Do 16.07. 2020 01:40Uhr 29:30 min

Gabor Ragalyi legt als Fahrradkurier in Halle täglich etwa 50 Kilometer per Rad zurück: „Autofahrer sind sich manchmal nicht bewusst, dass sie eine Tonne Stahl durch die Gegend bewegen, die im Ernstfall viel Schaden anrichten können.“
Gabor Ragalyi legt als Fahrradkurier in Halle täglich etwa 50 Kilometer per Rad zurück: „Autofahrer sind sich manchmal nicht bewusst, dass sie eine Tonne Stahl durch die Gegend bewegen, die im Ernstfall viel Schaden anrichten können.“ Bildrechte: MDR/privat, honorarfrei
MDR FERNSEHEN Do, 16.07.2020 01:40 02:08

Exakt - Die Story Schimpfen.Drängeln.Mittelfinger - Kampf um den Asphalt

Schimpfen.Drängeln.Mittelfinger - Kampf um den Asphalt

Film von Ines Klein und Heiko Kunzmann

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Zu wenig Platz für immer mehr Mobilität - auf jahrzehntealten Straßennetzen mit jahrzehntealten Regelungen. Experten beobachten zunehmende Aggression, wenn sich Rad- und Autofahrer im Straßenverkehr in die Quere kommen. Wie kann die Kampfstimmung auf den Straßen entschärft werden?

„Es gibt sicher Radfahrer, die fahren wie angestochen und kennen wenig Rücksicht. Doch meist sind es eher die Autofahrer, die rabiat unterwegs sind“, sagt Nancy Heu. Die Krankenschwester pendelt mal mit dem Rad und mal mit Auto von Wolmirstedt zur Arbeit nach Magdeburg.

Wenn sich Rad- und Autofahrer im Straßenverkehr in die Quere kommen, wird es gefährlich. Meistens für Radfahrer, die bei Unfällen weniger geschützt sind. 460 Radfahrer sind allein im Zeitraum von Januar bis November 2019 im Straßenverkehr zu Tode gekommen, ein erneuter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr und dabei sind die Zahlen von Dezember noch offen.

"Autofahrer sind sich manchmal nicht bewusst, dass sie eine Tonne Stahl durch die Gegend bewegen, die im Ernstfall viel Schaden anrichten kann." Diese Erfahrung macht Gabor Ragalyi. Er ist seit 2016 Radkurier in Halle und fährt täglich etwa 50 Kilometer. Und er beobachtet einen zunehmenden Frust auf den Straßen.

So wie Henrik Liers von der Verkehrsunfallforschung an der TU Dresden GmbH. „Die Straße ist tatsächlich auch ein Spiegel unserer Gesellschaft. Es geht da auch um das Recht des Stärkeren. Und um persönliche Übervorteilung. Z.B. denken Radfahrer aus einer gewissen moralischen Sicht, sie dürfen bei ROT fahren.“ Liers erfasst mit seinen Kollegen im Großraum Dresden über 1000 Unfälle jährlich.

Zu wenig Platz für immer mehr Mobilität - auf jahrzehntealten Straßennetzen mit jahrzehntealten Regelungen. Schon jetzt ist der Straßenverkehr unübersichtlich, vor allem Radwege ein Problem: Mal gibt es reguläre Spuren, mal müssen Radfahrer auf den Gehweg wechseln. Mal tauchen sie dicht neben den Autos auf der Straße auf.

Erschreckend – im Fahrradklimaindex des ADFC von 2018 taucht unter den 15 Erstplatzierten in den verschiedenen Kategorien nur eine einzige ostdeutsche Stadt auf: Leipzig.

Investieren die Städte zu viel für Auto- und zu wenig für Radfahrer? Wie kann die Kampfstimmung auf den Straßen entschärft werden? Brauchen wir mehr Platz für Radwege oder strengere Kontrollen von Radfahrern? Und was können wir vielleicht von für Fahrradfreundlichkeit prämierten Städten wie Utrecht lernen? „exakt - Die Story“ geht diesen Fragen nach.

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Mai 1990. Unterwegs in die DDR. Wenige Monate nach der Maueröffnung und noch gut ein halbes Jahr vor der Wiedervereinigung bereiste der Dokumentarfilmer Reinhard Kungel mit seinem Team die (Noch-)DDR. Bildrechte: MDR/Reinhard Kungel
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