So 27.09. 2020 22:50Uhr 44:35 min

30 Jahre Deutsche Einheit Wem gehört der Osten?

Die großen Deals der Einheit

Film von Ariane Riecker und Olaf Jacobs

Komplette Sendung

Roland Ernst 45 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN So, 27.09.2020 22:50 23:35

Bilder zur Sendung

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Karikaturen "Wem gehört der Osten?"
Herbst 1989: Mit dem Mauerfall bricht in der DDR und danach in den neuen Bundesländern die Zeit der Investoren an. Seriöse, aber auch windige Unternehmer geben sich die Klinken in die Hand. Eine ganze Volkswirtschaft liegt ihnen im Osten zu Füßen. Der in Berlin lebende Karikaturist Klaus Stuttmann hat die größten Deals des Privatisierungsprozesses in den vergangenen Jahren ironisch begleitet. In dieser Zeichnung lässt er 1989 einen demonstrierenden DDR-Bürger vor einem Loch in der Mauer nichtsahnend fragen: "Draußen steht die freie Marktwirtschaft - Soll'n wir sie reinlass'n?!!". Bildrechte: Klaus Stuttmann (aus "Wem gehört der Osten")
Karikaturen "Wem gehört der Osten?"
Herbst 1989: Mit dem Mauerfall bricht in der DDR und danach in den neuen Bundesländern die Zeit der Investoren an. Seriöse, aber auch windige Unternehmer geben sich die Klinken in die Hand. Eine ganze Volkswirtschaft liegt ihnen im Osten zu Füßen. Der in Berlin lebende Karikaturist Klaus Stuttmann hat die größten Deals des Privatisierungsprozesses in den vergangenen Jahren ironisch begleitet. In dieser Zeichnung lässt er 1989 einen demonstrierenden DDR-Bürger vor einem Loch in der Mauer nichtsahnend fragen: "Draußen steht die freie Marktwirtschaft - Soll'n wir sie reinlass'n?!!". Bildrechte: Klaus Stuttmann (aus "Wem gehört der Osten")
Karikaturen "Wem gehört der Osten?"
Zu den großen Deals der deutschen Einheit zählte die Privatisierung der Leuna-Raffinerie und des Minol-Tankstellennetzes. Den Zuschlag bekam 1992 der französische Mineralölkonzern Elf Aquitaine. Er wurde dadurch über Nacht zum viertgrößten Tankstellenbetreiber Deutschlands. 1998 wurde ein Sonderermittler eingesetzt, weil man vermutete, Elf habe Schmiergeld an deutsche Politiker gezahlt. Beweise fand man keine. Unterdessen belegten Unterlagen der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) von 2001 das riesige Verlustgeschäft: Leuna/Minol war für 550 Millionen D-Mark verkauft worden, doch mussten Treuhand und die BvS das Fünffache (rund 2,8 Milliarden DM) in das Projekt pumpen. Bildrechte: Klaus Stuttmann (aus "Wem gehört der Osten")
Karikaturen "Wem gehört der Osten?"
Der hessische Bauunternehmer Jürgen Schneider wollte Leipzig nach der Wiedervereinigung aus dem "Dornröschenschlaf wecken". Zur Sanierung historischer Gebäude - wie der berühmten Mädler-Passage - pumpte sich Schneider mehr als 5,5 Milliarden D-Mark von verschiedenen Banken - zumeist mit frisierten Projekt-Unterlagen. Der Schwindel flog 1994 auf. Drei Jahre später wurde Schneider zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Den Banken gab das Gericht eine moralische Mitschuld, weil sie den Immobilienskandal fahrlässig zugelassen hatten. Bildrechte: Klaus Stuttmann (aus "Wem gehört der Osten")
Karikaturen "Wem gehört der Osten?"
Der Transformationsprozess von der DDR-Planwirtschaft zur Marktwirtschaft schrieb viele Erfolgsgeschichten und viele Pleiten. Über 12.000 Kombinate und Betriebe wurden mit fast vier Millionen Beschäftigten privatisiert - mithilfe der Treuhand. Von der Politik kam riesiger Zeitdruck. Viele Unternehmen hatten damit gar keine Chance, sich nach dem Wegfall alter Absätzmärkte neu zu orientieren. Sie stürzten einfach nur ins Bodenlose. Millionen Menschen verloren ihre Jobs. Bildrechte: Klaus Stuttmann (aus "Wem gehört der Osten")
Karikaturen "Wem gehört der Osten?"
Zu den großen Deals gehörte auch die Privatisierung der ostdeutschen Werften Wismar und Stralsund. Den Zuschlag dafür bekam die Bremer Vulkan AG, die von der Treuhand eine Millionen-Subvention für die Sanierung und für die langfristige Arbeitsplatzerhaltung der beiden einstigen DDR-Werften bekam. Jedoch: Das meiste Geld davon floss gar nicht nach Wismar und Stralsund, sondern in die Vulkan-Werft selbst. Letztere wurde 1997 dicht gemacht. In die beiden ostdeutschen Ostsee-Werften wurden hingegen weiteres Geld gepumpt. Allein zwischen 1993 bis 2000 flossen rund 2,3 Milliarden Euro an Strukturbeihilfen. Bildrechte: Klaus Stuttmann (aus "Wem gehört der Osten")
Karikaturen "Wem gehört der Osten?"
1992 karikierte Klaus Stuttmann auch die Privatisierung der LPGs (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften). Der Vorgang barg riesigen Zündstoff. Die Regierung in Bonn wünschte sich damals, die Genossenschaften und Staatsgüter im Osten durch bäuerliche Familienbetriebe zu ersetzen. Doch die Politik scheiterte am Widerstand der ostdeutschen Bauern. Stuttmanns Ironie von 1992 trat nicht ein. In Ostdeutschland gibt es heute viele landwirtschaftliche Großbetriebe. Sie erwirtschaften mehr Geld als ihre Kollegen im Westen.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im TV: MDR ZEITREISE 28.06.2020 | 22:10 Uhr
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Karikaturen "Wem gehört der Osten?"
Bildrechte: Klaus Stuttmann (aus "Wem gehört der Osten")
Tausende Betriebe, hunderttausende Wohnungen, Schlösser und Burgen, Seen und Küsten, Millionen Hektar Wald und Land - all das hatte der Staat DDR einst als Volkseigentum deklariert. Mit dem Mauerfall kommt die schwierige Frage: Was gehört im Osten eigentlich wem? Und wem soll es künftig gehören?

Ein ganzes Land steht 1990 zum Verkauf, es herrscht Goldgräberstimmung. Investoren aus aller Welt wittern das große Geschäft. Wie Anno August Jagdfeld, einer der Großinvestoren der ersten Stunde. Ihm und seiner Familie gehören bis heute 90% des Ostseebades Heiligendamm. Oder Roland Ernst, der an die Hackischen Höfe in Berlin sein Herz - und viel Geld - verloren hat.

Ostdeutsche sind bei diesen Geschäften die große Ausnahme. Holger Krimmling und Jörg Zochert aus Leipzig mischten von Anfang an mit, sie haben heute sogar das Kapital für eigene Investitionen in ostdeutschen Großstädten. Eines ihrer letzten Projekte ist die Sanierung eines alten Leipziger Industriebaus. Für die geplanten Luxuslofts müssen allerdings die bisherigen Mieter weichen.

Während in den ostdeutschen Städten vor allem Westinvestoren zum Zuge kamen, lief es auf dem Land ganz anders. Heute gehören die großen Flächen der einstigen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften überwiegend Ostdeutschen, oder aber ganz neuen Investoren wie der Hamburger "Agroenergy". Der Investor kaufte 4200 Hektar ostdeutsches Ackerland zur Erzeugung von Bioenergie. Den eigentlichen Gewinn machte das Unternehmen aber mit dem Weiterverkauf der Flächen, denn die Preise für Ackerflächen steigen seit Jahren rasant.

Das Privateigentum ist endgültig angekommen in Ostdeutschland. Der Film rekonstruiert die größte Eigentumsverschiebung der deutschen Geschichte nach der Wiedervereinigung. Sie kennt Gewinner, aber auch viele Verlierer.

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