Do 16.07. 2020 22:10Uhr 29:30 min

artour

Das Kulturmagazin des MDR

artour Sommertour im Audi-Bau Zwickau – Landesausstellung Sachsen

Komplette Sendung

Der Moderator Thomas Bille 30 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Do, 16.07.2020 22:10 22:40

Beiträge aus der Sendung

Eine Frau singt in ein Mikrofon 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
"artour" ist das Kulturmagazin für das MDR-Sendegebiet und für Ostdeutschland. "artour" wird in Rostock wie in Weimar geschaut, aber natürlich auch in Hamburg und München. Das Kulturmagazin mit Ostkompetenz greift Themen auf, die die Zuschauer bewegen. Von Thälmann bis Theater, von der Kittelschürze bis zum Konzert, von der Off-Bühne bis zur Oper. Themen werden auch mal gegen den Strich gebürstet, egal, ob es sich um eine Kunstausstellung oder einen kulturpolitischen Skandal handelt.
Themen:

* Ein Überblick zur Landesausstellung Sachsen

Bergbau, Textilien, Maschinen, Eisenbahn, Autos, Mikroelektronik - Sachsen wird bis heute stark durch seine Industrie geprägt. Jetzt zeigt die 4. Landesausstellung „ Boom - 500 Jahre Industriekultur in Sachsen“ dies von den Anfängen des Silberbooms bis zum heutigen Start up. Eine wechselvolle und spannungsreiche Geschichte, die erstmalig so umfangreich erzählt wird. Zu besichtigen seit 11. Juli in der Zentralausstellung in Zwickau im Audi Bau, weitere Schauplätze sind das Industriemuseum in Chemnitz, Schauplatz Eisenbahn in Chemnitz Hilbersdorf, das Bergbaumuseum Oelsnitz, die Tuchfabrik Gebrüder Pfau in Crimmitschau und das Freiberger Forschungs- und Lehrbergwerk „Reiche Zeche“.

* Mäzenatentum - Geld aus der Industrie für Kunst und Kultur

Mäzene verdienen viel Geld und geben es gern wieder aus - für Kunst, Lebenskultur oder Architektur. Sie stiften Ihr Vermögen und investieren es in Schönheit. Die Zeit kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert und die ersten Jahrzehnte danach gelten als das „goldene Zeitalter" des Mäzenatentums in Deutschland. Jene Jahre, in denen die Industrie zu boomen begann, als die Moderne Fahrt aufnahm, der Kraftwagen, das Flugzeug, das Telefon erfunden wurden. In dieser Zeit schreiben Männer wie Karl August Lingner, der „Odol-König" in Dresden, Herbert Eugen Esche, der Strumpffabrikant aus Chemnitz oder auch die jüdischen Brüder Salman und Simon Schocken Mäzenaten-Geschichte in Sachsen. Sie fördern mit ihrem Geld Kunst, Kultur und Architektur und prägen mit ihren mutigen Investitionen bis heute unsere Kulturlandschaft.

* Karstadt in Leipzig

„Karstadt" und die Schließung vieler Warenhäuser, mit Entlassungen von Hunderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, füllen derzeit die Zeitungen. Eines davon, das Traditionskaufhaushaus in Leipzig, im letzten Jahrhundert als Althoff Warenhaus gegründet, wurde zum Centrum Warenhaus in DDR Zeiten und dann von Karstadt übernommen. Im Dezember 2018 beschließt die Galeria-Karstadt-Kaufhof-GmbH die Schließung des Karstadt-Kaufhauses in Leipzig, am 8. Februar wird das Haus dicht gemacht. Was für das westdeutsche Unternehmen ein formaler Akt ist, ist für die Stadt ein Erdbeben. Denn seit 1914 befand sich in dem eindrucksvollen Sandsteingebäude in der Petersstraße ein Warenhaus. Olivia Golde, Absolventin des Leipziger Literaturinstitutes, hat jetzt ein Buch über die Karstadt-Frauen geschrieben. „KARSTADT WAREN WIR - chronik einer angekündigten leerstelle" heißt es und ist eine Mischung aus Realität und Fiktion. Porträts von Frauen, frei erfunden, und Interviews mit Frauen, die dort 30 Jahre und länger gearbeitet haben, stehen nebeneinander. Entstanden ist eine Würdigung der Lebensleistung der Karstadt-Frauen und ein beeindruckendes Stück Literatur.

* Carl Adolph Riebeck - Der (mitteldeutsche) Braunkohlebaron

Eigentlich könnte er das mitteldeutsche Pendant zum „amerikanischen Traum" verkörpern: Statt vom Tellerwäscher zum Millionär schaffte es Carl Adolph Riebeck vom Bergwerksjungen aus dem Harz zum Großindustriellen in Halle, der im mitteldeutschen Raum bei seinem Tod 15 Kohlebergwerke, 27 Brikettpressen, 31 Schwelereien, drei Mineralölfabriken, 13 Ziegeleien sowie eine Brauerei und eine Hand voll Rittergüter zu vererben hatte. Dennoch wurde dieser Selfmademan der Gründerzeit kaum angemessen gewürdigt, obwohl er für die Entwicklung des mitteldeutschen Industriereviers eine entscheidende Rolle spielte. Aus eigener Kraft arbeitet er sich zum Bergbauinspektor hoch, wegen Beteiligung an der 1848er Revolution sitzt er im Gefängnis, und als ihn seine Arbeitgeber wegen seiner niederen Herkunft nicht weiter aufsteigen lassen wollen, macht er sich selbstständig. Mit seinem guten Ruf als Bergbauexperte ist er kreditwürdig genug, um seine erste eigene Kohlegrube zu erschließen. Der Aufstieg zum Braunkohlebaron Mitteldeutschlands hat begonnen.
Ein Film aus der Reihe „Lebensläufe“ sucht nach Spuren in Sachsen-Anhalt und Sachsen, die sich in Museen oder im Stadtbild mancher Wirkungsstätte finden. Auch einige Bergbaulandschaften, Siedlungsbauten und natürlich manche Unternehmen, deren bauliche Hinterlassenschaften bis heute erhalten sind, gehören zu Riebecks fast vergessenem Erbe.


* Kulturkalender

- Neue Dauerausstellung „Die DDR-Grenzübergangsstelle Marienborn. Schauplatz des Ost-West-Konflikts im geteilten Deutschland" in Harbke
- Die Sängerin Lianne La Havas mit ihrem neuen gleichnamigen Album, das am 17.7.2020 erscheint
- Ausstellung „Anders - Ästhetik der Differenz" in der Galerie für zeitgenössische Kunst in Gera

Landesausstellung in Sachsen