Di 29.09. 2020 22:10Uhr 45:00 min

30 Jahre Deutsche Einheit Machtpoker um Mitteldeutschland

Das Jahr der Zocker

Film von Katja Herr

Folge 2 von 3

Komplette Sendung

Filmautorin Katja Herr spricht mit Gerd Gies – CDU-(1990 erster Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt) 45 min
Filmautorin Katja Herr spricht mit Gerd Gies – CDU-(1990 erster Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt) Bildrechte: MDR
MDR FERNSEHEN Di, 29.09.2020 22:10 22:53

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Bundeskanzler Helmut Kohl (Rednerpult, M) spricht am Abend des 19. Dezember 1989 zu der riesigen Menschenmenge, die sich anlässlich seines Besuches eingefunden hat. Rechts neben Kohl Bundesarbeitsminister Norbert Blüm. Auf Plakaten wird der Ruf nach einer Wiederveinigung laut. Kohl hielt sich zu einem zweitägigen Besuch in der sächsischen Stadt auf und wurde an beiden Tagen von der DDR-Bevölkerung stürmisch gefeiert.
Wie wurden aus den 14 Bezirken und 217 Kreisen der DDR fünf neue Länder? Wer bestimmte über Grenzen? Zuordnungen? Identitäten? Was hätte unter ökonomischen Gesichtspunkten Sinn gemacht – und welche Auswirkungen haben die Grenzziehungen bis heute für die Entwicklung von Ostdeutschland gehabt? Die Dokumentation von Katja Herr erzählt von Zockern und Bluffern, von Alleingängern und Teamplayern, vom Ringen und Taktieren bei der Bildung der Neuen Länder, als sich Länder-Identitäten und der Begriff der Heimat neu definierten.  Bildrechte: dpa
Bundeskanzler Helmut Kohl (Rednerpult, M) spricht am Abend des 19. Dezember 1989 zu der riesigen Menschenmenge, die sich anlässlich seines Besuches eingefunden hat. Rechts neben Kohl Bundesarbeitsminister Norbert Blüm. Auf Plakaten wird der Ruf nach einer Wiederveinigung laut. Kohl hielt sich zu einem zweitägigen Besuch in der sächsischen Stadt auf und wurde an beiden Tagen von der DDR-Bevölkerung stürmisch gefeiert.
Wie wurden aus den 14 Bezirken und 217 Kreisen der DDR fünf neue Länder? Wer bestimmte über Grenzen? Zuordnungen? Identitäten? Was hätte unter ökonomischen Gesichtspunkten Sinn gemacht – und welche Auswirkungen haben die Grenzziehungen bis heute für die Entwicklung von Ostdeutschland gehabt? Die Dokumentation von Katja Herr erzählt von Zockern und Bluffern, von Alleingängern und Teamplayern, vom Ringen und Taktieren bei der Bildung der Neuen Länder, als sich Länder-Identitäten und der Begriff der Heimat neu definierten.  Bildrechte: dpa
Kurt Biedenkopf – CDU- (1990-2002 erster Ministerpräsident von Sachsen nach der Wende) mit Filmautorin Katja Herr
Während nach der Wende mancherorts über Landeshauptstädte sinniert oder auch gestritten wird, nutzen in abgelegenen Landstrichen die Kommunalpolitiker die Gunst der Stunde, um gewitzt und unorthodox erste Fördertöpfe ausfindig zu machen und auszuschöpfen. Gerd Gies, Josef Duchac und Kurt Biedenkopf (Bild) sind die ersten Ministerpräsidenten der neuen Länder - mit sehr unterschiedlichen Startvoraussetzungen. Bildrechte: MDR
Filmautorin Katja Herr spricht mit Gerd Gies – CDU-(1990 erster Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt)
Gerd Gies (Bild), erster Ministerpräsident Sachsen-Anhalts tritt nach nur neun Monaten zurück. Ihm wird vorgeworfen, Abgeordnete mit Stasi-Vorwürfen aus dem Landtag gedrängt zu haben. Christoph Bergner von der CDU Sachsen-Anhalt sagt zu dieser Angelegenheit: "Herr Gies ist darüber gefallen, dass Stasi Überprüfungen auf sein Geheiß hin in einer Weise durchgeführt wurden, dass man das Gefühl haben musste, hier sollen Plätze frei geschossen werden. Und das begann beim Ministerpräsidenten." Bildrechte: MDR
Antje Hermenau (Mitglied des Runden Tischs in Leipzig, 1990-1994 erstmals Mitglied des Sächsischen Landtags)
Die in Leipzig geborenen Antje Hermenaus (Bild) begann sich in der Wendezeit politisch zu engagieren und wurde Mitglied des Runden Tischs. Von 1990 bis 1994 saß sie im Sächsischen Landtag. Bildrechte: MDR
Heinz Eggert – CDU-(1991-1995 Sächsischer Innenminister, 1994 – 2009 Mitglied im Sächsischen Landtag) im Gespräch mit Filmautorin Katja Herr.
Während der friedlichen Revolution engagiert sich Heinz Eggert (Bild) als Mitglied des Neuen Forums und war ebenfalls am Runden Tisch beteiligt. 1991 wurde er Sachsens Innenminister. Wenig später gründete er die „SOKO REX“, die den rechtsextremistischen Gewalttaten und Übergriffen entgegentreten sollte. Bis 2009 war er Mitglied im Sächsischen Landtag. Bildrechte: MDR
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"Machtpoker um Mitteldeutschland" von Katja Herr erzählt in drei Teilen von der Gründung und Neu-Orientierung der neuen Bundesländer in der Zeit von 1990-1994.

Wie wurden aus den 14 Bezirken und 217 Kreisen der DDR fünf neue Länder? Wer bestimmte über Grenzen? Zuordnungen? Identitäten? Was hätte unter ökonomischen Gesichtspunkten Sinn gemacht – und welche Auswirkungen haben die Grenzziehungen bis heute für die Entwicklung von Ostdeutschland gehabt?

Erzählt wird ein bisher unbeleuchtetes Kapitel deutscher Nachwendegeschichte. Tiefgründig recherchiert, mit bisher unveröffentlichten Archivdokumenten, dabei unterhaltsam und charmant erzählt durch die wichtigsten politischen Akteure und Zeitzeugen.

Es sind Geschichten von Zockern und Bluffern, von Alleingängern und Teamplayern, von prägenden Weichenstellungen aus den ersten Jahren der neuen Demokratie, als sich Länder-Identitäten und der Begriff der Heimat neu definierten zu Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Christine Lieberknecht, CDU, ehemalige Ministerpräsidentin Thüringen "Die Prognosen waren ja damals: diese Laienspielertruppe, das hält nicht bis Weihnachten - und das war im November. Und da hab ich gedacht, den Ausflug kann man ja mal machen."

Im zweiten Teil der Dokumentation "Machtpoker um Mitteldeutschland" haben sich die Länder neu formiert. Es ist Herbst im Jahr 1990 – und das Spiel um Macht und Einfluss ist in vollem Gang. Es ist das Jahr der Zocker - die Zeit der großen Träume und Möglichkeiten. Während mancherorts noch über Landeshauptstädte sinniert oder auch gestritten wird, nutzen in abgelegenen Landstrichen die Kommunalpolitiker die Gunst der Stunde, um gewitzt und unorthodox erste Fördertöpfe ausfindig zu machen und auszuschöpfen. Gerd Gies, Josef Duchac und Kurt Biedenkopf sind die ersten Ministerpräsidenten der neuen Länder - mit sehr unterschiedlichen Startvoraussetzungen. Stasi-Vorwürfe kommen ans Licht und werfen wichtige politische Entscheider und Entscheidungen aus der Bahn.

Gerd Gies, erster Ministerpräsident Sachsen-Anhalts tritt nach nur neun Monaten zurück.

Christoph Bergner, CDU Sachsen-Anhalt: Herr Gies ist darüber gefallen, dass Stasi Überprüfungen auf sein Geheiß hin in einer Weise durchgeführt wurden, dass man das Gefühl haben musste, hier sollen Plätze frei geschossen werden. Und das begann beim Ministerpräsidenten.

Eine besondere Anekdote bietet Pausa, das Städtchen im Vogtland, das über Nacht zu Thüringen gehört – und alles, wirklich alles dransetzt, zurück nach Sachsen zu kommen.

Auch die Entwicklungen in Jessen, Wittichenau, Heiligenstadt und Altenburg werden weitererzählt und erfahren ganz unterschiedliche Wendungen zwischen Euphorie und Verzweiflung, Kalkül und Naivität.