Do 28.01. 2021 20:15Uhr 44:30 min

Lebensretter

Hepatitis-Skandal in der DDR

Mit Sven Voss

Komplette Sendung

Obermedizinalrat Dr. Wolfgang Schubert 45 min
Bildrechte: Hoferichter & Jacobs
MDR FERNSEHEN Do, 28.01.2021 20:15 21:00

Der Hepatitis-Skandal

Der Hepatitis-Skandal

Labor mit Ampullen und Abfüllvorrichtung
DDR, Winter 1978/79. Nur eine Spritze, so wird es den jungen Frauen versprochen, und die Gefahr einer Fehlgeburt sollte gebannt sein. Die Realität sieht anders aus: In den Kliniken des Landes melden sich jeden Tag junge Mütter. Sie klagen über Juckanfälle, Bauchschmerzen und hohes Fieber - der Beginn einer medizinischen Tragödie. Bildrechte: Hoferichter & Jacobs
Labor mit Ampullen und Abfüllvorrichtung
DDR, Winter 1978/79. Nur eine Spritze, so wird es den jungen Frauen versprochen, und die Gefahr einer Fehlgeburt sollte gebannt sein. Die Realität sieht anders aus: In den Kliniken des Landes melden sich jeden Tag junge Mütter. Sie klagen über Juckanfälle, Bauchschmerzen und hohes Fieber - der Beginn einer medizinischen Tragödie. Bildrechte: Hoferichter & Jacobs
Obermedizinalrat Dr. Wolfgang Schubert
Ein Verdacht erhärtet sich: Die Erkrankungen könnten etwas mit der Anti-D-Prophylaxe zu tun haben, die den Frauen verabreicht wurde. Die Spur führt nach Halle. Dort leitet der Arzt Dr. Wolfgang Schubert (Bild) das "Bezirksinstitut für Blutspende- und Transfusionswesen" (BIBT). Dr. Schubert hat gemeinsam mit der Chemikerin Dr. Viktoria Tesar das Verfahren zur Anti-D-Herstellung entwickelt. Seit 1971 wird der Impfstoff verabreicht und Schubert ist sich sicher, "die Neugeborenen-Erkrankung bald selten werden zu lassen". Für die Anti-D-Prophylaxe bekommt Schubert 1976 den Nationalpreis der DDR. Bildrechte: Hoferichter & Jacobs
Glasballons im Chemielabor
Der Ausgangsstoff für den Impfstoff ist Blutplasma mit D-Antikörpern. Das ist allerdings rar. Als Ende 1978 ein Engpass in Schuberts Laboren droht, wird um jede Plasmaspende gerungen. Eine dieser Spenden ist mit Hepatitisviren verseucht. Deshalb hätte sie eigentlich nicht verwendet werden dürfen - doch Dr. Wolfang Schubert hofft, sein Herstellungsverfahren würde die im Plasma entdeckten Hepatitis-Viren abtöten. Eine fatale Fehleinschätzung. Bildrechte: Hoferichter & Jacobs
Eine Frau mit einem Baby auf einem Sofa vor 70erJahre-Tapete
Schubert stellt aus den Plasmen trotzdem weiter Impfstoff her. Da die Kontrolleure der Blutspende-Einrichtungen Schubert vertrauen, prüfen sie die Chargen nicht. Tausende infektiöse Anti-D-Ampullen gehen so an die DDR-Krankenhäuser. So bekam auch Sabine Schley (Bild) im Jahr 1978 die Anti-D-Prophylaxe, die sie mit Hepatitis infizierte. Damit ist sie eine von insgesamt 2.000 Frauen. Wie konnte es zu diesem Skandal kommen? Bildrechte: Hoferichter & Jacobs
Alle (4) Bilder anzeigen
Frauen, deren Rhesusgruppe sich von der ihres Kindes unterscheidet, bekamen ab den 70er Jahren in der DDR eine Anti-D-Immunprophylaxe. Diese Impfung war gesetzlich vorgeschrieben und wurde der Mutter kurz nach der Geburt eines Kindes gegeben, um zu verhindern, dass nachfolgende Kinder Schäden erleiden. Eine großartige Errungenschaft der Medizin, die der Obermedizinalrat Dr. Wolfgang Schubert entwickelt hatte. Dafür bekam er 1976 sogar den Nationalpreis verliehen.

Doch in den Jahren 1978/79 werden immer mehr Frauen krank, die gerade ein Baby auf die Welt gebracht haben. Die Symptome sind ähnlich, überall in der Republik füllen sich die Krankenhäuser. Auf der Suche nach der Ursache führt die Spur nach Halle, ins Bezirksinstitut für Blutspende und Transfusionswesen. Dort wird unter der Leitung von Dr. Wolfgang Schubert die Anti-D-Prophylaxe hergestellt.

Es stellt sich heraus, dass einzelne Chargen verunreinigt sind. Der Skandal: Selbst nachdem bekannt war, dass mit den Chargen etwas nicht stimmte, wurden sie weiter zur Verwendung freigegeben. Die betroffenen Frauen werden auf Isolierstationen wochen-, teils monatelang von ihren Familien getrennt. Dass sie an einem aggressiven Virus erkrankt sind – Hepatitis C – wissen sie nicht, da das Virus damals noch nicht bekannt ist.

Einige Betroffene leiden bis heute an den Folgen dieser Erkrankung. Nach mehr als 40 Jahren erinnern sich die Betroffenen Dorothy Bergmann und Monika Winter.

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