Di 22.09. 2020 22:10Uhr 45:00 min

30 Jahre Deutsche Einheit Machtpoker um Mitteldeutschland

Die Stunde der Polit-Amateure

Film von Katja Herr

Folge 1 von 3

Komplette Sendung

Bundeskanzler Helmut Kohl (Rednerpult, M) spricht am Abend des 19. Dezember 1989 zu der riesigen Menschenmenge, die sich anlässlich seines Besuches eingefunden hat. Rechts neben Kohl Bundesarbeitsminister Norbert Blüm. Auf Plakaten wird der Ruf nach einer Wiederveinigung laut. Kohl hielt sich zu einem zweitägigen Besuch in der sächsischen Stadt auf und wurde an beiden Tagen von der DDR-Bevölkerung stürmisch gefeiert. 45 min
Kohl in Dresden Bildrechte: dpa
MDR FERNSEHEN Di, 22.09.2020 22:10 22:53

Bilder zur Sendung

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Bundeskanzler Helmut Kohl (Rednerpult, M) spricht am Abend des 19. Dezember 1989 zu der riesigen Menschenmenge, die sich anlässlich seines Besuches eingefunden hat. Rechts neben Kohl Bundesarbeitsminister Norbert Blüm. Auf Plakaten wird der Ruf nach einer Wiederveinigung laut. Kohl hielt sich zu einem zweitägigen Besuch in der sächsischen Stadt auf und wurde an beiden Tagen von der DDR-Bevölkerung stürmisch gefeiert.
Wie wurden aus den 14 Bezirken und 217 Kreisen der DDR fünf neue Länder? Wer bestimmte über Grenzen? Zuordnungen? Identitäten? Was hätte unter ökonomischen Gesichtspunkten Sinn gemacht – und welche Auswirkungen haben die Grenzziehungen bis heute für die Entwicklung von Ostdeutschland gehabt? Die Dokumentation von Katja Herr erzählt von Zockern und Bluffern, von Alleingängern und Teamplayern, vom Ringen und Taktieren bei der Bildung der Neuen Länder, als sich Länder-Identitäten und der Begriff der Heimat neu definierten.  Bildrechte: dpa
Bundeskanzler Helmut Kohl (Rednerpult, M) spricht am Abend des 19. Dezember 1989 zu der riesigen Menschenmenge, die sich anlässlich seines Besuches eingefunden hat. Rechts neben Kohl Bundesarbeitsminister Norbert Blüm. Auf Plakaten wird der Ruf nach einer Wiederveinigung laut. Kohl hielt sich zu einem zweitägigen Besuch in der sächsischen Stadt auf und wurde an beiden Tagen von der DDR-Bevölkerung stürmisch gefeiert.
Wie wurden aus den 14 Bezirken und 217 Kreisen der DDR fünf neue Länder? Wer bestimmte über Grenzen? Zuordnungen? Identitäten? Was hätte unter ökonomischen Gesichtspunkten Sinn gemacht – und welche Auswirkungen haben die Grenzziehungen bis heute für die Entwicklung von Ostdeutschland gehabt? Die Dokumentation von Katja Herr erzählt von Zockern und Bluffern, von Alleingängern und Teamplayern, vom Ringen und Taktieren bei der Bildung der Neuen Länder, als sich Länder-Identitäten und der Begriff der Heimat neu definierten.  Bildrechte: dpa
Kurt Biedenkopf – CDU- (1990-2002 erster Ministerpräsident von Sachsen nach der Wende) mit Filmautorin Katja Herr
Während nach der Wende mancherorts über Landeshauptstädte sinniert oder auch gestritten wird, nutzen in abgelegenen Landstrichen die Kommunalpolitiker die Gunst der Stunde, um gewitzt und unorthodox erste Fördertöpfe ausfindig zu machen und auszuschöpfen. Gerd Gies, Josef Duchac und Kurt Biedenkopf (Bild) sind die ersten Ministerpräsidenten der neuen Länder - mit sehr unterschiedlichen Startvoraussetzungen. Bildrechte: MDR
Filmautorin Katja Herr spricht mit Gerd Gies – CDU-(1990 erster Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt)
Gerd Gies (Bild), erster Ministerpräsident Sachsen-Anhalts tritt nach nur neun Monaten zurück. Ihm wird vorgeworfen, Abgeordnete mit Stasi-Vorwürfen aus dem Landtag gedrängt zu haben. Christoph Bergner von der CDU Sachsen-Anhalt sagt zu dieser Angelegenheit: "Herr Gies ist darüber gefallen, dass Stasi Überprüfungen auf sein Geheiß hin in einer Weise durchgeführt wurden, dass man das Gefühl haben musste, hier sollen Plätze frei geschossen werden. Und das begann beim Ministerpräsidenten." Bildrechte: MDR
Antje Hermenau (Mitglied des Runden Tischs in Leipzig, 1990-1994 erstmals Mitglied des Sächsischen Landtags)
Die in Leipzig geborenen Antje Hermenaus (Bild) begann sich in der Wendezeit politisch zu engagieren und wurde Mitglied des Runden Tischs. Von 1990 bis 1994 saß sie im Sächsischen Landtag. Bildrechte: MDR
Heinz Eggert – CDU-(1991-1995 Sächsischer Innenminister, 1994 – 2009 Mitglied im Sächsischen Landtag) im Gespräch mit Filmautorin Katja Herr.
Während der friedlichen Revolution engagiert sich Heinz Eggert (Bild) als Mitglied des Neuen Forums und war ebenfalls am Runden Tisch beteiligt. 1991 wurde er Sachsens Innenminister. Wenig später gründete er die „SOKO REX“, die den rechtsextremistischen Gewalttaten und Übergriffen entgegentreten sollte. Bis 2009 war er Mitglied im Sächsischen Landtag. Bildrechte: MDR
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"Machtpoker um Mitteldeutschland" von Katja Herr erzählt in drei Teilen von der Gründung und Neu-Orientierung der neuen Bundesländer in der Zeit von 1990-1994.

Wie wurden aus den 14 Bezirken und 217 Kreisen der DDR fünf neue Länder? Wer bestimmte über Grenzen? Zuordnungen? Identitäten? Was hätte unter ökonomischen Gesichtspunkten Sinn gemacht - und welche Auswirkungen haben die Grenzziehungen bis heute für die Entwicklung von Ostdeutschland gehabt?

Die Dokumentation erzählt von Zockern und Bluffern, von Alleingängern und Teamplayern, vom Ringen und Taktieren bei der Bildung der Neuen Länder, als sich Länder-Identitäten und der Begriff der Heimat neu definierten. Erzählt wird ein bisher unbeleuchtetes Kapitel deutscher Nachwendegeschichte. Tiefgründig recherchiert, mit vielen bisher unveröffentlichten Archivdokumenten, dabei unterhaltsam und charmant mit den wichtigsten politischen Akteuren und neuen Zeitzeugen. Es sind Geschichten von prägenden Weichenstellungen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aus den ersten Jahren der neuen Demokratie.

Manfred Preiss, Länderminister der Regierung de Maizière: "Ich war gegen die fünf! Drei Länder wollte ich … nur. Ich wusste ja, dass wir pleite waren."

Die Stunde der Polit-Amateure erzählt in Teil 1 von den ersten entscheidenden Weichenstellungen der neuen politischen Führung. Ohne neue Länder hätte es verwaltungsrechtlich keine Einheit gegeben, es lag also enormer Druck auf dieser Frage - wenn auch lange unbemerkt von der Bevölkerung. Wir verfolgen den schnörkelreichen und teils atemberaubenden Weg der Volkskammerpolitik bis zur Einheit. Den Weg, den politische Laien gestalten konnten und mussten und für den manchmal auch ein Crashkurs in Verwaltungsrecht ausreichte, um entscheidende Weichen zu stellen.

Wir reisen nach Jessen - dem Kreis zwischen Schwarzer Elster und Elbe, der sich als einziger für das Land Sachsen-Anhalt entscheidet, und nach Wittichenau, einer Kleinstadt im Bezirk Cottbus, die zu Sachsen kommt. Dort bespielen die Narren des Karnevalsvereins das politische Parkett und besetzen die meisten neuen Posten. Petra Kockert wird ad hoc stellvertretende Landrätin.

Petra Kockert: "Alles was ich kannte, konnte ich schön vergessen. Ich musste mich hinsetzen und lernen. - Da habe ich das erste Mal das Grundgesetz gelesen und dann die Gemeindeordnung".

Und wir kommen ins thüringische Altenburg. Die Stadt, in der manche noch heute damit hadern, nicht zu Sachsen zu gehören, weil der Kreistagsbeschluss anders entschied, als die Bürgerbefragung, die keine bindende Wirkung entfaltete - schmerzhafte Blessuren auf dem Weg in die Demokratie.