Do 03.09. 2020 22:10Uhr 29:30 min

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MDR FERNSEHEN Do, 03.09.2020 22:10 22:40

artour

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Das Kulturmagazin des MDR

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Themen der Sendung:

* Schulstart und Corona - eine Bestandsaufnahme:

Erstklässler, die nicht nur das ABC lernen, sondern auch das Desinfizieren, Händewaschen und regelmäßiges Lüften. Lehrer, die krank sind und trotzdem vor den Klassen stehen müssen. Und Schulen, bei denen es zu wenig Waschbecken und Lüftungsmöglichkeiten gibt. Es ist der wohl schwierigste Schulstart seit Jahrzehnten. Und die Konzepte der Länder, sie greifen vor allem für den Fall, dass es wieder Infizierte gibt. Bis dahin heißt es lernen, eng auf eng in voller Klassenstärke.

Bevor es mit der Schule in den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen richtig losging, gaben die Feiern zur Einschulung der Erstklässler einen Vorgeschmack auf die Schwierigkeiten von 'Regelunterricht unter Corona Bedingungen'. Auch wenn es immer wieder Versuche gibt, den föderalistischen Flickenteppich an Regeln zu vereinheitlichen, die Unsicherheit bleibt.

Die Gewerkschaft der Lehrer schlägt Alarm, Eltern sind verärgert. Während der Sommerferien wurde vor allem Urlaub gemacht, glauben manche. Eine Bestandsaufnahme zum Schulbeginn, Interviews mit Lehrern, GEW und dem Leiter der 'Leipzig Studie'.

Autorin: Pia Uffelmann


* Wie geht es weiter mit Schule und Bildung?

Natürlich ist es wichtig, die Versäumnisse in der Digitalisierung der Schulen so schnell wie möglich aufzuholen, Lernplattformen zu schaffen, Schüler mit Geräten zu versorgen und sie vor allem im Umgang damit zu schulen. Doch abgesehen von all den Schwierigkeiten, die mit der Digitalisierung einhergehen - der Präsenzunterricht ist dadurch nicht zu ersetzen. Das weiß man in den Ländern und im Bund - und will ihn mit allen Mitteln ermöglichen. Denn Schulen sind ja auch Erziehungsorte, in denen menschliche Beziehungen, der Umgang miteinander und das Erwerben sozialer Kompetenzen essenziell sind.

Während in Mitteldeutschland gerade die Schulen wieder den Betrieb aufnehmen, laufen in Berlin und Brandenburg die Bildungseinrichtungen bereits seit 3 Wochen unter Volllast, die Klassen sind voll, Masken müssen nur auf Gängen getragen werden und die ersten Wetterumschwünge machen klar: Mit offenen Fenstern und Stoßlüftungen wird der Unterricht nicht mehr lange möglich sein. Die ersten Corona-Fälle haben bereits wieder zu Schließungen geführt, und man befürchtet den nahenden Schiffbruch.

Was muss umgehend besser laufen? Wie kann Präsenzunterricht unter den gegebenen räumlichen und personellen Bedingungen durchgeführt werden? Wie sieht die Zukunft unserer Bildung unter dem drohenden Sturm der Pandemie aus?

artour sprach mit der Bildungsökonomin Katharina Spieß, der Vorsitzenden des Grundschulverbandes Maresi Lassek und mit Andreja Orsag, der Direktorin eines Berliner Oberstufenzentrums, in dem Erzieher ausgebildet werden.

Autor: Dennis Wagner


* Kunstfest Weimar:

Können Sie sich noch an den Weimarer Bratwurst-Skandal erinnern? Das heißt, eigentlich war es ein Bratwurst-Geruchs-Skandal. Einem früheren Intendanten des Kunstfestes soll es da zu deftig gerochen haben, wo die Kunst stattfinden sollte, und die Weimarer widersprachen ihm heftig. Wie konnte er! Das national-thüringische Kulturgut! Nun, solche Schwierigkeiten hat der Intendant Rolf C. Hemke nicht, sein Programm nimmt die ganze Stadt mit - aber wie soll das funktionieren in Corona-Covid-Sars-Cov2-Zeiten? Mit Abstand natürlich, aber ohne Distanz: das Kunstfest Weimar hat begonnen. Jetzt schützen ja die Masken, aber das diesjährige Kunstfest hat gar keine Probleme mit High oder Low. Das Programm nimmt die ganze Stadt mit und strahlt in das Land aus- Thüringen ist selbst ein Thema, die Umwelt und natürlich Corona... das alles in Theater und Tanz, STRASSENOper und vielem anderen mehr...

200 Veranstaltungen in rund 60 Formaten von Aufführung über Installation bis Ausstellung und Screening, 21 Ur- und Erstaufführungen an 12 Spielorten in Weimar und 28 thüringenweit. Uraufführungen wie "Five deleted messages" von Falk Richter mit Dimitrij Schaad, Sibylle Bergs "Paul oder Im Frühling ging die Erde unter" mit Benny Claessens in der Regie von Ersan Mondtag, Theresia Walsers "Endlose Aussicht" oder Philipp Ruchs "Wie sag ich´s meinem rechten Nachbarn?" dürfen Sie genauso wenig verpassen wie die Deutsche Erstaufführung "Free Bach 212" von La Fura dels Baus, die Uraufführung des kompletten Kurzopernzyklus "Wegwerfopern" oder den Abend "Uraufführung eines Bildes" mit Matthias Goerne und Malerfürst Anselm Kiefer.
Autor: Meinhard Michael


* Wie tickt Amerika? Der Bildband "Divided We Stand" porträtiert Menschen einer gespaltenen Nation

Als Amerika das letzte Mal seinen Präsidenten wählte, war das Schweizer Fotografenduo Monika Fischer und Mathias Braschler gerade in New York. Und - wie viele Amerikanerinnen und Amerikaner auch - rieben sie sich am Morgen nach der Wahlnacht die Augen: Ein Immobilienmilliardär und windiger TV-Entertainer war gewählt worden - zum Oberhaupt der mächtigsten Nation der Welt! Wie konnte das geschehen?

Das Künstlerpaar wollte es wissen und machte sich 2019 auf, um die Amerikaner neu und besser kennenzulernen. Sie besorgten sich einen Sprinter, statteten ihn als Campingbus und rollendes Atelier aus, packten ihren damals sechsjährigen Sohn und seine Schulsachen ein und fuhren durch die USA. Kreuz und quer. Von Küste zu Küste, tausende Kilometer in fünf Monaten. Immer offen für Begegnungen mit Menschen.

Und die sprachen sie einfach an, fragten sie nach ihrer Geschichte und ob sie sie fotografieren dürften. "Divided We Stand" - ein faszinierender Bildband, der versucht, eine Nation zu portraitieren - und zu verstehen. Das Buch erscheint am 12.09. bei Hartmann Books.

Autor: Niko Vialkowitsch


* Kulturkalender:

* Der "Klopstock-Preis für neue Literatur" des Landes Sachsen-Anhalt geht 2020 an Clemens Meyer, den Förderpreis erhält die Poetry-Slammerin Josephine von Blueten Staub
* Köthener Bachfesttage vom 2. bis 6.9.2020
* outside - Kultur unter freiem Himmel auf der Festwiese in Leipzig, u.a. Konzert mit Nneka am 8.9.2020

Autorin: Ulrike Reiß

"artour" ist das Kulturmagazin für das MDR-Sendegebiet und für Ostdeutschland. "artour" wird in Rostock wie in Weimar geschaut, aber natürlich auch in Hamburg und München. Das Kulturmagazin mit Ostkompetenz greift Themen auf, die die Zuschauer bewegen.

Von Thälmann bis Theater, von der Kittelschürze bis zum Konzert, von der Off-Bühne bis zur Oper. Themen werden auch mal gegen den Strich gebürstet, egal, ob es sich um eine Kunstausstellung oder einen kulturpolitischen Skandal handelt.

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