Di 22.09. 2020 21:00Uhr 44:30 min

30 Jahre Deutsche Einheit "Aktion Ungeziefer" - Vertrieben in der DDR

Komplette Sendung

Seniorinnen und Senior 45 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Di, 22.09.2020 21:00 21:45

Bilder zur Sendung

Bilder zur Sendung

Marlies Wagenknecht, Anneliese Fleischer und Hans-Siegfried Schulz in Krensitz bei Delitzsch.
Tausende Familien in der DDR wurden zwischen 1952 und 1961 ohne Vorwarnung aus ihren Heimatorten ausgesiedelt. Viele Betroffene erfuhren ihr Leben lang nicht, warum sie fortgebracht wurden. Bekannt wurde die "Aktion Ungeziefer" erst nach der Wende. Bildrechte: MDR/Sven Stephan
Marlies Wagenknecht, Anneliese Fleischer und Hans-Siegfried Schulz in Krensitz bei Delitzsch.
Tausende Familien in der DDR wurden zwischen 1952 und 1961 ohne Vorwarnung aus ihren Heimatorten ausgesiedelt. Viele Betroffene erfuhren ihr Leben lang nicht, warum sie fortgebracht wurden. Bekannt wurde die "Aktion Ungeziefer" erst nach der Wende. Bildrechte: MDR/Sven Stephan
Marlies Wagenknecht, Anneliese Fleischer und Hans-Siegfried Schulz
Marlies Wagenknecht, Anneliese Fleischer und Hans-Siegfried Schulz sind Zeitzeugen der "Aktion Ungeziefer". Hier in Krensitz bei Delitzsch wurden ihre Familien im Mai 1952 zwangsausgesiedelt. Sie als Nachkommen leben heute noch hier. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Helmuth Hörig auf seinem Grundstück in Bömenzien in der Altmark.
Helmuth Hörig auf seinem Grundstück in Bömenzien in der Altmark. Seine Familie wurde 1952 von hier ins heutige Thüringen ausgesiedelt. Inzwischen gehören Haus und Grund wieder ihm. Bildrechte: MDR/Sven Stephan
Hartmut Bock (Mitte), früher Geschichtslehrer und heute Heimatforscher in seinem Heimatort Jübar, mit seinen ehemaligen Schülern Manuel Härting (li.) und Michael Neumann (re.) in der Schule von Jübar.
Hartmut Bock (Mitte), früher Geschichtslehrer und heute Heimatforscher in seinem Heimatort Jübar, mit seinen ehemaligen Schülern Manuel Härting (li.) und Michael Neumann (re.) in der Schule von Jübar. Sie alle haben vor 18 Jahren für ein Geschichtsprojekt Zeitzeugen zur "Aktion Ungeziefer" befragt. Ein Film mit Zeitzeugen von Sven Stephan. Bildrechte: MDR/Sven Stephan
Alle (4) Bilder anzeigen
Ein Film von Sven Stephan

Die Männer mit dem Lkw kommen aus heiterem Himmel. Eines Morgens stehen sie im Hof und verkünden, dass die Familie den Ort binnen weniger Stunden zu verlassen habe. Bewegliche Habe darf verladen werden. Haus, Hof, Landbesitz - all das ist mit einem Schlag verloren.

Im Mai 1952 trifft es die Familie von Anneliese Fleischer aus Cheine in der Altmark. "Alles war streng geheim vorbereitet worden. Unsere Familie wurde von der Aktion völlig überrumpelt", erinnert sie sich.

Wohin sie gebracht werden, wissen die Betroffenen nicht. Viele fürchten gar, es gehe nach Sibirien. Erst auf dem Transport wird ihnen ein Ziel genannt: eine fremde Stadt irgendwo im "Binnengebiet" der DDR. Dort hat man die Nachbarn schon auf die Neuankömmlinge vorbereitet. "Schwerverbrecher von der Grenze" würden bald einziehen, wird ihnen eingetrichtert. Kontakt gelte es zu vermeiden.

Tausenden Familien in der DDR ist das zwischen 1952 und 1961 so ergangen. Weil sie im ostdeutschen Grenzgebiet lebten, wurden sie ohne Vorwarnung aus ihren Heimatorten ausgesiedelt. Viele erfahren ihr Leben lang nicht, warum sie fortgebracht wurden. Wie die Großeltern von Lutz Winkelmann aus Barnebeck an der Grenze zu Niedersachsen. "Mit welchen Gedanken müssen diese Menschen ins Grab gegangen sein?", fragt er sich noch heute. "Vertreibung ist das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann."

Die DDR entledigte sich mit den Zwangsaussiedlungen "unbequemer" Menschen, die ihre Meinung zu Staat und System offen äußerten, aber auch Menschen mit Besitz - Land, Wald, einer Werkstatt, einem Gasthof etwa - und enteignete all diese Immobilien, um so rasch und ohne großen Aufwand das "Volkseigentum" zu vergrößern.

Vor allem aber handelte es sich um eine Disziplinierungsmaßnahme. Wer sich nicht an die Regeln hielt, den konnte es als Nächsten treffen. Und zwar jederzeit. Bekannt wurden die Maßnahmen erst nach Ende der DDR - unter dem Namen "Aktion Ungeziefer". So hatte sie ein SED-Funktionär in einer Akte genannt. Eine Entschädigung für die Vertreibung gibt es für die Zwangsausgesiedelten bis heute nicht. "Das Wort Gerechtigkeit", sagt Anneliese Fleischer, "können sie für mich aus dem Duden streichen."

Die Reportage "Aktion Ungeziefer - Vertrieben in der DDR" lässt Zeitzeugen aus der Altmark zu Wort kommen. Ihre Geschichten stehen exemplarisch für mehr als 11.000 Betroffene und zeigen, dass die Zwangsaussiedlungen auch Jahrzehnte danach in den Familien nachwirken.

Politische und gesellschaftliche Dokus und Reportagen

Rolf Hoppe als Friedrich Wieck, 2010
Bildrechte: MDR/Marco Prosch
MDR FERNSEHEN So, 06.12.2020 16:55 17:25

Zum 90. Geburtstag von Rolf Hoppe Rolf Hoppe - Im Herzen ein Clown

Rolf Hoppe - Im Herzen ein Clown

Film von René Römer

  • Stereo
  • 16:9 Format
Janett Eger im MDR-Zeitreise-Studio
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN So, 06.12.2020 22:20 22:50

MDR Zeitreise

MDR Zeitreise

Die Nobelsuiten der Arbeiterklasse

  • Stereo
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand
Leonid Breschnew (li.) und Willy Brandt (re.) während ihres dreitägigen Treffens auf der Krim vom 16.-18. September 1971.
Leonid Breschnew (li.) und Willy Brandt (re.) während ihres dreitägigen Treffens auf der Krim vom 16.-18. September 1971. Bildrechte: MDR/Wladimir Musaelian
MDR FERNSEHEN So, 06.12.2020 22:50 00:20

MDR DOK Der Kniefall des Kanzlers

Der Kniefall des Kanzlers

Die zwei Leben des Willy Brandt

Film von Sebastian Dehnhardt und Manfred Oldenburg

  • Stereo
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand
Eva Türke
Eva Türke lebte mit ihrer Familie 25 Jahre in einem Mietshaus in Falkensee, bis vor Weihnachten 1989 ein Alteigentümer seine Ansprüche geltend macht. Bildrechte: MDR
MDR FERNSEHEN Di, 08.12.2020 22:10 22:55
  • Stereo
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand
Exakt - die Story - Logo
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Mi, 09.12.2020 20:45 21:15

Exakt - Die Story

Exakt - Die Story

AWO außer Kontrolle - Selbstbedienung in der Thüringer AWO

  • Stereo
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand
Eine sternförmige orange-rote Lampe
Im Herrnhuter Sternenglanz Bildrechte: MDR/Karsten Trepte
MDR FERNSEHEN Sa, 12.12.2020 11:45 12:15

Der Osten - Entdecke wo du lebst Im Herrnhuter Sternenglanz

Im Herrnhuter Sternenglanz

Film von René Römer

  • Stereo
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand
Ulli Wegner, der weltbekannte Boxtrainer, brachte über ein halbes Dutzend Weltmeister hervor. Er war über zehn Jahre in Folge „Trainer des Jahres“. Was ist das für einer, der sich immer wieder durchboxt? Ein Film mit vielen privaten Momenten, mit den Meilensteinen seiner Karriere, Erfolgen und Misserfolgen. Das Leben gesehen vom Rande des Ringes aus. - Ulli Wegner (l.) und Filmemacher Heinz Brinkmann.
Ulli Wegner, der weltbekannte Boxtrainer, brachte über ein halbes Dutzend Weltmeister hervor. Er war über zehn Jahre in Folge „Trainer des Jahres“. Was ist das für einer, der sich immer wieder durchboxt? Ein Film mit vielen privaten Momenten, mit den Meilensteinen seiner Karriere, Erfolgen und Misserfolgen. Das Leben gesehen vom Rande des Ringes aus. - Ulli Wegner (l.) und Filmemacher Heinz Brinkmann. Bildrechte: rbb
MDR FERNSEHEN So, 13.12.2020 23:05 00:30

MDR DOK Bis zur letzten Runde

Bis zur letzten Runde

Film von Heinz Brinkmann

  • Stereo
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand