So 09.08. 2020 15:30Uhr 44:30 min

Jugendbrigade Schafzucht im VEG Tierzucht Barby. Aufnahme Mitte der 1970er Jahre
Jugendbrigade Schafzucht im VEG Tierzucht Barby. Aufnahme Mitte der 1970er Jahre Bildrechte: MDR/A. Hager
MDR FERNSEHEN So, 09.08.2020 15:30 16:15

Der Osten - Entdecke wo du lebst Lämmer für die Reeperbahn - Wettin und seine Schäferschule

Lämmer für die Reeperbahn - Wettin und seine Schäferschule

  • Stereo
  • Audiodeskription
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand

Bilder zur Sendung

Bilder zur Sendung

Oberburg Wettin - ehemalige Schäferschule der DDR.
Hier in der Oberburg in Wettin befand sich von 1955 bis 1991 die Zentrale Berufsschule für Schäfer. Es war die einzige Schule mit einer solchen Spezialausbildung in der DDR. Bildrechte: MDR/Simank Film
Oberburg Wettin - ehemalige Schäferschule der DDR.
Hier in der Oberburg in Wettin befand sich von 1955 bis 1991 die Zentrale Berufsschule für Schäfer. Es war die einzige Schule mit einer solchen Spezialausbildung in der DDR. Bildrechte: MDR/Simank Film
Lehrlinge der Schäferschule Wettin. Aufnahme Mitte der 1970er Jahre.
Die Lehrlinge der Schäferschule wohnten im Internat. Am Vormittag paukten sie Theorie, am Nachmittag war dann die Praxis in Mücheln. (Aufnahme Mitte der 1970er Jahre) Bildrechte: MDR/A. Hager
Leistungs- und Zuchtausstellungen waren ein wichtiger Eckpfeiler im Schafprogramm der DDR. Aufnahme aus den 1970er Jahren.
Leistungs- und Zuchtausstellungen waren ein wichtiger Eckpfeiler im Schafprogramm der DDR. Aufnahme aus den 1970er Jahren. Bildrechte: MDR/A. Hager
Jährlich 250 Jungen und Mädchen erlernten zu DDR-Zeiten in Wettin den Schäferberuf. Aufnahme Mitte der 1970er Jahre.
Jährlich 250 Jungen und Mädchen erlernten zu DDR-Zeiten in Wettin den Schäferberuf. Aufnahme Mitte der 1970er Jahre. Bildrechte: MDR/A. Hager
Jugendbrigade Schafzucht im VEG Tierzucht Barby. Aufnahme Mitte der 1970er Jahre
Jugendbrigade Schafzucht im VEG Tierzucht Barby. Aufnahme Mitte der 1970er Jahre Bildrechte: MDR/A. Hager
Zuchtausstellung anlässlich 30 Jahre DDR - Zu dieser Zeit lebten 2,2 Millionen Schafe in Ostdeutschland.
Zuchtausstellung anlässlich 30 Jahre DDR - Zu dieser Zeit lebten 2,2 Millionen Schafe in Ostdeutschland. Bildrechte: MDR/A. Hager
Alle (6) Bilder anzeigen
"Jedes Dorf musste eine Herde Schafe haben. Ob es dahin gepasst hat oder nicht, hatte keine Rolle gespielt", erinnert sich Schäfermeister Lutz Hager aus Barby. Das war ein Parteiauftrag und für den wurden dringend Schäfer benötigt. Diese wurden in Wettin an einer der wenigen Schäferschulen auf der ganzen Welt ausgebildet. Die Geschichte dieser besonderen Schule in dem Ort bei Halle ist jedoch bis heute nahezu unbekannt. Tausende Lehrlinge wurden hier zu DDR-Zeiten ausgebildet und als Schäfer in alle Ecken der Republik geschickt. Anfang der 1970er-Jahre starteten die Agrarplaner der DDR ein einzigartiges Programm. "Die Parteiführung wollte das so und da musste das gemacht werden", erzählt Lutz Hager.

2,65 Millionen Schafe grasten damals auf den Wiesen der DDR. Wegen ihrer Genügsamkeit wurden sie auch "Pfennigsucher" genannt. Und genau deshalb wurden sie zu einem beträchtlichen Wirtschaftsfaktor. Denn über 50 Prozent ihres Futters stand auf Wegerändern, Unland oder abgeernteten Feldern kostenlos zur Verfügung. Gleichzeitig wurden sie zu wertvollen Devisenbeschaffern. 90 Prozent des Lammfleisches wurde exportiert – vor allem nach Westdeutschland und in die arabischen Staaten. Nur die Altschafe blieben in der DDR zurück - mit bis heute spürbaren Folgen: "In den DDR-Küchen hat man dadurch die Bevölkerung mit Hammelfleisch vergrämt. Alte Böcke schmecken einfach nicht. Und es ist heute noch so, dass der Konsum von Schaffleisch in den neuen Bundesländern geringer ist als in Westdeutschland", weiß Dr. Knut Strittmatter, Leiter für Tierzucht an der Universität Leipzig.

Doch hauptsächlich ging es damals weniger um das Fleisch, sondern vor allem um die Wolle. Jedes Kilo, das auf dem Rücken eines DDR-Schafes wuchs, musste nicht aus Neuseeland oder Australien gegen harte Devisen importiert werden. Mit der Einführung der künstlichen Besamung 1971 erreichten die Wollerträge bald Rekordzahlen. Im Mittelpunkt stand das Merinolangwollschaf – bis zu 6 Kilogramm Wolle geben gute Tiere pro Jahr ab. "Die Wolle war damals wertvoller als das Fleisch. Jetzt muss ich dafür sogar draufzahlen, für die Entsorgungskosten. Wer trägt heute noch echte Wolle? Das ist fast alles aus Polyester, also Öl",sagt Muhammed Özcan, türkischer Großhändler und Schlachter bei Hamburg. Er holt noch heute Lammfleisch aus Sachsen-Anhalt nach Hamburg, wo es großen Absatz unter anderem in Imbissen auf der Reeperbahn findet.

Bis zu 120 Mark pro Kilo gab es damals, heute sind es wenige Cent und die Kosten für das Scheren der Schafe oftmals höher als die Wolle selbst. Denn als jedes DDR-Schaf sein Plansoll mit 3,11 Kilogramm Reinwolle im Jahr sogar übertraf, öffneten sich die Grenzen. Und auf der anderen Seite standen die, die fortan als Norm gelten sollten: die West-Schafe mit den schwarzen Köpfen und der einzigen Funktion, möglichst schnell möglichst viel Lammbraten zu produzieren. Fast über Nacht begann 1990 das große Schafeschlachten. "Die Wende tat weh. Das, was wir in jahrelanger Arbeit zur Perfektion gebracht haben, wurde 1990 zerstört. Ganze Herden wurde gekeult oder an Westhändler verschenkt", berichtet Andrea Hager, ehemalige Lehrausbilderin für Schafzucht in Barby.

Die einzige Schäferschule Mitteleuropas in Wettin wurde 1991 abgewickelt und 6.000 Schäfer bangten um ihre Zukunft. Heute gibt es nur noch rund 1.000 in ganz Deutschland und auch die Schafbestände nehmen jährlich rapide ab.

Der Film von Peter Simank geht auf Spurensuche nach einem nahezu unbekannten Kapitel in der Geschichte Ostdeutschlands, begleitet einen Schäfermeister ein Jahr lang bei seiner Arbeit und hinterfragt dabei auch, wie es um die Zukunft der Berufsschäferei bestellt ist.

Auf Entdeckungsreise in Mitteldeutschland

Echt - Logo
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Sa, 30.01.2021 11:45 12:15

Echt

Echt

Wild im Wald - Was treibt die Jäger an?

  • Stereo
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand
Unser Dorf hat Wochenende - Logo
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Sa, 30.01.2021 12:45 13:15
  • Stereo
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand
Unterwegs in Thüringen - Logo
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Sa, 30.01.2021 18:15 18:45

Unterwegs in Thüringen

Unterwegs in Thüringen

Unterwegs in Bad Blankenburg

  • Stereo
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand
Wolfgang Stumph am Litschibaum mit Video
Bildrechte: MDR/DOKfilm Fernsehproduktion/Thomas Koppehele
MDR FERNSEHEN Sa, 30.01.2021 22:50 00:20

Zum 75. Geburtstag von Wolfgang Stumph HeimatLiebe

HeimatLiebe

Wolfgang Stumph auf Spurensuche

Film von Jana von Rautenberg und Wolfgang Stumph

  • Stereo
  • Audiodeskription
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand
Wolfgang Stumph in Djupträsket mit Video
Bildrechte: MDR/DOKfilm/Stefanie Renner
MDR FERNSEHEN So, 31.01.2021 00:20 01:50

HeimatLiebe

HeimatLiebe

Wolfgang Stumph auf Spurensuche

von Dresden über Irland nach Vietnam

  • Stereo
  • Audiodeskription
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand
Eine Gruppe Angler wärmt sich vor einer brennenden Feuertonne auf.
Wie jeder Angler lieben auch die Frauenwalder Angler die Ruhe nach dem großen Ansturm an ihren drei Teichen. Bildrechte: MDR/Frank Stuckatz
MDR FERNSEHEN So, 31.01.2021 09:00 09:30
  • Stereo
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand