Di 22.12. 2020 15:15Uhr 44:30 min

Der Osten - Entdecke wo du lebst Die Pulsnitzer Pfefferküchler und ihr Geheimrezept

Komplette Sendung

Mann mit weißem Bart 44 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Di, 22.12.2020 15:15 16:00

Bilder zur Sendung

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Pfefferkuchenmännchen wird verziert
Die Tradition des Pulsnitzer Pfefferkuchens reicht 450 Jahre zurück. In der sächsischen Kleinstadt wurden die Rezepte über Generationen weitergegeben und gehütet. Bildrechte: MDR/Jan Mammey
Pfefferkuchenmännchen wird verziert
Die Tradition des Pulsnitzer Pfefferkuchens reicht 450 Jahre zurück. In der sächsischen Kleinstadt wurden die Rezepte über Generationen weitergegeben und gehütet. Bildrechte: MDR/Jan Mammey
Pfefferküchler-Familie Kotzsch
Familie Kotzsch führt in sechster Generation die älteste noch existierende Pfefferkuchen-Bäckerei. Ihr Sohn Martin ist mit 22 Jahren der jüngste Pfefferküchlermeister Deutschlands. Bildrechte: MDR/Jan Mammey
Martin Kotzsch beim Verzieren
Während Martin Kotzsch in der Vorweihnachtszeit durchgehend in der Backstube steht, übernimmt seine Frau Gabriele den Verkauf im kleinen Laden. In der familiären Manufaktur zählt jede Hand. Bildrechte: MDR/Dunja Engelbrecht
Ines Frentzel, Pulsnitzer Lebkuchenfabrik
Auch Ines Frentzel von der Pulsnitzer Lebkuchenfabrik ist es zu verdanken, dass der Pulsnitzer Pfefferkuchen auch nach dem Ende der DDR weit über Landesgrenzen hinaus bekannt ist. Bildrechte: MDR/Jan Mammey
Entstehung eines Pfefferkuchenhäuschens
Denn wären einige Pulsnitzerinnen und Pulsznitzer nicht so einfallsreich gewesen, hätte der in der DDR noch konkurrenzlose Pfefferkuchen in der Nachwendezeit vielleicht seine Bedeutung verloren. Bildrechte: MDR/Dunja Engelbrecht
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Spitzen, Alpenbrot und Pflastersteine - mehr als 450 Jahre reicht die Tradition der Pulsnitzer Pfefferkuchen zurück. In der sächsischen Kleinstadt haben die Pfefferküchler ihre streng gehüteten Rezepturen über Generationen weitergegeben und waren mit ihren Produkten lange Zeit konkurrenzlos.

Ab 1990 wurde das anders. Nun standen die Pulsnitzer im Wettbewerb mit Lebkuchenfabrikanten aus Nürnberg und Aachen. Und der einzigartige Lehrberuf des Pfefferküchlers kam in der Handwerksordnung der BRD nicht mehr vor.

Wer weiß, ob man die "Pulsnitzer Pfefferkuchen" und andere Spezialitäten heute noch weit über die Landesgrenzen kennen würde, wären einige Pulsnitzer in der Nachwendezeit nicht so einfallsreich gewesen. Mit den richtigen Rezepten gelang es ihnen, ihre Handwerkstraditionen am Leben zu halten. Ihre Geschichten erzählt dieser Film aus der Sendereihe ""Der Osten – Entdecke, wo du lebst".

Heute, im Jahr 2020 droht ein erneuter Rückschlag für das traditionelle Handwerk. Erstmals seit seiner Gründung musste der große Pfefferkuchenmarkt, der immer am ersten Novemberwochenende stattfindet, abgesagt werden. In den Vorjahren strömten bis zu 100.000 Besucher nach Pulsnitz. Vor allem für die kleineren Pfefferküchlereien und Familienbetriebe ist der Markt überlebenswichtig.

Gabriele und Peter Kotzsch führen in der achten Generation die älteste noch existierende Pfefferkuchen-Bäckerei in Pulsnitz. Gegründet wurde sie im Jahre 1813. In der Vorweihnachtszeit steht der Pfefferküchlermeister fast durchgehend in der Backstube. Seine Frau Gabriele übernimmt den Verkauf im kleinen Laden.

Sie ist eigentlich gelernte Krankenschwester, doch mit der Verlobung kam alles anders: "Mein Mann hat mich, nachdem wir uns gerade mal sechs Wochen kannten, gefragt, ob ich meinen Beruf aufgeben würde und mit in der Küchlerei arbeite. Da habe ich Ja gesagt."

Denn in den kleinen familiären Manufakturen hilft und zählt jede Hand. Nachwuchssorgen haben die Kotzschs zum Glück nicht. Sohn Martin ist mit 22 Jahren der jüngste Pfefferküchlermeister Deutschlands und steht neben dem Vater in der Backstube: "Ich wusste schon mit fünfJahren, dass ich die Pfefferküchlerei übernehmen möchte."

Zu DDR-Zeiten waren Pulsnitzer Pfefferkuchen, wenn man sie bekam, buchstäblich in aller Munde und konkurrenzlos. Und sie haben bei so manchem Geschäft nachgeholfen. Peter Kotzsch vergleicht die Pfefferkuchen hinsichtlich ihres Tauschwerts mit Plauener Spitze oder angesehener Töpferware: "Es sind Leute gekommen, die gesagt haben, ich brauche Pfefferkuchen sonst kriege ich keine Badewanne!"

Sechzehn eigenständige Pfefferküchlereien gab es noch in der DDR. Erfolgreich hatten sie sich gegen die Errichtung einer Produktionsgenossenschaft gewehrt. Doch diese Betriebe traf es besonders hart, wenn es mal wieder an Schokolade oder anderem mangelte. Peter Kotzsch erinnert sich: "Dann standen wir natürlich an letzter Stelle und haben uns mit Fettglasur statt Zartbitterschokolade beholfen."

Einzig die Lebkuchenfabrik Eri – Erich Richter wurde in den 50er-Jahren zuerst halb verstaatlicht und später vollständig in den VEB Dauerbackwaren Dresden integriert. Nach 1990 gelang aber auch ihr der Sprung in die Marktwirtschaft. Dieter Frenzel, der ehemalige technische Direktor, hatte den Betrieb mit seiner Familie von der Treuhand gekauft.

Heute führt seine Tochter Ines die Geschäfte. "Ich habe damals den Vertrieb übernommen und versuchte unsere Produkte auch in westlichen Regalen, sogar in den USA unterzukriegen." Doch bei der neuen Kundschaft konnten sie noch wenig mit dem Gebäck aus dem Osten punkten. Und die Ostdeutschen bevorzugten Westprodukte, wie Nürnberger Lebkuchen und Aachener Printen.

Das Geheimrezept, mit sich die Pulsnitzer Pfefferküchler dennoch die Herzen ihrer Kundschaft zurückerobert haben, das verraten sie in "Der Osten - Die Pulsnitzer Pfefferküchler und ihr Geheimrezept".

Ein Film von Corinna Adam

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