So 06.12. 2020 22:55Uhr (VPS 22:50) 90:00 min

Leonid Breschnew (li.) und Willy Brandt (re.) während ihres dreitägigen Treffens auf der Krim vom 16.-18. September 1971.
Leonid Breschnew (li.) und Willy Brandt (re.) während ihres dreitägigen Treffens auf der Krim vom 16.-18. September 1971. Bildrechte: MDR/Wladimir Musaelian
MDR FERNSEHEN So, 06.12.2020 22:55 00:25

MDR DOK Der Kniefall des Kanzlers

Der Kniefall des Kanzlers

Die zwei Leben des Willy Brandt

Film von Sebastian Dehnhardt und Manfred Oldenburg

  • Stereo
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
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Warschau am 7. Dezember 1970: Willy Brandt kniet vor dem Ehrenmal, das an das Warschauer Ghetto erinnern soll. Ein Bild, das um die Welt geht und schnell zu einer Ikone wird. Eine symbolische Geste, für die der deutsche Kanzler international höchste Anerkennung erntet und mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wird. Eine Geste, die in Deutschland polarisiert wie nie zuvor und die Gesellschaft in zwei Lager spaltet. Für seine Anhänger ist Willy Brandt ein Visionär, ein Hoffnungsträger für Frieden und Versöhnung - ein deutscher Kennedy. Seine Gegner diffamieren ihn als Vaterlandsverräter, überziehen ihn mit Schmutzkampagnen und machen dabei auch vor seiner Privatsphäre nicht halt.

Im Fokus des Filmes steht die Persönlichkeit Brandts und sein Kampf für Versöhnung und eine friedlichere Welt - gegen äußere und innere Widerstände. Als Politiker ein Menschenfänger, der Millionen Menschen begeistert und für eine ganze Generation zur politischen Ikone wird, zeigt Willy Brandt privat ein völlig anderes Gesicht, ist unberechenbar, introvertiert und depressiv. Der Mann, der sich nach außen jovial, charmant und witzig gibt, der nach den schönen und unbeschwerten Dingen im Leben giert, ist innerlich zerrissen. Doch woher rühren diese Selbstzweifel, seine Menschscheue und seine Unfähigkeit soziale Nähe herzustellen?

"Der Kniefall des Kanzlers. Die zwei Leben des Willy Brandt" stellt Brandts problematische Kindheit und sein erstes Leben als Herbert Frahm in den Mittelpunkt. Der renommierte Psychoanalytiker Günter Seidler untersucht, wie Willy Brandts bewegte, vaterlose Kindheit und seine Flucht vor den Nazis ins norwegische Exil ihn als Politiker und Mensch in seinem zweiten Leben geprägt haben. Dabei entsteht ein Psychogramm, das Brandt in seiner ganzen Ambivalenz - von uneingeschränkter Jovialität bis zur absoluten Verschlossenheit - zeigt. Offen erzählt Peter Brandt vom privaten Willy Brandt und gewährt dabei tiefe Einblicke in das Familienleben und das zeitlebens kühle Verhältnis zu seinem Vater. Die Versöhnung, nach der Willy Brandt politisch strebte, rückte privat in immer weitere Ferne, gipfelte sogar in der faktischen Enterbung der Kinder in seinem Testament.

Einer der wenigen Menschen, bei denen Brandt Nähe findet, ist Heli Ihlefeld, mit der er eine langjährige Affäre hat. Doch ausgerechnet diese Liaison markiert einen der Gründe für seinen frühzeitigen Rücktritt. Heli Ihlefeld erinnert sich in der Dokumentation an die gemeinsamen Begegnungen und berichtet von Brandts Aura, die vor allem Frauen in seinen Bann zog. Mit aufwendig inszenierten Spielszenen, bisher unveröffentlichtem Archivmaterial und Interviews mit engen Vertrauten, langjährigen Wegbegleitern und namhaften Experten zeichnet der Film ein intimes Porträt des Menschen und Politikers Willy Brandt - und sorgt für eine aufsehenerregende Enthüllung: So berichtet ein KGB-Agent zum ersten Mal von seiner Rolle im Bestechungsskandal beim Misstrauensvotum 1972 und der Rolle Leonid Breschnews, der mit allen Mitteln den Fortbestand der Regierung seines Freundes Willy Brandt sichern wollte.

"Der Kniefall des Kanzlers. Die zwei Leben des Willy Brandt": eine Geschichte von Krise und Triumph, von Erfolg und Scheitern, von Vertrauen und Verrat - ein Stück deutsche Geschichte.

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