So 02.08. 2020 22:00Uhr 45:00 min

MDR Wissen Zufall Mensch? Der kleine Schritt zum großen Gehirn

Komplette Sendung

Mann hält einen Schädel in der Hand 45 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN So, 02.08.2020 22:00 22:45

Beiträge aus der Sendung

Bilder zum Film

Bilder zum Film

Ein Schimpanse
Vergleichen wir uns mit unseren genetisch nächsten noch lebenden Verwandten, den Schimpansen, spricht physisch wenig für uns: Wir haben weniger Kraft, können langsamer rennen und bedeutend schlechter klettern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Schimpanse
Vergleichen wir uns mit unseren genetisch nächsten noch lebenden Verwandten, den Schimpansen, spricht physisch wenig für uns: Wir haben weniger Kraft, können langsamer rennen und bedeutend schlechter klettern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein verschlungenes Objekt
Aber: Wir haben beeindruckende Errungenschaften vollbracht, Architektur, Wissenschaft, Sprache, Kultur, Visionen ... Und dies verdanken wir einem größeren Gehirn mit Milliarden von Nervenzellen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Mann mit Brille sitzt an einem Tisch
Doch was war die Ursache für dieses rasante Anwachsen unserer Großhirnrinde? Diese Frage stellten sich Wissenschaftler weltweit seit vielen Jahren. Einer von ihnen ist Dr. Wieland Huttner vom Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein junger Mann sieht in ein Mikroskop
Der Neurobiologe Dr. Michael Heide ist wissenschaftlicher Assistent in der Forschungsgruppe von Wieland Huttner und seit Jahren an der Suche nach den genetischen Auslösern des menschlichen Gehirnwachstums beteiligt. Und das Forscherteam scheint nun die Antwort gefunden zu haben! Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Sie fanden heraus, dass der Mensch seine enormen kognitiven Fähigkeiten ganz offenbar einem Zufall verdankt: Einer Punktmutation, die vor circa zwei Millionen Jahren bei einem unserer frühen Vorfahren, auf genau dem menschlichen Gen ARHGAP11B stattfand. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Weißbüschelaffe
Dem Forscherteam um Dr. Wieland Huttner gelang es erstmals, embryonale Hirne von Weißbüschelaffen mit Hilfe des menschenspezifischen Gens ARHGAP11B zum Wachsen zu bringen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Unter strengen ethischen Richtlinien wurden diese Versuche an Weißbüschelaffen durchgeführt: Das Gen ARHGAP11B ließ das Hirn der Weißbüschelaffen-Embryos wachsen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Die Punktmutation auf 11B muss mindestens vor der Entwicklung des Neandertalers stattgefunden haben ... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein junger Mann hat einen Schädel in Händen
... vermutlich bei einer Art des Homo Erectus. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Vergleichen wir uns mit unseren genetisch nächsten noch lebenden Verwandten, den Schimpansen, spricht physisch wenig für uns: Wir haben weniger Kraft, können langsamer rennen und bedeutend schlechter klettern.

Wir aber haben Architektur, Religion, Wissenschaft, Sprache, Schrift, Kunst, Kultur und Visionen. Errungenschaften, die wir einem größeren Gehirn mit Milliarden von Nervenzellen verdanken. Erst das sprunghafte Hirnwachstum, beginnend vor ca. zwei Millionen Jahren, ermöglichte dem Homo sapiens den Aufstieg zum Beherrscher der Erde.

Was aber war die Ursache für dieses rasante Anwachsen unserer Großhirnrinde? Diese Frage stellten sich Wissenschaftler weltweit seit vielen Jahren.

Im Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden scheint nun die Antwort gefunden. Erstmals gelang es dem Forscherteam um Dr. Wieland Huttner, embryonale Hirne von Weißbüschelaffen mit Hilfe des menschenspezifischen Gens ARHGAP11B zum Wachsen zu bringen.

Doch die Dresdner haben damit vermutlich nicht nur den Grund für unser größeres Gehirn gefunden. Sie fanden auch heraus, dass der Mensch seine enormen kognitiven Fähigkeiten ganz offenbar einem Zufall verdankt: Einer Punktmutation, die vor Hunderttausenden von Jahren, bei einem unserer frühen Vorfahren, auf genau diesem Gen stattfand.

Wann dieser Zufall stattgefunden haben könnte, wen er traf, was genau er verursachte und welche Entwicklungen er beförderte, das alles beantwortet der Film.

Schon im Vorfeld ihrer neuesten Veröffentlichungen traf das Team des MDR die Neurowissenschaftler Dr. Wieland Huttner und Dr. Michael Heide und konnte so entscheidende Momente auf deren Erkenntnisweg einfangen.

Der Film veranschaulicht die aktuellen Forschungsergebnisse der Dresdner und macht die Besonderheiten von ARHGAP11B – dem Schlüssel zu unserem großen Gehirn – verständlich.

Zu Wort kommen außerdem der Primatologe Dr. Roman Wittig sowie der Evolutionsforscher Dr. Philipp Gunz vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, Dr. Katja Liebal, Professorin für vergleichende Entwicklungspsychologie, sowie die Neurowissenschaftlerin, Bestseller-Autorin und Science-Slamerin Dr. Franca Parianen

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