten betroffenen Regionen im Katastrophenwinter 1978/79. In eindrucksvollen Aufnahmen hat der gebürtige Rüganer Egon Nehls das Schneechaos auf der Insel festgehalten. In Bergen wurde am 1. Januar 1979 ein Meter Schnee gemessen. Schneeverwehungen erreichten mehrere Meter Höhe, wie hier auf der Landstraße zwischen Garz und Karnitz. Bildrechte: Egon Nehls
Zwei Menschen laufen durch eine schneebedeckte Straße.
Egon Nehls kann sich nicht daran erinnern, dass die Lebensmittel in Garz knapp wurden. Im restlichen Teil der Insel kam es jedoch teilweise zu Versorgungsengpässen. Bildrechte: Egon Nehls
Katastrophenwinter Rügen 1978/79
Zwei Frauen vor der BHG-Verkaufsstelle (Bäuerliche Handelsgenossenschaft für Landwirte und Landwirtschaftsbedarf) in Garz. Bildrechte: Egon Nehls
Ein Mann schippt Schnee.
"Nach dem Sturm musste unser Hof erst wieder begehbar gemacht werden. Auch die Tierwelt kam wieder raus. Die Vögel waren ausgehungert und trauten sich nah an die Menschen, sie fraßen das Futter fast aus der Hand", erinnert sich Egon Nehls. Bildrechte: Egon Nehls
Drei Männer beim Schneeschippen.
Die Zufahrtsstraßen nach Garz mussten so schnell wie möglich wieder freigeschaufelt werden. Von der nahe gelegenen Halbinsel Zudar wurde die Stadt zum Beispiel mit Trinkwasser versorgt. Auch Egon Nehls meldete sich im Rathaus zum Schaufeldienst. Bildrechte: Egon Nehls
Ein Traktor fährt über eine mit Schnee bedeckte Straße.
Unterstützung bekamen die Schaufler von einem Bagger, den die LPG zur Verfügung stellte. Bildrechte: Egon Nehls
Eine Schneeschleuder steht auf einem Bahnsteig.
Diese "Schneeschleuder" wurde im Katastrophenwinter nach Bergen auf Rügen gebracht, um der Schneemassen Herr zu werden. Im hinteren Teil befand sich eine Diesellok, die die Dampflok im vorderen Teil mit der Schneefräse an der Spitze antrieb. Bildrechte: Egon Nehls
Der Fährhafen Sassnitz im Winter.
Egon Nehls arbeitete als Lagermeister im Fährhafen Sassnitz. Im Katastrophenwinter war dieser zu großen Teilen zugefroren. Bildrechte: Egon Nehls
Menschen transportieren Lebensmittel auf einem Schlitten durch den Schnee.
Bewohner transportieren mit einem Schlitten Lebensmittel. Bildrechte: Egon Nehls
Vier Menschen mit Schaufeln in der Hand laufen durch Schnee.
In der ersten Zeit nach dem Sturm war von morgens bis abends Schneeschippen angesagt. Bildrechte: Egon Nehls
Eine Gruppe von Menschen beim Schneeschippen.
Dabei folgten die Arbeiter einer bestimmten Methode. Sie schippten Querschneisen auf der Landstraße, sodass der Traktor sie schneller räumen konnte. Bildrechte: Egon Nehls
Menschen stehen mit Schaufeln im Schnee und rauchen.
Unterbrochen wurde die anstrengende Tätigkeit von der Mittagspause in der Gaststätte im Ort. Dort gab es für die Arbeiter eine warme Mahlzeit und ein Bier. Die Raucherpause fand aber auch bei Minusgraden statt. Bildrechte: Egon Nehls
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Ungeräumte Straßen, eingefrorene Leitungen, Havarien bei der Fernwärme: Der Winter stellte die DDR-Führung regelmäßig vor Probleme. Ab Mitte der 60er-Jahre wird von der DDR-Führung ein zentraler, staatlich organisierter Winterdienst aufgebaut. Ganze Belegschaften wurden dafür aus den Betrieben abgestellt, um den Kollegen vom Räumdienst oder der VEB Stadtwirtschaft unter die Arme zu greifen.

Doch wie meisterte die Bevölkerung die Tücken und Herausforderungen des Problemfalls Winter? Wie wurde beim kollektiven Schneeschippen die vielbeschworene sozialistische Menschengemeinschaft wirklich erlebt? Und welche Erlebnisse aus dem ganz normalen Alltag blieben bis heute in Erinnerung?

Die Mängel im Großen, die jeder neue harte Winter unmissverständlich zu Tage fördert, werden im Kleinen ausgeglichen durch Tricks und Kniffe. Fehlende, geborstene Windschutzscheiben werden - Marke Eigenbau - durch Plexiglas ersetzt - unter Mitwirkung eines ordentlichen Backofens. Kohlenklau, privat und in Betrieben, wird neues Zeichen der Zeit. Vom Bürgermeister bis zum Reichsbahner kämpft jeder an seiner eigenen, "privaten" Winterfront.

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