Di 06.10. 2020 21:00Uhr 44:04 min

 Kauhaus Schocken - Gebäude
Kauhaus Schocken - Gebäude Bildrechte: MDR
MDR FERNSEHEN Di, 06.10.2020 21:00 21:45

Jüdisches Leben in Mitteldeutschland Schocken – Das legendäre Kaufhaus in Chemnitz

Schocken – Das legendäre Kaufhaus in Chemnitz

Film von Nina Rothermundt

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Bilder zur Sendung

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Kauhaus Schocken - Gebäude
Das geschwungene Gebäude mit den langen Fensterreihen in der Brückenstraße ist bei den Chemnitzern bis heute als das „Schocken bekannt“. Bildrechte: MDR
Kauhaus Schocken - Gebäude
Das geschwungene Gebäude mit den langen Fensterreihen in der Brückenstraße ist bei den Chemnitzern bis heute als das „Schocken bekannt“. Bildrechte: MDR
Kauhaus Schocken - Schriftzug
Im Jahr 1927 beauftragten die Brüder Simon und Salman Schocken den Stadtarchitekten Erich Mendelsohn mit dem Entwurf einer weiteren Filiale ihrer Warenhauskette. Bildrechte: MDR
Ute Birkmann, Andrea Kaiser
Im Mai 1930 öffnet das Schocken seine Türen. Ein modernes Kaufhaus, in dem Waren angeboten wurden, die sich jeder leisten konnte. Eine deutsch-jüdische Erfolgsgeschichte! Bildrechte: MDR
Justin Sonder
Der heute 94-jährige Chemnitzer Justin Sonder wohnte damals mit seinen Eltern gegenüber vom Kaufhaus Schocken. An den 9. November 1938 kann er sich noch genau erinnern. Mit damals 13 Jahren beobachtete er von seinem Fenster aus, wie SS und SA-Leute sowie Männer in Zivil mit Steinen bewaffnet die großen Schaufensterscheiben des Kaufhauses einschlugen. Bildrechte: MDR
Henriette Bruder-Wood bringt Sporttrends aus den USA mit nach Leipzig.
Henriette Bruder-Wood bringt Sporttrends aus den USA mit nach Leipzig. Bildrechte: MDR/Tom Kühne
Siegmund Rotstein
Siegmund Rotstein, 94, erinnert sich noch genau an die Reichspogromnacht. "Das kann man einfach nicht vergessen!" Bildrechte: MDR
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"Ach, Sie meinen das "Schocken"?" Bis heute kennen die Chemnitzer unter diesem Namen das geschwungene Gebäude mit den langen Fensterreihen in der Brückenstraße. Ein Haus mit einer Geschichte von Erfolg, Niedergang und Neuanfang. Die Brüder Simon und Salman Schocken beauftragen 1927 den Stararchitekten Erich Mendelsohn mit dem Entwurf einer weiteren Filiale ihrer Warenhauskette in Chemnitz. Die Handschrift Mendelsohns: schnörkellos, klar und geradlinig. Das Bauwerk wird zu einer Sensation, gilt als Ikone der Moderne und bringt einen Hauch von Weltstadt nach Chemnitz.

Im Mai 1930 öffnet das Schocken seine Türen. Ein modernes Kaufhaus, in dem Waren angeboten werden, die sich jeder leisten kann. Eine deutsch-jüdische Erfolgsgeschichte! Doch mit der Machtergreifung der Nazis kommt der Niedergang. An den 9. November 1938 kann sich der 94-jährige Chemnitzer Justin Sonder noch genau erinnern. Der damals 13-Jährige wohnt mit seinen Eltern genau gegenüber vom Kaufhaus Schocken. "Ich bin wach geworden vom Radau, ich hatte Angst, wusste nicht was da los war. Es hat geklirrt und gekracht. Habe aus dem Fenster geguckt und sah, wie SS und SA-Leute und viele Männer in Zivil mit Steinen bewaffnet die großen Schaufensterscheiben vom Schocken eingeschlagen haben." Auch Siegmund Rotstein, 94, erinnert sich an die Reichspogromnacht. "Das kann man einfach nicht vergessen!"

Bis 1945 firmiert das Kaufhaus als Merkur Verkaufsstätte, dann als HO und später als Centrum Warenhaus. Nach 1991 übernimmt Kaufhof das legendäre Haus. Zehn Jahre später wird es geschlossen. Doch ab 2014 kommt neues Leben in das alte Schocken. Nach umfangreicher Sanierung öffnet 2014 das SMAC, das Staatliche Museum für Archäologie, hier seine Pforten.