Do 28.01. 2021 22:10Uhr 29:30 min

artour

Das Kulturmagazin des MDR

Komplette Sendung

Moderatorin 30 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Do, 28.01.2021 22:10 22:40

Beiträge aus der Sendung

Sängerin 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Themen:

* Namens-Debatte um "Sigmund Jähn" in Halle
* Zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar - Salo Mullers Kampf um Entschädigung für Deportationsopfer
* Orgel forever!
* Wie der Fotokünstler Hans-Christian Schink die Sonne einfing
* Kulturkalender

Mehr zu den Themen:

* Namens-Debatte um "Sigmund Jähn" in Halle
In Halle wird darüber diskutiert, wie der Neubau des Planetariums heißen soll, der als Ersatz für das 1978 eröffnete Raumflug-Planetarium auf der Peißnitzinsel, das 2013 vom Hochwasser zerstört wurde, entsteht. Das alte hatte den Namenszusatz "Sigmund Jähn", doch über den ersten Deutschen im All und großen Helden der Ostdeutschen scheiden sich gerade die Geister in Halle.

Die einen sehen in ihm als verdienstvollem Kosmonauten den richtigen Namensgeber - die anderen werfen dem 2019 verstorbenen Vogtländer zu viel Nähe zur SED-Diktatur vor. So auch Sachsen-Anhalts Beauftragte zur Aufarbeitung der SED Diktatur, Birgit Neumann-Becker, und der renommierte Wissenschaftler Gunnar Berg. Ihnen gegenüber steht mit Kay Senius ein SPD-Lokalpolitiker, der mit einem interfraktionellen Antrag von SPD, Linken und Grünen versucht, den Namenszusatz "Sigmund Jähn" zu erhalten. Und der westdeutsche Astronaut Reinhold Ewald, für den Jähn in den 1990ern ein Mentor war, erinnert sich vor allem an die Bescheidenheit des ersten Deutschen im All. Eine kontroverse Debatte auf lokaler Ebene, die so noch nicht geführt wurde.
(Autorin: Pia Uffelmann)


* Zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar - Salo Mullers Kampf um Entschädigung für Deportationsopfer
Salo Muller war sechs Jahre alt, als er 1942 in Amsterdam seine Eltern zum letzten Mal sah. Am 27. November 1942 wurden sie von Amsterdam ins Durchgangslager Westerbork und von dort nach Auschwitz deportiert, wo sie Anfang 1943 ermordet wurden. Der sechsjährige Junge wurde von niederländischen Widerstandskämpfern versteckt. 1945 machte ihn seine Tante ausfindig: Sie fand ein verängstigtes Kind vor. Salo Muller hat ein halbes Jahrhundert gebraucht, ehe er - angeregt durch Steven Spielbergs Shoa-Projekt - über sein Schicksal reden konnte.

Seine Eltern mussten, wie alle Juden, ihre Deportation in die Vernichtungslager auch noch selbst bezahlen. Muller hat sich deshalb an die holländische Staatsbahn gewandt und Entschädigung verlangt. Drei Jahre dauerten die Gespräche mit der Niederländischen Eisenbahn, dann gab es ein Einsehen und Muller und die anderen 5.000 holländischen Überlebenden des Holocaust und ihre Angehörigen erhielten eine Entschädigung. Jetzt haben Salo Muller und sein deutscher Anwalt Axel Hagedorn an die Deutsche Bahn und die Bundesregierung Briefe geschrieben und Entschädigung gefordert. Was der 84-jährige Salo Muller will, ist eine Geste der Deutschen Bahn und ihres Eigentümers, der Bundesrepublik Deutschland, die mehr ist als nur Worte. Wir haben mit Salo Muller und seinem Anwalt gesprochen.
(Autor: Ulf Kalkreuth)


* Orgel forever!
Ein "Jahr der Orgel" haben Musikrat und Landeskirche in Sachsen ausgerufen. Na, hoffentlich geht das gut. Denn zur "Königin der Instrumente" gehört, dass man zu ihr hingehen muss, wie sie da - meist - in der Kirche thront. Eine schöne Wahl jedenfalls im orgelreichen Südostdeutschland, ist doch die Orgel - von ihrer Konstruktion bis zur Kunstmusik - bereits zum immateriellen Weltkulturerbe der Unesco erklärt.

Die "Königin" hat weit über sich hinaus gewirkt: Die Hammond-Orgel des 20. Jahrhunderts - statt durch Luft werden die Töne elektrisch erzeugt - ist doch ohne die "große Orgel" undenkbar und hat selbst schon wieder eine kleine Kulturgeschichte. Kein Wettbewerb zwischen Silbermann und Hammond, aber eine Begegnung im "Jahr der Orgel": Kurze Besuche bei Orgelpromoter und Domkantor Albrecht Koch und der weitgehend originalen Silbermann-Orgel im Freiberger Dom und bei Martin Zitzmann, Organist der Band Purple-Callas, der den Sound seiner Hammond C 3 vorführt.
(Autor: Meinhard Michael)


* Wie der Fotokünstler Hans-Christian Schink die Sonne einfing
Der Fotograf Hans-Christian Schink, 1961 in Erfurt geboren, gehört zu den international am meisten beachteten Fotografen seiner Generation. In der Kunsthalle Erfurt wird unter dem Titel "So weit. Fotografien seit 1990" ein Ausschnitt aus seinem Werk gezeigt. Der Titel ist zweideutig: "So weit" heißt bei Schink auch, so weit in die Welt hinaus. Für seine singuläre Serie "1 h" hat er an zwei Dutzend Orten auf der Nord- und Südhalbkugel der Erde den Lauf der Sonne innerhalb einer Stunde ins Bild gebracht. Schink hat dafür die Orte der extremsten Sonnenverläufe der Welt aufgesucht. Das romantische Staunen, das trotz penibelster Belichtungsplanung und google-genauer Weltvermessung darin liegt, kennzeichnet auch seine anderen Fotografien - selbst wenn sie soziale Umbrüche dokumentieren wie bei der Begleitung des "Verkehrsprojektes Deutsche Einheit" oder wenn er sich seiner neuen Heimat im "Hinterland" am Rande der mecklenburgischen Seenplatte fotografisch nähert.
(Autor: Meinhard Michael)


* Kulturkalender
- "Was wenn keiner lacht" - Neues Album der Leipziger Band "Karl die Große" in der MDR Club-Session
- DEFA-Klassiker: Literaturverfilmung "Jakob der Lügner" zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus im MDR Fernsehen
- Der neue Roman "Eine Formalie in Kiew" von Dmitrij Kapitelman
(Autorin: Charlotte Witt)