Mi 21.10. 2020 20:45Uhr 29:24 min

Woche der Wölfe Wölfe - Schützen oder schießen?

Film von Herbert Ostwald

Komplette Sendung

In Deutschland ist der Wolf streng geschützt. Trotzdem gibt es immer wieder gezielte Tötungen der Tiere 29 min
Bildrechte: MDR/ in one media/Mike Brandin
MDR FERNSEHEN Mi, 21.10.2020 20:45 21:15

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In Deutschland ist der Wolf streng geschützt. Trotzdem gibt es immer wieder gezielte Tötungen der Tiere
In den letzten 20 Jahren ist der Wolf wieder in Deutschland heimisch geworden. Derzeit gibt es 105 Rudel, 25 Paare - insgesamt etwa 1.300 Tiere. Bildrechte: MDR/ in one media/Mike Brandin
In Deutschland ist der Wolf streng geschützt. Trotzdem gibt es immer wieder gezielte Tötungen der Tiere
In den letzten 20 Jahren ist der Wolf wieder in Deutschland heimisch geworden. Derzeit gibt es 105 Rudel, 25 Paare - insgesamt etwa 1.300 Tiere. Bildrechte: MDR/ in one media/Mike Brandin
Wölfe sind auch am Tage unterwegs, sind aber nach wie vor ein seltener Anblick.
Doch was die einen freut, sorgt bei anderen für Sorgenfalten. Schäfer etwa - die beklagen Verluste. Bildrechte: WDR/Längengrad Filmproduktion/Sebastian Koerner
Schafe werden gelegentlich Opfer von Wolfsattacken, zum Beispiel wenn der Elektrozaun durchhängt.
Denn immer wieder kommt es zu Wolfsattacken, bei denen Schafe gerissen werden. Bildrechte: WDR/Längengrad Filmproduktion/Roland Gockel
Wölfe können an einem Tag bis zu 70 Kilometer wandern.
Und auch so manche Dorfbewohner fürchten um ihre Kinder. Politiker fordern gar den Abschuss von Wölfen und Obergrenzen für ihren Bestand. Bildrechte: MDR/WDR/Längengrad Filmproduktion/Sebastian Koerner, honorarfrei
Der betäubte "Problemwolf" Kurti bekommt einen Sender, damit Forscher seine Wege verfolgen können.
Doch ist das alles nur Hysterie? Geht von den Tieren tatsächlich eine große Gefahr aus? Tatsache ist: Der heimgekehrte Räuber ist so gut erforscht wie kaum ein anderes Wildtier. Hunderte Wolfsberater sammeln bundesweit täglich Spuren, die akribisch ausgewertet werden. Bildrechte: MDR/WDR/Längengrad Filmproduktion/Sebastian Koerner, honorarfrei
Neugierige Wolfswelpen im Winterfell sind leicht mit ausgewachsenen Raubtieren zu verwechseln.
Monatelang hat Filmautor Herbert Ostwald mit Wolfsforschern, Bürgermeistern, Dorfbewohnern, Tierfilmern und Schäfern gesprochen, um ein differenzierteres Bild zu bekommen. Bildrechte: MDR/WDR/Längengrad Filmproduktion/Sebastian Koerner
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Die Wölfe sind zurückgekehrt und breiten sich in Deutschland aus. Ob in Niedersachsen, Sachsen oder in Nordrhein-Westfalen, allerorten werden die Raubtiere gesichtet. Derzeit gibt es 105 Rudel, 25 Paare - insgesamt etwa 1.300 Tiere – und immer mal wieder Begegnungen zwischen Mensch und Wolf. Schäfer beklagen Verluste, Dorfbewohner fürchten um ihre Kinder, Politiker von CDU, SPD, FDP und AfD schlagen Alarm und fordern inzwischen den Abschuss von Wölfen und eine Obergrenze für ihren Bestand. Alles nur Hysterie? Oder geht von Wölfen tatsächlich eine Bedrohung aus? Stimmt der Eindruck, dass sich Wölfe in Deutschland unkontrolliert ausbreiten und eine Gefahr darstellen?

Monatelang hat Filmautor Herbert Ostwald mit Wolfsforschern, Bürgermeistern, Dorfbewohnern, Tierfilmern und Schäfern gesprochen, um Antworten zu bekommen. Seine Recherchen zeigen ein wesentlich differenzierteres Bild, als es die Schlagzeilen vermuten lassen. Manches Missverständnis beruht auf der verbreiteten Annahme, Wölfe seien scheu. Tatsächlich sind sie "von Natur aus neugierig, aber auch vorsichtig", so Tierfilmer Sebastian Koerner, der seit vielen Jahren Wölfen so nahe gekommen ist wie niemand sonst.

Fakt ist: In den 20 Jahren, seit Wölfe in Deutschland wieder heimisch sind, gab es keinen einzigen Angriff auf Menschen, keinen einzigen Verletzten. Der heimgekehrte Räuber ist so gut erforscht wie kaum ein anderes Wildtier: Hunderte Wolfsberater sammeln bundesweit täglich Spuren, die akribisch ausgewertet werden. Dadurch haben Wolfsforscher einen guten Überblick, welche Tiere sich wo niederlassen.

Wenn Wölfe trotzdem ein unnormales Verhalten zeigen, können Behörden schon heute dank vorhandener Managementpläne einzelne "Problemwölfe" erschießen lassen. Für Nutztierhalter gibt es Subventionen für Elektrozäune und Herdenschutzhunde. Hat der Wolf dennoch ein Schaf gerissen – und ist das beweisbar – gibt es Ausgleichszahlungen. Allerdings müssen viele Schäfer für den Schutz ihrer Tiere einen erheblichen Aufwand betreiben und bleiben auf einem Teil der Folgekosten sitzen.

Jagd auf Wölfe halten Forscher trotzdem für Unsinn. Denn die Zahl der Raubtiere reguliere sich allein über ihr Nahrungsangebot und die Reviergröße. In einem Revier pendelt die Größe des Rudels immer zwischen etwa zwei und fünfzehn Tieren, einwandernde Konkurrenten werden vertrieben.

Die Zahl der Wölfe bei uns wird weiter zunehmen: Die Tiere sind in der EU streng geschützt. Der Abschuss von Problemwölfen wird erst dann leichter möglich sein als heute, wenn das Überleben der einst ausgerotteten Art gesichert ist.

Ein Film mit überraschenden Einsichten und einzigartigen Bildern von wilden Wölfen in Deutschland.

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