Do 24.09. 2020 22:10Uhr 29:30 min

artour

Das Kulturmagazin des MDR

Komplette Sendung

Moderator Thomas Bille 30 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Do, 24.09.2020 22:10 22:40

Beiträge aus der Sendung

Galerie Eigen+Art in Leipzig 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
* Dennis Russell Davies - neuer Dirigent des MDR Sinfonieorchesters

Wann immer möglich, geht Dennis Russell Davies zu Fuß zur Arbeit, steigt jede Treppe hoch und runter und ist leidenschaftlicher Spaziergänger. Und er steht seit 50 Jahren am Dirigentenpult. Statt als Rentner sein Leben zu genießen, hat der Amerikaner aus Toledo, Ohio, gerade einen neuen Job übernommen: seit August ist der 76-Jährige Chefdirigent des MDR-Sinfonieorchesters. Daneben ist er Künstlerischer Leiter der tschechischen Filharmonie Brno. Russell Davies ist bekannt für sein Faible für zeitgenössische Musik. Wo auch immer er als Dirigent tätig war, prägte er die Orchester mit einer Öffnung zur Moderne. Philipp Glass, Luciano Berio, Hans Werner Henze gehören zu seinem Repertoire. Neue Publikumsschichten konnte er mit Ausflügen in die populäre zeitgenössische Musik gewinnen. Er dirigierte Konzerte mit Till Brönner, Dave Brubeck oder Marianne Faithfull. In Leipzig startet er u.a. mit Bruckner, einem weiteren Schwerpunkt seiner Arbeit. "artour" porträtiert Dennis Russell Davies anlässlich seines Antrittskonzerts am 27.9. im Leipziger Gewandhaus.

Autorin: Ulrike Reiß


* Wie ein Moskauer Straßenhund ins All geschickt wurde und als Geist zurückkehrte

Das Jahr 1957 gilt als Meilenstein der Raumfahrtgeschichte, nicht nur in der Sowjetunion. Die Hündin Laika wird als erstes Lebewesen gezielt in die Umlaufbahn der Erde geschossen. Der Beginn eines Heldenmythos - und für die Sowjets eine enorm wichtige Etappe im sogenannten Space Race mit den USA, dem Wettlauf zweier Supermächte um die Eroberung des Weltalls. Was im Mythos jedoch ausgespart wird: Laika und all die anderen Hunde waren für das Raumfahrtprogramm extremen Torturen ausgesetzt. Man schnallte sie auf Zentrifugen, sperrte sie in enge Käfige, in denen sie sich kaum bewegen konnten und operierte ihnen Sonden ein, um sie mit Nahrung zu versorgen. Die Weltraumhunde stammten von den Straßen Moskaus. Zäh und abgehärtet durch den Lärm, die Lichter und die Gefahren einer riesigen, unerbittlichen Großstadt. Der Dokumentarfilm "Space Dogs" erzählt nun von diesen Helden. Doch er tut es auf eine ungewöhnliche Weise: Er begleitet die Straßenhunde Moskaus von heute. Aus ihrer Perspektive taucht er ein in ihre Welt, in die Schatten und Winkel, in die man sonst nur selten schaut und wird so zu einer der wohl ungewöhnlichsten Tierbeobachtungen, die man im Kino bisher sehen konnte. Mit bis heute unveröffentlichten Archivaufnahmen der sowjetischen Tierexperimente begibt sich "Space Dogs" auf die Spuren von Laikas Geist und stellt eine große Heldenerzählung völlig auf den Kopf. Der Dokumentarfilm von Elsa Kremser und Levin Peter kommt am 24. September ins Kino.

Autor: Marcus Fitsch


* Ostbewusstsein: Warum Valerie Schönian für den Osten streitet und was die Deutsche Einheit für sie bedeutet

"Rufen Sie doch nach dem 3. Oktober nochmal an, bis dahin keine Zeit". Das war die Antwort auf die Interviewanfrage an Valerie Schönian. Seit der Veröffentlichung ihres Buches "Ostbewusstsein" wurde sie über Nacht zur Fachfrau für ein spezielles und schwer zu ergründendes Gemeinschaftsfühl und, wenn man so will, für das Ostdasein an sich. Mit knapp 30 Jahren Lebensalter hat sie die DDR nicht mehr erlebt und streitet doch für den "Osten": Interviews, Talks, Virtuelle Buchmesse und demnächst mit einer regelmäßigen Kolumne bei MDR Kultur. Und ganz "nebenher" arbeitet sie als freie Autorin und Journalistin für die "Zeit", verdient ihr Geld, wie die Alten gerne sagen. Sie ist jung. Sie gehört zur Generation der "Nachwendekinder", das sind Menschen, die, gerade noch im Osten geboren, schon mit Pampers und nicht mehr mit Baumwolle gewickelt wurden. Ganz überraschend hatte die Autorin dann doch noch Zeit für einige Gespräche mit uns. Wer ist Valerie Schönian und worum geht es in ihrem Buch? Wir stellen Autorin und Werk vor.

Autor: Hans-Michael Marten


* 30 Jahre Wiedervereinigung

Wir, so behauptete einmal eine Werbekampagne, sei das schönste Wort der Welt. Derzeit kündigt es in Potsdam unser aller Einheitsfeierlichkeiten an. Schon vorab wird ein großes Einssein angepriesen auf einer "Einheits-Expo". Aber wie sieht es in den Herzen der Menschen wirklich aus? Deutschland Export- und jetzt auch Einheitsweltmeister?
Thomas Oberender, aus Jena stammender Intendant der Berliner Festspiele, fordert eine Anerkennung der ostdeutschen Perspektive. In seinem Buch "Empowerment Ost" legt er die Andersartigkeit der Wahrnehmung unserer jüngeren Geschichte in Ost- und Westdeutschland offen. Das Buch liefert eine Analyse des "Aufbau Ost" und beschreibt die Revolution der ostdeutschen Bürgerbewegung als eine radikale Demokratieerfahrung. Oberender meint, es gehe eigentlich um Dinge, die man nicht mit Geld gutmachen kann, eben um Anerkennung und Respekt. Um eine Wiedervereinigung auf Augenhöhe. "Empowerment Ost. Wie wir zusammen wachsen" ist erschienen im Verlag Klett-Cotta.

Autoren: Sylvie Kürsten/Thorsten Mack


* Kulturkalender

- 12. Magdeburger Domfestspiele anlässlich 500 Jahre Dom vom 27.09. bis 04.10.2020
- Neo Rauch in der Galerie Eigen + Art in Leipzig ab 26.09.2020
- Theater Rudolstadt "Ellenbogen Ellenbogen" - Premiere der Uraufführung von Steffen Mensching und Michael Kliefert am 26.09.2020

Autorin: Charlotte Witt

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Bildrechte: MDR/Andreas Lander