So 24.01. 2021 22:50Uhr 44:30 min

Der Gesandte des Papstes Nuntius Eugenio Pacelli, späterer Papst Pius XII., während einer Prozession in Bamberg (1924).
Der Gesandte des Papstes Nuntius Eugenio Pacelli, späterer Papst Pius XII., während einer Prozession in Bamberg (1924). Bildrechte: Bayerischer Rundfunk
MDR FERNSEHEN So, 24.01.2021 22:50 23:35

Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus Die Geheimnisse der Akten

Die Geheimnisse der Akten

Der Vatikan öffnet seine Archive

Film von Lucio Mollica

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Die Geheimnisse der Akten

Die Geheimnisse der Akten

Der Petersdom in Rom.
Es war ein längst überfälliger Schritt - als Papst Franziskus bekannt gab, die bis dahin geheimen Archive des Vatikans der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bildrechte: Bayerischer Rundfunk
Der Petersdom in Rom.
Es war ein längst überfälliger Schritt - als Papst Franziskus bekannt gab, die bis dahin geheimen Archive des Vatikans der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bildrechte: Bayerischer Rundfunk
Der Gesandte des Papstes Nuntius Eugenio Pacelli, späterer Papst Pius XII., während einer Prozession in Bamberg (1924).
Schon lange wollen Wissenschaftler die Dokumente einsehen, um die Rolle von Papst Pius XII. während der NS-Zeit aufarbeiten zu können. Bildrechte: Bayerischer Rundfunk
Adolf Hitler (rechts) und Benito Mussolini während des Besuchs des italienischen Diktators in Deutschland (ca. 1941).
1939 beginnt die Amtszeit von Papst Pius XII. Schon bald wird er dabei mit der Vernichtung der Juden im Dritten Reich konfrontiert. Bildrechte: Bayerischer Rundfunk
Petersplatz in Rom.
Kritiker werfen ihm nach Kriegsende vor, sich nicht vehement und lautstark genug gegen den Massenmord an den Juden geäußert zu haben. Bildrechte: Bayerischer Rundfunk
Riccardo Di Segni, Oberrabbiner von Rom.
Aber ist das auch wirklich so? Renommierte Kirchenhistoriker sind da ganz anderer Meinung. Die Öffnung der Vatikan-Archive soll nun endlich Licht ins Dunkel bringen. Tausende Dokumente müssen dazu gesichtet und von noch lebenden Zeitzeugen bewertet werden. Bildrechte: Bayerischer Rundfunk
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Anfang März 2020 hat der Vatikan die geheimen Archive aus der Zeit Papst Pius XII. für Historiker und Wissenschaftler geöffnet. Jetzt ist es möglich, auf eine Persönlichkeit zu blicken, die während der dunkelsten Periode des 20. Jahrhunderts Oberhaupt der Katholischen Kirche war. Mit zum Teil unveröffentlichtem Archivmaterial sowie Neuaufnahmen aus dem Vatikan und Deutschland befasst sich diese Dokumentation mit Eugenio Pacelli, so sein bürgerlicher Name, einem der kontroversesten Protagonisten der jüngeren Kirchengeschichte.

Als Botschafter des Heiligen Stuhls in Deutschland und als Kardinalstaatssekretär des Vatikan beobachtete Eugenio Pacelli Hitlers Aufstieg zur Macht. Im Jahr 1939 begann seine Amtszeit als Papst Pius XII. Alsbald wurde er mit der Vernichtung der Juden, der Deportation von Minderheiten und Oppositionellen im Dritten Reich konfrontiert. Bis heute ist nicht zuverlässig geklärt, welche Rolle Pius XII in dieser Zeit gespielt hat. War er wirklich, wie vielfach behauptet wird, ein Zögerer und Zauderer, der vor der Verantwortung vor allem gegenüber bedrängten Juden, zurückgewichen ist?

Die Öffnung der Vatikanarchive soll Licht in dieses Dunkel bringen. Renommierte Kirchenhistoriker sind der Meinung, dass der Pontifex durch sein bedachtsames Auftreten bewusst vor der Weltöffentlichkeit kaschierte, dass er viele Menschenleben während der NS-Zeit rettete, in Rom und anderswo. Schon jetzt sprechen Tausende von Dokumenten, darunter Briefe, Tagebücher und Berichte von noch lebenden Zeitzeugen für diese Interpretation. Die Arbeit der Wissenschaftler in den Archiven könnte weitere Gewissheit bringen.