Di 01.09. 2020 22:10Uhr 45:00 min

Alodia Witaszek am Denkmal
Alodia Witaszek am Denkmal Bildrechte: MDR/Monika Sieradzka /Elisabeth Lehmann
MDR FERNSEHEN Di, 01.09.2020 22:10 22:53

Kinderraub der Nazis - Die vergessenen Opfer

Kinderraub der Nazis - Die vergessenen Opfer

Film von Elisabeth Lehmann und Monika Sieradzka

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Es ist ein Verbrechen, das bis heute weitgehend unbekannt ist: Die Nationalsozialisten verschleppten während des Zweiten Weltkriegs zehntausende Kinder und brachten sie in deutschen Familien unter. Die meisten der Kinder stammten aus Polen. Ihre Identität wurde verschleiert, um sie als "deutsche Kinder" in die Volksgemeinschaft einzufügen

Bilder zur Sendung

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Alodia Witaszek beim Zeitzeugenvortrag
Während des zweiten Weltkriegs wurden zehntausende Kinder von Nationalsozialisten verschleppt und in deutschen Familien untergebracht. Die meisten der Kinder stammten aus Polen. Bildrechte: MDR/Monika Sieradzka /Elisabeth Lehmann
Alodia Witaszek beim Zeitzeugenvortrag
Während des zweiten Weltkriegs wurden zehntausende Kinder von Nationalsozialisten verschleppt und in deutschen Familien untergebracht. Die meisten der Kinder stammten aus Polen. Bildrechte: MDR/Monika Sieradzka /Elisabeth Lehmann
Hermann Lüdeking im Park
Nach Kriegsende mussten viele der geraubten Kinder zurück in ihre Heimat, die ihnen oft fremd geworden war. Einige dieser Menschen leben noch heute, zerrissen und ohne Wurzeln. Bildrechte: MDR/Monika Sieradzka /Elisabeth Lehmann
Isabel Heinemann
Isabel Heinemann ist Historikerin und forscht schon seit Jahren nach den damals verschleppten Kindern. Europaweit soll es etwa 50 Tausend von ihnen geben, die größte Gruppe stammt dabei aus Polen. Bildrechte: MDR/Monika Sieradzka /Elisabeth Lehmann
Jozef Sowa am Grab
Noch immer treibt es Jozef Sowa Tränen in die Augen, wenn er von der Tragödie seines Lebens erzählt. Seine Eltern wurden 1943 in Polen von Wehrmachtssoldaten ermordet, er und seine Geschwister nach Deutschland verschleppt. Seine Schwester Janina wurde zur Adoption freigegeben und lebt bis heute dort.  Bildrechte: © MDR/Monika Sieradzka /Elisabeth Lehmann
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Die Kinder wurden illegal aus Waisenhäusern fortgebracht oder direkt aus ihren leiblichen Familien gerissen. Nach Kriegsende mussten viele der geraubten Kinder zurück in ihre Heimat, die ihnen oft fremd geworden war. Einige dieser Menschen leben noch heute, zerrissen und ohne Wurzeln.

Noch immer treibt es Jozef Sowa Tränen in die Augen, wenn er von der Tragödie seines Lebens erzählt. Seine Eltern wurden 1943 in Polen von Wehrmachtssoldaten ermordet, er und seine Geschwister nach Deutschland verschleppt. Seine Schwester Janina wurde zur Adoption freigegeben und lebt bis heute dort. Dieser Kinderraub war kein Zufall. Heinrich Himmler wies 1941 an, "besonders gutrassige kleine Kinder polnischer Familien zusammen zu holen und von uns in besonderen Kinderheimen zu erziehen".

"Er wollte damit das deutsche Volk aufstocken", erklärt Professorin Isabel Heinemann. Seit Jahren forscht die Historikerin zu den geraubten Kindern, von denen es nach ihrer Schätzung europaweit etwa 50.000 gibt. Die größte Gruppe stammt aus Polen. Kinder ohne den Schutz leiblicher Eltern gerieten über das "Rasse- und Siedlungshauptamt der SS" in deutsche Familien, ihre wahre Identität wurde verschleiert.

Nach dem Ende des Krieges kamen diejenigen, deren Herkunft rekonstruiert werden konnte, zurück in ihre Heimat. Ein oft fremd gewordenes Land, in dem die Identität als deutsches "Hitler"-Kind die Wiedereingliederung erschwerte. Die Verantwortlichen für die Verschleppungen wurden nie zur Rechenschaft gezogen. Der Film begibt sich auf Spurensuche der polnischen Kinder, die ihr Leben lang Suchende zwischen zwei Welten blieben.

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