Do 12.03. 2020 22:05Uhr 29:30 min

artour

Das Kulturmagazin des MDR

Komplette Sendung

artour 31 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Do, 12.03.2020 22:05 22:35

Beiträge aus der Sendung

artour - Kulturkalender 3 min
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* Greta Taubert: "Guten Morgen, du Schöner. Begegnungen mit ostdeutschen Männern"

Wer ist der ostdeutsche Mann? Über diese Frage ist in den Medien weltweit viel diskutiert worden. Das Ergebnis fällt einheitlich aus: Der ostdeutsche Mann ist ein Verlierer der Einheit, ein tumber Depp, eine "zerstörerische politische Kraft", zu doof, sich in der neuen Welt zurecht zu finden. Das wollte die junge Leipziger Autorin Greta Taubert so nicht stehen lassen und hat sich mit ostdeutschen Männern verabredet. Mit Muskulösen und Kreativen, mit Armen und Reichen, Dagebliebenen und Fortgezogenen. Sie hat mit ihnen über ihr Leben gesprochen, über das, was sie lieben, was Männlichkeit ist, was sie bewegt und berührt.

Entstanden sind 16 Porträts, nachzulesen in dem Buch "Guten Morgen, Du Schöner" (in Anlehnung an Maxie Wanders berühmtes Buch "Guten Morgen, du Schöne"mit Frauenprotokollen, die in der DDR 1977 für große Aufmerksamkeit sorgten), in dem sie ostdeutsche Männer nach ihren Wendeerfahrungen und ihrem heutigen Leben befragt hat.


* Karl Schlögel: "Der Duft der Imperien. Chanel N° 5 und Rotes Moskau"

Am Anfang stand eine Wahrnehmung. Immer, wenn der Historiker Karl Schlögel in der früheren Sowjetunion unterwegs war, im Theater oder in der Metro oder im Kaufhaus, stieß er auf einen Duft, auf ein intensives, schweres Odeur. Ein paar Nachforschungen ergaben: Es handelte sich um das beliebteste Parfüm der Sowjetunion, "Krasnaja Moskwa" (Rotes Moskau), kreiert in der 20er Jahren. Entwickler war ein französischer Parfumeur namens Auguste Michel, der dafür einen Duft, der zum 300. Thronjubliäum der russischen Zarenfamilie hergestellt worden war, weiter entwickelt hatte.

Das weckte Schlögels Interesse, er beschloss, seiner Nase zu folgen. Herausgekommen ist ein olfaktorischer Krimi, eine Duftgeschichte des 20. Jahrhunderts: "Der Duft der Imperien". Schlögel fand heraus, dass auch das berühmteste Parfum des Westens, Coco Chanels "Nº 5", auf das Parfum der Romanows zurückging und durch die Turbulenzen der Revolution nach Frankreich gelangt war. Beide Düfte orientierten sich nicht mehr an natürlichen Vorbildern wie Rosen- und Lavendeldüften, sondern versuchten, auf industrieller Basis neue Geruchswelten zu erfinden. Chanels "Nº 5" sollte den "strengen Geruch von Schnee und Eisschmelze" transzendieren. „Krasnaja Moskwa" hatte als Grundton das Alpha Isomethylionon, verbunden mit 60 Komponenten, darunter Iris, Veilchen, Ylang-Ylang und Ambra.

Verantwortlich für die Parfümindustrie in der Sowjetunion war Polina Schemtschuschina, die Frau des Außenministers Molotow. Sie fiel später einer Säuberungskampagne zum Opfer, Coco Chanel kollaborierte mit den deutschen Besatzern. Ausgehend von einem Tropfen Parfum erzählt Karl Schlögel die Geschichte einer Nachkriegsmoderne, die auf beiden Seiten der Fronten des Kalten Krieges überraschend ähnlich und grenzüberschreitend verlief. artour hat Karl Schlögel zur historischen Parfümprobe in Berlin getroffen.


* Andrzej Stasiuk: "Beskiden-Chronik"

Andrzej Stasiuks neues Buch - die Beskiden-Chronik - ist ein Meisterwerk der kleinen Form. Ein mäanderndes Nachdenken über die einfachen Dinge, die wir so oft vergessen. Die Natur, die Menschen und der Alltag auf dem Land, fernab großstädtischer Getriebenheit - das ist sein Sujet. Doch wie lebt es sich als Dichter eines Landes, dessen Macht dabei ist, die Demokratie abzuschaffen? Hat sich Stasiuk auch deshalb zurückgezogen aufs Land?
"artour" hat den 60jährigen Dichter in seiner Bergeinsamkeit am Rande der Karpaten besucht und mit ihm den Frühlingsanfang gefeiert.


* Die Lebenserinnerungen des nachdenklichen Spötters Thomas Freitag

Seine Verwandlungen haben ihn zur Legende gemacht: Ob Helmut Kohl, Willy Brandt, Herbert Wehner oder Marcel Reich-Ranicki - der Kabarettist Thomas Freitag, der als Bankangestellter im Schwäbischen begann, hat sie alle perfekt parodiert und auf der Kleinkunstbühne wie auf unseren Fernsehbildschirmen zur gekonnten Lachnummer gemacht. Gelegentlich ließ er sie in seinen Solo-Programmen sogar gemeinsam miteinander parlieren.

Jetzt, kurz vor dem 70. Geburtstag, legt Freitag seine Autobiografie vor - eine sehr persönliche und erfrischend uneitle Rückschau auf die Jahre am Düsseldorfer Kom(m)ödchen oder in Dieter Hildebrandts "Scheibenwischer", auf die ersten Auftritte als Büttenredner, auf endlose Gastspielreisen durch die Provinz und auf den einen oder anderen handfesten Skandal. "Hinter uns die Zukunft" nennt er seine Erinnerungen, die er, der Wessi, zu allererst in Leipzig vorstellen wird - und das hat gute Gründe. artour hat Freitag schon einmal vorab getroffen.


* Die Preisträger

Am 12.3. um 9.30 Uhr wird die Jury des Preises der Leipziger Buchmesse die drei Preisträger (Belletristik, Sachbuch, Übersetzung) bekanntgeben. "artour" wird aktuell reagieren.


* Kulturkalender

Der Kulturkalender berichtet über die "virtuelle Buchmesse", die MDR Kultur am 14.3. am Standort der Programmdirektion Halle veranstalten wird. Unter anderem über:
- Hans-Joachim Maaz und sein Buch "Das gespaltene Land. Ein Psychogramm"
- Paula Irmschlers Romandebüt "Superbusen"
- Josef Haslinger "Mein Fall" über Kindesmissbrauch innerhalb der Kirche

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Buchmesse Leipzig