Do 21.01. 2021 22:10Uhr 29:30 min

Jutta Allmendinger
Jutta Allmendinger Bildrechte: imago/photothek
MDR FERNSEHEN Do, 21.01.2021 22:10 22:40

artour

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Das Kulturmagazin des MDR

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* 50 Jahre Zonenrandförderungsgesetz
Es war ein Begriff, den Politiker und schließlich auch die Bevölkerung im Westen Deutschlands aus der Besatzungszeit zwischen 1945 und 1949 mit ins geteilte Deutschland übernommen hatten: Zone. So nannte man den Osten Deutschlands. Als die DDR 1961 dann die Mauer baute und mit einem Schlag die Lebensadern zwischen West und Ost durchschnitt, war ein Gebiet von 1.400 Kilometer Länge und 40 Kilometer Breite im Westen des Landes plötzlich zum "Zonenrandgebiet" geworden. Eine Bezeichnung, die man recht schnell mit wirtschaftlichem Verfall, Niedergang und Abwanderung verband - der Begriff "Zone" kehrte sich plötzlich gegen seine Schöpfer. Über zwei Jahrzehnte stemmte sich der Zonenrand im Westen gegen den Fall in die Bedeutungslosigkeit. Aber die Regierung in Bonn hatte ihre Bürger nicht vergessen: Vor 50 Jahren, am 1. Januar 1971, trat das "Zonenrandförderungsgesetz" in Kraft. Steuerliche Erleichterungen, massive Zuschüsse bei wirtschaftlichen Ansiedlungen, staatliche Investitionen in die Verkehrs-, Bildungs- und Kulturinfrastruktur. Knapp 20 Jahre galt dieses Gesetz. Dann ging die Mauer auf und die Menschen im Zonenrandgebiet begrüßten ihre aus dem Osten kommenden Schwestern und Brüder mit Sekt und Bananen gratis. Aber nach dem Jubel kamen die Mühen des Alltags. Das Zonenrandgebiet wurde nicht mehr gefördert. Zunächst machten die Einkäufer aus dem Osten diesen Verlust an wirtschaftlicher Überlebenshilfe wieder wett, aber irgendwann kehrte in den ehemaligen Zonenrand wieder die alte Bedeutungslosigkeit zurück. Dörfer und Kleinstädte wurden zu strukturschwachen Regionen - die Schwestern und Brüder auf der Ostseite des Zonenrandes schauten quasi in den Spiegel, als sie im Westen dieselben Probleme sahen, die sie vor der eigenen Tür hatten.

"artour" berichtet in einer Reportage über 50 Jahre Zonenrandförderung und trifft sich in Bayern, in Steinwiesen, mit dem amtierenden Bürgermeister Gerhard Wunder und in Nordhalben mit dem ehemaligen Bürgermeister Josef Daum und fragt sie über ihren Antrag aus dem Jahr 2006, nach Thüringen eingemeindet zu werden sowie über die Auswirkungen des Zonenrandförderungsgesetzes.
(Autor: Rayk Wieland)


* Wer entscheidet, wen man rettet? Eine ethische Diskussion über Triage
Mitte Dezember fiel erstmals öffentlich ein Wort, das schon seit Monaten als Worst-Case-Szenario im Raum steht: Triage. Ein Arzt in einer sächsischen Klinik hatte das Wort erstmals in den Mund genommen, und die Reaktionen waren entsprechend. Dass Ärzte in Katastrophenfällen triagieren (auswählen) müssen, wer zuerst behandelt wird und wer später (oder eben gar nicht), ist nicht neu. Aber durch Corona erhält die Diskussion eine neue Dringlichkeit. In anderen europäischen Ländern schreibt der Gesetzgeber den Ärzten Richtlinien vor, in Deutschland ist das - bisher jedenfalls - nicht der Fall. Die Diskussion, ob ein Gesetz sinnvoll wäre oder nicht, wird sowohl von Intensivmedizinern als auch von Juristen und Medizinethikern äußerst kontrovers geführt. Bündnis 90/Die Grünen fordern als bislang einzige Partei, dass das heikle Thema auch im Parlament oder zumindest in den entsprechenden Ausschüssen behandelt werden muss.

Aber ist die Gesellschaft überhaupt bereit, eine Debatte darüber zu führen, wer angesichts knapper Ressourcen die Chance auf lebensrettende Maßnahmen bekommen soll? "artour" hat unter anderem mit Professor Merkel, Jurist und Mitglied der wissenschaftlichen Akademie Leopoldina und Prof. Michael Albrecht vom Universitätsklinikum Dresden darüber gesprochen.
(Autorin: Petra Böhm)


* Jutta Allmendinger über Geschlechtergerechtigkeit
Prof. Jutta Allmendinger ist die national und international hoch angesehene Präsidentin des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung in Berlin. Man kann sagen, dass das Lebenswerk der 65-Jährigen, die in Harvard promovierte, darin besteht, die Grundlagen für echte Geschlechtergerechtigkeit zu erforschen. Am 12. Januar erscheint ihr Buch "Es geht nur gemeinsam", das vielleicht so etwas wie ein Fazit ist. Sie, die seit über drei Jahrzehnten untersucht, wie Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen erreicht werden kann, kommt zu dem Schluss, dass wir uns rückwärts in die Zukunft bewegen. Durch Corona hat sich gezeigt, dass die Frauen noch immer benachteiligt sind. Denn sie arbeiten und versorgen zusätzlich die Kinder. Sie werden immer noch schlechter bezahlt und Teilzeit und Elternzeit sind weitgehend Frauensache. Führungspositionen und hohe Gehälter dagegen Männersache.

"artour" spricht mit Jutta Allmendinger über ihr Buch "Es geht nur gemeinsam. Wie wir endlich Geschlechtergerechtigkeit erreichen" und stellt die Wissenschaftlerin auch mit ihrer persönlichen Lebensgeschichte vor, anhand der sie im Buch ihre Thesen vertritt.
(Autorin: Anett Friedrich)


* Kulturkalender

- Jede Woche wirft die Cinémathèque in der VoD-Reihe "HOTSPOT LEIPZIG" einen Blick auf das Filmschaffen in Leipzig. Es werden vielfältige Filme aus allen Genres gezeigt, die in Leipzig oder durch/mit Menschen aus Leipzig entstanden sind.

- Der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Günter Rössler. Augenblicke" von der Kunsthalle Talstrasse präsentiert die weniger bekannten Werke des Fotografen Günter Rössler.

- Die Band "Coucou" aus Leipzig und Berlin mit ihrer kürzlich erschienenen EP "Girl"

(Autorin: Charlotte Witt)