Do 25.06. 2020 22:10Uhr (VPS 22:05) 29:30 min

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MDR FERNSEHEN Do, 25.06.2020 22:10 22:40

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Das Kulturmagazin des MDR

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* Der Blick der Stasi
Über 30 Jahre nach dem Mauerfall glauben viele vermutlich, dass das Thema Stasi auserzählt sei. Wir kennen die Geschichten von IMs, von Offizieren im besonderen Einsatz, von hauptamtlichen Mitarbeitern, von Oppositionellen genauso wie von ganz "unbescholtenen" Bürgern - von Vertrauen und Verrat. Aber welches Bild vom MfS haben wir in unseren Köpfen? Kein wirklich konkretes - meint der Historiker Phillip Springer. Das Fotomaterial des MfS ist nahezu unbekannt und für die Wissenschaft kaum erschlossen. Dabei geht man von fast zwei Millionen Fotodokumenten aus, die in den Archiven der BStU in Akten liegen. Springer arbeitet seit vielen Jahren am Fotonachlass des MfS, an der Aufarbeitung, Kategorisierung und Deutung dieser Bilder. Sein Fotoband "Der Blick der Staatssicherheit" ist ein spannender Einblick in das Alltagsleben der DDR. Der über 300 Seiten dicke Fotoband zeigt versteckte Briefkästen, Ehe-untreuen Offizieren bis hin zur Dokumentation zerfallender Kleinstädte. "artour" besucht mit dem Historiker das Archiv in einem ehemaligen Stasi-Gefängnis.
(Autor: Dennis Wagner)

* Die Geschichte des Deutschen Suchdienstes
Seit 1946 ist in der hessischen Kleinstadt Bad Arolsen der Internationale Suchdienst tätig. Schon vor Kriegsende beschlossen die Alliierten, eine Stelle einzurichten, die nach den Millionen Verschleppter, Zwangsarbeiter, Inhaftierter u.a. NS-Opfern sucht, Forschung betreibt und für Erinnerung und Aufklärung sorgt. 2013 wurde das "Arolsen Archives" in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen. Einer der frühen Anträge auf Auskunft datiert auf den 28. Juni 1948 - gestellt wurde er von dem weltberühmten Dichter Paul Celan. Er schrieb, er habe "keine Verwandten, keinen Besitz, kein Einkommen". Der 28-Jährige wollte wissen, ob von den Habseligkeiten seiner Familie, die von den Nazis umgebracht wurde, etwas übrig geblieben sei. Tausende sogenannte Effekten sind bis heute in Bad Arolsen aufbewahrt, Briefe, Uhren, Fotos usw. von Nazi-Opfern, deren Besitzer bzw. deren Angehörige bis heute nicht identifiziert werden konnten. So auch bei Friedrich Jaensch aus der Nähe von Riesa. Der Haftgrund § 175. Vom KZ Natzweiler führt sein Leidensweg über das KZ Dachau nach Sachsenhausen. Hier verliert sich seine Spur, lediglich sein Wehrpass und ein paar Fotos gibt es von ihm.
Jetzt hat das "Arolsen Archives" seinen gesamten Bestand online gestellt, man erhofft sich - auch durch die Mithilfe Freiwilliger - Aufklärung über viele bis heute ungeklärte Schicksale. Noch immer gehen jährlich 20.000 Suchanfragen in Bad Arolsen ein. "artour" stellt das Archiv und seine Arbeit vor.
(Autor: Hans-Michael Marten)

* Atelierbesuch bei Jörg Herold
Jörg Herold - der Künstler als "Dokumentararchäologe" im Land der beschleunigten Folklore. Es war eine Reise mit Hindernissen. Seit langem hatte der Künstler Jörg Herold geplant, seiner Forschungsreise nach Asien von 2010 eine weitere Reise folgen zu lassen, die genau auf den Wegen der früheren erfolgen sollte. Der "Dokumentararchäologe" Herold untersucht dabei insbesondere die Veränderungen, die die Minderheiten in Laos, Kambodscha, Thailand und Vietnam erleben. Ihn interessiert dabei auch, wie die gegenseitige Wahrnehmung erfolgt, wie ethnische "Einheit", Freund- und Feind-Bilder funktionieren. Die Vertreibung der muslimischen Minderheit aus Thailand offenbarte vor kurzem die Aktualität dieser Fragen. Zwar musste Jörg Herold die Reise aufgrund der Corona-Beschränkungen abbrechen und eine Ausstellung wurde verschoben, doch ist eine erste Auswertung schon möglich. Was bewirkt die "asiatische Dynamik" im Mekong-Gebiet? Was passiert in dieser "beschleunigten Folklore". Und wie kann ein Künstler mit Bildern - Fotos und Filme vor allem - damit künstlerische Wirkungen erzielen?

"artour" ist jetzt bei einem Werkstattbesuch bei dem in Leipzig geborenen Künstler, der auf Motivsuche für ein neues Ausstellungsprojekt mit Fotoapparat und Kamera in Asien unterwegs war, dort von der Corona-Krise überrascht wurde, festsaß und jetzt wieder zurück ist und - mit Verspätung - eine Schau seiner Fotos, Filme und von Bildern, die er dazu malt, vorbereitet.
(Autor: Dr. Meinhard Michael)

* Gipsy Queen
Wieviel Kampf ist das Leben? Und nach wieviel Niederlagen steht man nicht mehr auf? Sehenswert und berührend spielt die junge Schauspielerin Alina Serban eine alleinerziehende Mutter und Roma-Tochter im Film "Gipsy Queen". Regisseur Hüseyin Tabak hat sein Sozialdrama auf den Hamburger Kiez verlegt, wo seine von der Gesellschaft stigmatisierte Protagonistin auf die Kiezgröße Tanne (Tobias Moretti) trifft, dessen bessere Tage schon eine Weile hinter ihm liegen. Tanne, der gescheiterte Boxer, betreibt in seinem Lokal einen Boxring und Ali, die bei ihm putzt, war einmal rumänische Boxmeisterin. Zwischen beiden entwickelt sich eine anrührend aber nie rührig erzählte Beziehung. Die Schauspielerin Alina Serban stammt aus Rumänien und ist selber Roma, ihrer Darstellung der Ali ist all ihre biografische Erfahrung anzumerken.

"Gipsy Queen" läuft am 25. Juni in den Kinos an.
(Autor: Joachim Gärtner)

* Kulturkalender
- Der in Halle gedrehte Schwarz-Weiß-Film "Der Geburtstag" mit Mark Waschke und Anne Ratte-Polle läuft am 25. Juni in den Kinos an und im W-film Online Kino.
- Ab 25. Juni ist der "Westflügel Leipzig" eine begehbare Installation: "The Temple", ein Museum der Automaten, Maschinen, Puppen, der optischen Täuschungen, der Entgrenzung, der körperlichen Entfremdung.
- "Erfurt in Licht und Schatten", das sind 1.200 Jahre Stadtgeschichte als spannendes Schattentheater, präsentiert von der Spielerin Susanne Peschel in der Annenkapelle der Barfüßerruine Erfurt.
(Autorin: Stephany Mundt)

"artour" ist das Kulturmagazin für das MDR-Sendegebiet und für Ostdeutschland. "artour" wird in Rostock wie in Weimar geschaut, aber natürlich auch in Hamburg und München. Das Kulturmagazin mit Ostkompetenz greift Themen auf, die die Zuschauer bewegen. Von Thälmann bis Theater, von der Kittelschürze bis zum Konzert, von der Off-Bühne bis zur Oper. Themen werden auch mal gegen den Strich gebürstet, egal, ob es sich um eine Kunstausstellung oder einen kulturpolitischen Skandal handelt.