Di 15.09. 2020 21:00Uhr 44:30 min

Der Osten - Entdecke wo du lebst Leipzigs Traum vom Meer - Der große Kanal

Ein Film von Dirk Schneider

Komplette Sendung

Der Karl-Heine-Kanal 45 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Di, 15.09.2020 21:00 21:45

Bilder zur Sendung

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Symbol für den gescheiterten Traum Leipzigs vom Meer: Verlassenes Speichergebäude am Lindenauer Hafen in Leipzig,
Im 19. Jahrhundert plante der Industriepionier Karl Heine, der wasserreichen Stadt Leipzig einen Meereszugang zu verschaffen. Das Unternehmen scheiterte und der große Kanal blieb unvollendet. Noch heute ragen an seinen Ufern zum Teil bröckelnde Industriehallen empor. Bildrechte: MDR/Dirk Schneider
Symbol für den gescheiterten Traum Leipzigs vom Meer: Verlassenes Speichergebäude am Lindenauer Hafen in Leipzig,
Im 19. Jahrhundert plante der Industriepionier Karl Heine, der wasserreichen Stadt Leipzig einen Meereszugang zu verschaffen. Das Unternehmen scheiterte und der große Kanal blieb unvollendet. Noch heute ragen an seinen Ufern zum Teil bröckelnde Industriehallen empor. Bildrechte: MDR/Dirk Schneider
Uwe Köhler (Mitte) von der Museumsfeldbahn am Lindenauer Hafen ist Karl-Heine-Experte und weiß alles über den Kanalbau.
1990 kommt die Rettung: Jörg Hannes, Umwelt-Stadtrat in Leipzig, und seine Mitstreiter stoßen die Wiederbelebung der Wasserwege und vor allem des großen Karl-Heine-Kanals an. Uwe Köhler (Mitte) von der Museumsfeldbahn am Lindenauer Hafen weiß alles über den Kanalbau. Bildrechte: MDR/Dirk Schneider
In der Werkstatt der Museumsfeldbahn am Lindenauer Hafen.
Die Museumsfeldbahn war beim Bau des heutigen Karl-Heine-Kanals eingesetzt und zeugt bis heute von der Geschichte des Kiesabbaus in Leipzig-Lindenau. Während die Feldbahn blieb, wurde der Kanals mehrmals zugeschüttet und diente als Abwasseranlage. Bildrechte: MDR/Dirk Schneider
 Familie Herold
Eine weitere Konstante in der turbulenten Geschichte des Kanals ist das Bootsgeschäft der Familie Herold im Leipziger Westen, das vor 130 Jahren gegründet wurde. Das Unternehmen bot 1888 die ersten Flussfahrten an – auf denen sogar Fassbier ausgeschenkt wurde. Bildrechte: MDR/Dirk Schneider
Slackliner über dem Karl-Heine-Kanal.
Heute ist der Karl-Heine-Kanal das Herz eines prosperierenden Stadtteils. In "Der Osten - Entdecke wo Du lebst" erleben wir die Unter- und Überwasserwelt des großen Kanals mit Schiffsführern, Tauchern und Naturliebhabern und tauchen im wahrsten Sinne des Wortes ein in seine Geschichte Bildrechte: MDR/Dirk Schneider
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Er war vergiftet, vermüllt - vergessen. Er stank. An seinen Ufern ragten bröckelnde Industriehallen und zerfallene Gründerzeithäuser empor. Dabei war er einst der große Kanal, der Leipzig mit Hamburg, der Nordsee und dem boomenden Überseehandel verbinden sollte; eine mutige Vision des Leipzigers Rechtsanwalts Karl Heine. Im 19. Jahrhundert meinte der Industriepionier Heine, die wasserreiche Stadt an Elster, Pleiße und Parthe müsste zwingend einen Meereszugang haben. Das Unternehmen scheiterte. Der große Kanal blieb unvollendet, mehrmals sollte er zugeschüttet werden, Stadtplaner plädierten für eine Schnellstraße auf seinem Verlauf.

Doch auch diese Idee scheiterte lange an den Wasserrechten der maroden Industriebetriebe zu beiden Seiten des Ufers. Diese fürchteten, ihre giftigen Abwässer nicht mehr in den großen Kanal ableiten zu können. Und schließlich nahm der Kanal auch noch das Schmutzwasser des zweitgrößten Plattenbaugebietes der DDR, aus Leipzig-Grünau, auf. Aus dem Auge, aus dem Sinn. 1989 war der große Kanal - und damit die Vision der Industriepioniere um Karl Heine - quasi verschwunden. Was blieb, war eine düstere Kloake im noch düstereren Westen Leipzigs, das damals anmutete wie die Filmkulisse eines vernebelten, verregneten Edgar-Wallace-Krimis, Leipzig als Untoter, entstiegen einer längst vergessenen Zeit.

Doch dann kommen die Retter, die letzten Liebenden der verdreckten Leipziger Wasserwege. Wie Jörg Hannes, Umwelt-Stadtrat in Leipzig seit 1990, ehrenamtlicher Kanu-Slalomtrainer der BSG Empor Mitte und schon deshalb den Wasserläufen Leipzigs liebend verbunden. Hannes und seine Mitstreiter stoßen damals etwas an, was heute, rückblickend, 30 Jahre später, wie eine Revolution in der Revolution anmutet - die Wiederbelebung der Leipziger Wasserwege und vor allem - des großen Kanals, des Karl-Heine-Kanals. Ihnen spielt die Tragödie der alten Industrie im Leipziger Westen in die Hände, die binnen zweier Jahre einfach zusammenbrach. Dass der Karl-Heine-Kanal heute das Herz eines prosperierenden Stadtteils werden würde, ahnt damals niemand.

In "Der Osten - Entdecke wo Du lebst" erleben wir die Unter- und Überwasserwelt des großen Kanals mit Schiffsführern, Tauchern und Naturliebhabern und tauchen im wahrsten Sinne des Wortes ein, in seine Geschichte - ein Symbol für die beiden Geburten Leipzigs als boomende Großstadt, zum ersten Mal im 19. Jahrhundert und dann wieder am Ende des 20. Jahrhunderts: 1990, als mutige Visionäre den Grundstein legen für das, was Leipzig heute ist.

Auf Entdeckungsreise in Mitteldeutschland

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