Do 19.11. 2020 22:10Uhr 29:30 min

artour

Das Kulturmagazin des MDR

Komplette Sendung

Die Moderatorin im Studio 31 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Do, 19.11.2020 22:10 22:40

Beiträge aus der Sendung

Ein Konzertsaal in rotem Licht 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Themen u.a.:

* Renate Krößner
Vor 40 Jahren erscheint auf den DDR-Leinwänden eine Frau, mit der damals keiner gerechnet hat. Sängerin Ingrid Sommer genannt Sunny. Frech, selbstbewusst, auf der Suche nach dem großen Glück. Eine junge Frau, die ihren Job als Fabrikarbeiterin hinschmeißt, um Sängerin zu werden. Der Film ‚Solo Sunny‘ und seine Botschaft sind eine Sensation. Soll doch im Sozialismus alles nach Plan verlaufen und jeder sich im Kollektiv einfügen. Renate Krößner, die Regisseur Konrad Wolf für die Hauptrolle ausgewählt hatte, wird mit Sunny zur Identifikationsfigur für eine Generation. Gleichzeitig soll diese Rolle ihr ganzes Leben beeinflussen. Der MDR widmet Renate Krößner, die kürzlich verstorben ist, einen Lebenslauf. artour gibt schon mal erste Einblicke.
Autorin: Heike Sittner

* 1:1 Konzerte - Musik, unmittelbar
Eine Musikerin, eine Zuhörerin, ein bestimmter Abstand, 10 gemeinsame Minuten Konzert. Das sind die Settings der 1:1 Konzerte. 2019 prä-Corona in Volkenroda, Thüringen entwickelt, machen sie mittlerweile weltweit Schule und wurden allein in Deutschland tausende Male gespielt. Von der Galerie, über die Fabrikhalle bis in den Ziegenstall. Die Professorin für Flöte Stephanie Winker und ihr Team stecken hinter der Idee. Bei der der Abstand mehr ist als nur Infektionsschutz: Eine neue Konzertästhetik in einem abgesteckten Raum für intensive Konzerterlebnisse Auge in Auge.
Autorin: Pia Uffelmann

* Heinrich und Götz George – Zwei Leben
Die Doppelbiografie von Thomas Medicus
6. Dezember 1945, sowjetisches Speziallager Nr. 3 in Hohenschönhausen. Es ist nur ein Moment, aber er erzählt alles über das Verhältnis zwischen Heinrich und Götz George, den kleinen Jungen, der seinen Vater hier zum letzten Mal sieht. Einen gefallenen König der deutschen Bühnen und des deutschen Films, abgemagert und verwahrlost, eingesperrt, weil er sich zu sehr für die Nazis engagierte. Der abwesende Vater, der tote Vater. Für Götz George eine Figur, an der er sich lebenslang abarbeiten wird, als Schauspieler und als Sohn. Heinrich George, Kraftprotz und Haudrauf mit Herz und Schnauzbart, der trotzdem sanft und schwach sein kann, erscheint als unerreichbares Vorbild für Götz George. Weil es den Vater als Mentor nicht mehr gibt, kauft der Sohn einen Projektor und schaut sich Filme mit Heinrich George an, hört seine Stimme auf Schallplatten. Allmählich werden sie sich ähnlich, Vater und Sohn. Nicht nur in ihrer Körperlichkeit, auch in ihrem Spiel. In den achtziger Jahren ist Götz George wie sein Vater in den zwanziger und dreißiger Jahren das deutsche Männlichkeitsidol. Sein Kriminalhauptkommissar Horst Schimanski, kraftstrotzend, anarchisch und unkonventionell, ein neuer Typ Mann. Je größer der eigene Ruhm, umso schmerzvoller empfindet Götz George den Umgang der Deutschen mit Heinrich George. Ihre verwehrte Anerkennung dem großen Schauspieler gegenüber wegen dessen Verstrickungen in das nationalsozialistische System, kann und will er nicht verstehen. Der Sohn, der seinen Vater mit acht Jahren verlor, klagt ihn nie an. Denn dann, und davor fürchtet er sich seit der Nachricht vom Tod des Vaters 1946, würde er ihn für immer verlieren. Selten haben sich in einer Doppelbiografie Lebensgeschichte und Zeitgeschichte auf eine so spannende und brillant erzählte Weise ergänzt und bedingt, erlebt man den Aufstieg und Fall eines der größten deutschen Mimen des 20. Jahrhunderts so sinnlich und facettenreich wie in diesem Buch. Die Geschichte des Sohns, der sich lebenslang mit seinem Vater auseinandersetzt, ist auch eine über Schuld und Verantwortung des Künstlers in der Diktatur.
Autorin: Gabriele Denecke

* Foto-Akte und Pandemie
Als im März dieses Jahres ein Buch des Leipziger Fotografen Olaf Martens (Jg. 1963) mit Akt-Bildern von 1983-1991 erschien, überdeckte die Corona-Krise alles andere. Aber Glück im Unglück: Jüngere Fotografien von Martens für eine neue Ausgabe von Giovanni Boccaccios „Dekamerone“ sind jetzt in aller Munde. Warum? In Boccaccios Buch treffen sich 10 noble Damen und Herren, die vor der Pest in Florenz in die Toskana fliehen und sich dort Geschichten erzählen. Was für eine unverhoffte Aktualität in Zeiten der Pandemie. Olaf Martens hat für den prächtigen Dekamerone-Band des Verlages Faber und Faber zusammen mit Studenten der Theaterakademie Sachsen 25 Fotografien inszeniert. Zweimal Olaf Martens also in zwei neuen Büchern, ein Beitrag darüber mit Interviews mit Olaf Martens und dem Fotohistoriker T.O. Immisch.
Autor: Meinhard Michael

* Kulturkalender
* Neues Album "Flur" von Martin Kohlstedt, erscheint am 27.11. bei Warner Classic
* "Warten auf den Doktor", neues Buch des Leipziger Cartoonisten Beck, erschienen im Mabuse Verlag
* Versteckte Museumsschätze - Hinweis auf Videoserie bei "MDR Kultur neuerleben"
Autorin: Ulrike Reiß


"artour" ist das Kulturmagazin für das MDR-Sendegebiet und für Ostdeutschland. "artour" wird in Rostock wie in Weimar geschaut, aber natürlich auch in Hamburg und München. Das Kulturmagazin mit Ostkompetenz greift Themen auf, die die Zuschauer bewegen. Von Thälmann bis Theater, von der Kittelschürze bis zum Konzert, von der Off-Bühne bis zur Oper. Themen werden auch mal gegen den Strich gebürstet, egal, ob es sich um eine Kunstausstellung oder einen kulturpolitischen Skandal handelt.

Mehr zu den Themen der Sendung

Kultur

Renate Krößner spielt die Rolle der Ingrid Sommer alias "Sunny" in dem Spielfilm "Solo Sunny". mit Video
Renate Krößner spielt die Rolle der Ingrid Sommer alias "Sunny" in dem Spielfilm "Solo Sunny". Bildrechte: rbb/DEFA-Stiftung/Dieter Lück
Flötistin Stephanie Winker im Poträt 18 min
Bildrechte: Stephanie Winker

MDR KLASSIK Mo 11.05.2020 12:57Uhr 17:34 min

https://www.mdr.de/mdr-klassik-radio/interview-mit-stephanie-winker100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Kultur

Digitalisierung am Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig
Bildrechte: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig