Do 15.10. 2020 22:10Uhr 29:30 min

artour

Das Kulturmagazin des MDR

Komplette Sendung

Evelyn Fischer 30 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Do, 15.10.2020 22:10 22:40

Beiträge aus der Sendung

Themen:

* Die Stimme des Regenwaldes - Die wahre Geschichte von Bruno Manser
* Die lange Geschichte der "Wende"
* Gespräche über das Leben in der DDR
* Neues Studioalbum von Alin Coen
* Kulturkalender

* DIE STIMME DES REGENWALDES - Die wahre Geschichte von Bruno Manser

Vom Aussteiger zum Aktivisten - die wahre Geschichte des Umweltaktivisten Bruno Manser erzählt in beeindruckenden und paradiesischen Kinobildern von dem Schweizer Ethnologen, der in den Achtziger Jahren das Paradies sucht und es im Urwald von Borneo beim indigenen Nomadenvolk der Penan findet. Eine Begegnung, die sein Leben für immer verändern sollte. Denn die Dschungelidylle und der Lebensraum der letzten verbliebenen Urwaldnomaden wird durch massive Abholzungsarbeiten bedroht, nachdem 1987 die malaysische Regierung große Teile des Regenwaldes und des Penan-Gebietes zur Rodung frei gegeben hat. Bruno Manser gelingt es, alle Penan-Stämme zu einem vereinten, friedlichen Kampf gegen die Tropenholzindustrie zu mobilisieren. Fortan setzt er sich für das massiv bedrohte Volk ein, ein Kampf, der an David gegen Goliath erinnert und der Bruno Manser schließlich wieder raus aus dem geliebten Regenwald zurück mitten in den politischen Dschungel der Wirtschaftsinteressen und politischen Ränkeschmiede führen soll - und der bis heute andauert. Doch dann verschwindet Bruno Manser plötzlich. Und auch fast zwanzig Jahre später ist die Gefährdung des Regenwaldes in Borneo immer noch hochaktuell.

Der Camino Filmverleih bringt DIE STIMME DES REGENWALDES, der bereits in der Schweiz fast 200.000 Zuschauer ins Kino lockte, am 22. Oktober 2020 deutschlandweit auf die große Leinwand. Als Eröffnungsfilm des Zürich Film Festival 2019 feierte der Kinofilm Weltpremiere und erhielt den Science Film Award. Hauptdarsteller Sven Schelker wurde dort für seine Darstellung des Bruno Manser als Bester Schauspieler ausgezeichnet und später auch beim Schweizer Filmpreis als „Bester Darsteller" geehrt. Regisseur Niklaus Hilber erzählt, wie und warum der Film entstand.

* Die lange Geschichte der »Wende«

Das Datum steht fest im Geschichtskalender der Deutschen: der 3. Oktober 1990, der Tag der deutschen Wiedervereinigung, knapp ein Jahr nach dem Mauerfall und der sogenannten „Wende" in der DDR. Doch diese „Friedliche Revolution" ist für Historiker mitnichten die Stunde Null der Wiedervereinigungsgeschichte.
Ein Team von jungen Historikern arbeitet seit fünf Jahren an der „Langen Geschichte der Wende" und blickt dabei nicht nur in die Transformationsprozesse nach diesem radikalen Systemwechsel, sondern bezieht auch die Zeit weit vor dem Mauerfall mit ein. Das Team betrachtete sozialwissenschaftliche Untersuchungen und Langzeitstudien der 80er und 90er erneut, vertiefte sich in Akten und führte Interviews mit Zeitzeugen - um die Ergebnisse auf einer Dialogreise durch den Osten erneut zu diskutieren. Ein Journalist und eine Fotografin haben ihre Arbeit begleitet und kommentiert.

Die Forscher stellten fest, dass die Einstellungen der Menschen in der DDR zu Bildung, Leistung und Besitz trotz eines anderen Systems sich nicht wesentlich von den westdeutschen Einstellungen unterschieden. Das Team versucht die Umbrüche und Transformationen nicht so einfach, sondern so vielschichtig wie möglich zu erzählen. Ihre Zwischenergebnisse sind in „Die lange Gesichte der Wende" im Christoph Links Verlag erschienen.
Wie begleiten die Forscher auf ihrer Reise von Kleinmachnow nach Meiningen, wo sie einen Lehrer treffen, dem die Teilnahme an der Studie einen neuen Blick auf seine eigene Geschichte ermöglicht hat.

* Gespräche über das Leben in der DDR

Die Filmemacherinnen Sabine Michel und Dörte Grimm haben gemeinsam das Buch "Die anderen Leben - Generationengespräche Ost" geschrieben. Für einen Film wären die 10 Gespräche zwischen Kindern und ihren Eltern viel zu lang gewesen, sagen sie. Es ist den Autorinnen gelungen, die Generationen miteinander ins Gespräch zu bringen. Sie haben die Gespräche wie Mediatorinnen begleitet. Natürlich geht es um die Wende, wie sie erlebt und verarbeitet wurde. Was weiß man wirklich über den anderen? Wie viel möchte man über seine tiefsten Ängste, den Verlust des Arbeitsplatzes oder gar der ganzen Lebensleistung preisgeben? Im Klappentext steht: "Wenn der Staat DDR kritisiert wird, fühlen sich oft auch die Menschen kritisiert, die in ihm gelebt haben. Das macht Gespräche innerhalb von Familien über ihr Leben in der DDR so schwierig. Viele schweigen bis heute, doch in ihrem Schweigen wächst die Wut." Wir haben mit den Autorinnen gesprochen, die betonen, dass sie das Buch vor allem für die Gegenwart und vielleicht für die Zukunft geschrieben haben. Erschienen ist es im be.bra Verlag.

* Neues Studioalbum von Alin Coen

Die Singer/Songwriterin Alin Coen musste erstmal auf Abstand zur Musik gehen, bis sie sich sicher war, dass sie nicht Umweltaktivistin, sondern Musikerin ist. Jetzt, nach 7 Jahren Pause, in denen sie Studien und Praktika rund um den Umweltschutz absolvierte, hat sie zusammen mit ihrer Band ein drittes Studioalbum mit dem Titel „Nah" veröffentlicht. artour hat die Hamburger Musikerin in Weimar getroffen, der Stadt, in der sie vor 13 Jahren mit ihrer Band anfing, Musik zu machen.

* Kulturkalender
-"Solitude" - neues Ballett von Mario Schröder, Premiere am 17.10. Oper Leipzig
- «twittering machine - Positionen junger BildhauerInnen aus Deutschland», Halle (Saale) 14.10.- 08.11.20
- Film "Der Bär in mir", Kinostart 15.10.20

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