Sa 24.10. 2020 11:45Uhr 30:00 min

Ein Wolf durchstreift eine winterliche Landschaft.
Ein Wolf durchstreift eine winterliche Landschaft. Bildrechte: dpa
MDR FERNSEHEN Sa, 24.10.2020 11:45 12:15

Woche der Wölfe Echt

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Gefährlicher Nachbar - Wölfe, wie nah sind sie uns schon?

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Für die einen: Grund zu feiern, für die anderen hingegen ein äußerst problematisches Jubiläum - Vor 20 Jahren wanderten die ersten Wölfe wieder in Deutschland ein. Schon bald gab es in der Oberlausitz Nachwuchs: den ersten seit 150 Jahren.

Das bundesweite Wolfsmonitoring weist für das Jahr 2018/19 insgesamt 105 Rudel, 29 Paare, 11 Einzeltiere nach. Und es könnten noch viel mehr werden. Doch geht das überhaupt in unserer Kulturlandschaft. Eine Studie des Bundesamtes für Naturschutz sagt: Ja. Demnach könnte der Wolf hierzulande fast überall sesshaft werden – und uns Menschen damit zwangsläufig immer näher kommen. Denkbar sind zwischen 700 und 1400 Reviere – theoretisch wohlgemerkt. Eine Zahl, die extrem polarisiert und Ängste weckt. Wohin mit all den Wölfen, sofern sie denn kommen an die reich gedeckten Tische unserer Kulturlandschaft mit reichlich Rot- und Schwarzwild?

Die meisten Menschen haben noch nie einen Wolf gesehen. Doch in vielen Regionen Ostdeutschlands ist er längst Alltag. Wieviel Nachbar Wolf geht, brauchen wir eine Obergrenze und könnten die Analysen der Studie eines Tages Wirklichkeit werden? ECHT fragt nach und schaut dabei auf das Jahr 2019, als wir über die sogenannte „Problemwölfin“ in Thüringen berichtet haben. Die riss in jenem Jahr in der Region um Ohrdruf fast 200 Schafe und Ziegen. Die betroffenen Schäfer sind verzweifelt – die Wölfin kommt ihnen und ihren Tieren einfach zu nah.

Die Politik reagierte spät und gab die Wölfin schließlich zum Abschuss frei. Doch die Gerichte schoben dem einen Riegel vor – auch, weil die Wölfin sich im dritten Anlauf erstmals mit einem echten Wolfsrüden gepaart hat und damit Mutterschutz genießt. Wie ist der Stand heute?

ECHT trifft einen der am härtesten betroffenen Schäfer erneut: Alf Schmidt. Er hat sich mittlerweile Herdenschutzhunde zugelegt – mit erstaunlichen Ergebnissen. Doch jetzt wo die Wölfin wieder Nachwuchs hat, geht die Angst um: Was, wenn das ganze Rudel auf Jagd geht und angreift?

Antje Weber vom Wolfskompetenzzentrum Iden in Sachsen-Anhalt gehört zu denen, die ganz dicht an Wölfen dran sind. Sie begleitet die natürliche Wiederansiedlung des Wolfes mit dem sogenannten „Wolfsmonitoring“. Doch was ist das genau? ECHT ist dabei, wenn Antje Weber auf einem Einsatz bei Möckern östlich von Magdeburg nach Hinweisen auf Wölfe sucht. Sie will belastbare Aussagen über deren Vorkommen und Verhaltensweisen machen. Ob Geländebegehung, Einsatz von Wildkameras und Auffinden von Losungen – ECHT will wissen, wie sieht die Expertin das Wolfspotenzial gerade auch im Osten Deutschlands.

All das hält der Jäger Hans-Dietmar Dohrmann aus der Niederschlesischen Oberlausitz für übertrieben: Er und seine Kollegen berichten von ihren teilweise nervösen Begegnungen mit Wölfen in ihrem Jagdrevier und fordern klipp und klar: Die Wolfspopulation hat schon jetzt eine Dichte erreicht, wo gehandelt werden muss. Sprich: Der Wolf muss bejagt werden, eine Obergrenze muss her! Vorbild könnten für ihn Länder wie Schweden oder die Baltischen Staaten sein. Für ihn ist die wachsende Anzahl der Wölfe im ländlichen Raum eine latente Gefahr für den Menschen und existenzbedrohend für Viehhalter. Die Idee vom Wolf als Nachbar - für Hans-Dietmar Dohrmann eine Illusion.

Was also tun? Laufen lassen oder einschreiten? Der Wolf ist eine streng geschützte Art. Dennoch: Mit jedem neuen nachgewiesenem Rudel droht sich der Konflikt in vielen Regionen nicht nur im Osten Deutschlands zu verschärfen. Wieviel Wolf als Nachbar können und wollen wir uns also leisten?



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