Di 07.04. 2020 22:05Uhr 45:00 min

Straßenszene besetzte Gebiete, Oktober 1939
Straßenszene besetzte Gebiete, Oktober 1939 Bildrechte: MDR/DOKfilm /Forsberg/ Agentur Karl Höffkes
MDR FERNSEHEN Di, 07.04.2020 22:05 22:48

75 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg Im Land der Täter

Im Land der Täter

Zwischen Heimat und Front

Folge 2

  • Stereo
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand

Bilder zur Sendung

Bilder zur Sendung

 Empfang des Führers, 6. Juli 1940 - Deutschland, Berlin
Empfang des Führers, 6. Juli 1940 - Deutschland, Berlin Bildrechte: MDR/DOKfilm /National Archives, Washington D.C.
 Empfang des Führers, 6. Juli 1940 - Deutschland, Berlin
Empfang des Führers, 6. Juli 1940 - Deutschland, Berlin Bildrechte: MDR/DOKfilm /National Archives, Washington D.C.
Volksdeutsche 1939/40 im besetzten Polen
Volksdeutsche 1939/40 im besetzten Polen Bildrechte: MDR/DOKfilm /Stadtarchiv Bitterfeld
Übung: Versorgung von Verletzten, 1943 - Deutschland, Berlin
Übung: Versorgung von Verletzten, 1943 - Deutschland, Berlin Bildrechte: MDR/DOKfilm /Agentur Karl Höffkes
Halbkettenfahrzeug an der Westfront 1940 - Frankreich
Halbkettenfahrzeug an der Westfront 1940 - Frankreich Bildrechte: MDR/DOKfilm/Agentur Karl Höffkes
Flakstellung Frühjahr 1943 - Deutschland, Halle
Flakstellung Frühjahr 1943 - Deutschland, Halle Bildrechte: MDR/DOKfilm /Saeculum
 Das letzte Aufgebot, Oderfront, April 1945 - Deutschland, Hohenwutzen
Das letzte Aufgebot, Oderfront, April 1945 - Deutschland, Hohenwutzen Bildrechte: MDR/DOKfilm /Grams
Gefechtspause, Oderfront, April 1945 - Deutschland, Hohenwutzen
Gefechtspause, Oderfront, April 1945 - Deutschland, Hohenwutzen Bildrechte: MDR/DOKfilm /Grams
Alle (7) Bilder anzeigen
Drei kleine Kinder grüßen strahlen mit dem Hitler-Gruß.
Fahnenappell, Sommer 1939 - Deutschland, Dreishöh Bildrechte: MDR/DOKfilm /Saeculum
Es waren keine professionellen Wochenschaukameramänner, die die Bilder vom Alltag im "Dritten Reich“ festhielten, es waren Hobbyfilmer, die das normale Leben, jenseits der offiziellen NS-Propaganda, mit ihren kleinen Kameras abbildeten: auf 8- oder 16mm-Film und oft sogar in Farbe!

Mehr als 70 Jahre lagen die Aufnahmen unentdeckt auf Dachböden oder ungenutzt in den Archiven. Jetzt hat der Filmemacher Jan N. Lorenzen aus mehr als 100 Stunden ausschließlich farbigen Amateuraufnahmen einen Film destilliert, der einen beispiellosen Einblick in das Alltagsleben der Menschen während der NS-Zeit gibt: Familienfeiern, Ausflüge mit Freunden: alles wirkt in Farbe greifbarer, authentischer, näher, als wäre es gestern erst passiert.

Harmlos wirken die Bilder nur auf den ersten Blick. Immer wieder offenbaren die Aufnahmen vielmehr, wie tief der Nationalsozialismus in die deutsche Gesellschaft eindrang, wie sichtbar für alle das Regime jüdische Mitbürger aussonderte und politische Gegner ausschaltete, wie freudig, wie bereitwillig viele Deutsche jubelten, mitmachten und selber zu Tätern wurden.

Teil 2: Front und Heimatfront
Ein Wehrmachtsoffizier filmt privat, scheinbar ungerührt, die abgemagerten Gestalten in einem Gefangenenlager für sowjetische Soldaten bei Dresden und notiert in seinem Tagebuch: "Der Gestank war bestialisch."

Im südlichen Polen wird ein anderer Wehrmachtsoffizier mit seiner Kamera Zeuge, wie jüdische Männer zum Arbeitseinsatz abkommandiert werden. Eine Gruppe von Filmamateuren durchstreift 1943 Dachau. Geführt wird die Gruppe von einem SS-Offizier des nahegelegenen Konzentrationslagers. Passt er auf, dass die Filmamateure dem Lager nicht zu nahe kommen, nur Unverfängliches filmen? Es sind Bilder von erstaunlicher Offenheit, Bilder, die in keiner nationalsozialistischen Wochenschau gezeigt worden wären.

Das Material überzeugt nicht zuletzt auch durch die enorme Bandbreite der Alltagsbilder, durch die Parallelität der Ereignisse, die in den Bildern zum Ausdruck kommt: Während deutsche Truppen an der sowjetischen Grenze auf den Befehl zum Angriff warten, unternimmt in Potsdam ein Ehepaar einen sorglosen Ausflug. Während sich in Berlin ein Familienvater in einem spaßigen Film über die Bombenangriffe lustig macht, liegen Köln und kurz darauf Hamburg bereits in Schutt und Asche.

Deutschland ist in den Kriegsjahren, das zeigen die privaten Aufnahmen, ein Land, in dem der Krieg auch dort, wo nicht gekämpft wird, immer präsent ist.

Mehr zum 75. Jahrestag der Befreiung