Mi 08.04. 2020 02:05Uhr 45:00 min

Gerhard Thiele.
Gerhard Thiele. Bildrechte: MDR/Archiv Helmut Friedrich, Gardelegen
MDR FERNSEHEN Mi, 08.04.2020 02:05 02:50

75 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg Spurensuche in Gardelegen -

Spurensuche in Gardelegen -

Das Massaker in der Isenschnibber Feldscheune

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 Die jüngsten Opfer des Massakers waren erst 16 Jahre alt.
Die jüngsten Opfer des Massakers waren erst 16 Jahre alt. Bildrechte: MDR/United States Holocaust Memorial Museum
 Die jüngsten Opfer des Massakers waren erst 16 Jahre alt.
Die jüngsten Opfer des Massakers waren erst 16 Jahre alt. Bildrechte: MDR/United States Holocaust Memorial Museum
 Die Isenschnibber Feldscheune 1945.
Die Isenschnibber Feldscheune 1945. Bildrechte: MDR/United States Holocaust Memorial Museum
Die Einwohner Gardelegens ziehen mit Kreuzen aus der Stadt, um im April 1945 Gräber für die Opfer des Massakers anzulegen.
Die Einwohner Gardelegens ziehen mit Kreuzen aus der Stadt, um im April 1945 Gräber für die Opfer des Massakers anzulegen. Bildrechte: MDR/United States Holocaust Memorial Museum
Die Ruine der Isenschnibber Feldscheune
Die Ruine der Isenschnibber Feldscheune Bildrechte: MDR/Jutta-Valeska Hinz
Die Schüler des Sophie-Scholl-Gymnasiums Gardelegen haben eine AG Stolpersteine gegründet.
Die Schüler des Sophie-Scholl-Gymnasiums Gardelegen haben eine AG Stolpersteine gegründet. Bildrechte: MDR/Jutta-Valeska Hinz
Wolfgang Kauffmann und Torsten Haarseim setzen sich in Gardelegen für das Gedenken an die Opfer der Todesmärsche von 1945 ein.
Wolfgang Kauffmann und Torsten Haarseim setzen sich in Gardelegen für das Gedenken an die Opfer der Todesmärsche von 1945 ein. Bildrechte: MDR/Jutta-Valeska Hinz
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Wolfgang Kauffmann ist erst neun Jahre alt, als seine Familie in Berlin-Buch überraschend Besuch bekommt. Die Gäste, die da im August 1962 vor der Tür stehen sind seine Tante Rosemarie aus dem Harzer Städtchen Thale mit ihrem Mann, Gerhard Thiele. Er erinnert sich: "Mein Bruder und ich wurden recht schnell aus dem Zimmer geschickt. Warum, wussten wir nicht."

Was Dr. Wolfgang Kauffmann erst Jahre später erfährt: Sein Onkel, Gerhard Thiele, ist ein gesuchter Nazi-Verbrecher. Gerhard Thiele gilt als der Hauptverantwortliche für das Massaker von Gardelegen - eines der schwersten NS-Verbrechen wenige Tage vor Ende des 2. Weltkriegs. 1.016 KZ-Häftlinge werden damals in eine Scheune bei Gardelegen getrieben. Die Scheune wird in Brand gesteckt, wer fliehen will, erschossen.

In der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe Gardelegen wird jetzt nach langem Ringen am 6. April 2020 ein neues Dokumentationszentrum eröffnet – und an das Massaker von Gardelegen mit erschreckenden Original-Aufnahmen erinnert.

Doch der Hauptverantwortliche, Gerhard Thiele, ist nie zur Verantwortung gezogen worden. 1962, als er bei den Kaufmanns zu Besuch ist und in aller Seelenruhe Kaffee trinkt, gilt sein Aufenthaltsort offiziell als unbekannt! Erst nach der deutschen Wiedervereinigung ergeht ein Haftbefehl wegen Mordes gegen Gerhard Thiele. Das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt führt die Ermittlungen. 1997 kann Gerhard Thiele endlich aufgespürt werden. Doch da ist es bereits zu spät! Thiele hat jahrzehntelang unter falschem Namen in Düsseldorf gelebt und ist 1994 als unbehelligter Bürger gestorben.

Erst heute, nach seiner Pensionierung, findet Dr. Wolfgang Kauffmann Zeit, um sich mit diesem dunklen Kapitel seiner Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Er begibt sich nach Gardelegen und trifft dort einen Mann, der sich mit dem Massaker von Gardelegen intensiv beschäftigt hat - den ehemaligen NVA-Offizier Torsten Haarseim.

Bis heute lastet dieses Verbrechen schwer auf der Stadt in der Altmark. Der Film geht gemeinsam mit den beiden Männern in Gardelegen auf Spurensuche …

Ein Film von Jutta-Valeska Hinz

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