Do 04.02. 2021 22:10Uhr 29:30 min

artour

Das Kulturmagazin des MDR

Komplette Sendung

Moderator Thomas Bille im Studio. 30 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Do, 04.02.2021 22:10 22:40

Beiträge aus der Sendung

"artour" ist das Kulturmagazin für das MDR-Sendegebiet und für Ostdeutschland. "artour" wird in Rostock wie in Weimar geschaut, aber natürlich auch in Hamburg und München. Das Kulturmagazin mit Ostkompetenz greift Themen auf, die die Zuschauer bewegen. Von Thälmann bis Theater, von der Kittelschürze bis zum Konzert, von der Off-Bühne bis zur Oper. Themen werden auch mal gegen den Strich gebürstet, egal, ob es sich um eine Kunstausstellung oder einen kulturpolitischen Skandal handelt.
Themen:

* Hiergeblieben: Urlaub - was soll das?
Johann Wolfgang Goethe soll seine Italienreise inkognito unternommen haben, weil er ständig mit der Angst reiste, durch seinen Fürsten zurückbeordert zu werden. Er hatte nämlich keinen Urlaub genommen. Urlaub, vom Wortsinn her, heißt, die Erlaubnis bekommen den Hof zu verlassen, um woanders hinzureisen. Das erzählt der Tourismusforscher Hasso Spode und verweist damit auf das heutige Problem: Wir können im Moment keinen Urlaub machen – obwohl Ferien sind. Wir bleiben sozusagen am Hof. Und Urlaub bedeutet in diesen Tagen nicht Italien, nicht Palmen, Paradies oder Après-Ski, sondern einfach nur die Abwesenheit von Homeschooling. Sagen wir's positiv: Vielleicht bleibt uns ja auch einiges erspart, da Urlaub immer auch Ungemach bedeutet. Die Kinder schreien im Auto, der Flieger ist überbucht und das Hotel ist weitgehend verschimmelt und so weiter und so fort. Also fragen wir mit heiter beschwingtem Sarkasmus: Urlaub – was soll das? Man sollte im Moment besser keinen Urlaub planen, um sich die Enttäuschung zu ersparen, wenn er dann nicht stattfinden kann. Das empfiehlt der Leipziger Arbeits-Psychologe Hannes Zacher, der in einer Studie die Zufriedenheit von Menschen unter Corona-Einfluss beobachtet. Und Enttäuschungen kann man zurzeit wirklich nicht gebrauchen.
Autor: Hans-Michael Marten

* 15 km Freiheit – eine Reportage über das Kulturerlebnis vor der Haustür
Es ist das erste Mal in der bundesdeutschen Geschichte, dass ein Fußgängergesetz beschlossen wurde. Mehr öffentliche Sitzgelegenheiten "ohne Konsumzwang", flachere Bordsteinkanten, längere Grünphasen für Fußgänger an den Ampeln soll es geben. Allerdings nur in Berlin. Vorerst. Der in Leipzig lebende Spaziergangsforscher Bertram Weisshaar fordert dies schon lange. Er hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht: das Spazierengehen. Er hat dies erst an der Uni und dann per pedes im ständigen Selbstversuch studiert – und lernt immer wieder dazu. In der Pandemie ist der Promenadologe plötzlich von einem wissenschaftlichen Außenseiter zu einem höchst gefragten Interviewpartner geworden. Denn Spazierengehen ist nach der Schließung von Kinos, Kartbahnen und Schwimmhallen zur beliebtesten Freizeitbeschäftigung der sonst von Unterhaltungsangeboten verwöhnten Westeuropäer geworden. Ob das ein Fluch oder ein Segen ist, darüber sprechen wir mit ihm auf einem Spaziergang durch Leipzig.
Autor: Dennis Wagner

* Von der Bühne in den Browser? Die Zukunft des Theaters
Wer die großen Meister der Schaubühne noch miterleben durfte, der fragt sich schon seit Jahren einigermaßen ratlos, wie wohl die Zukunft des Theaters aussehen könnte. Die Häuser verlegen im Dauershutdown Teile ihres Programms ins Netz. In Jena wurden Stücke im Frühjahr aufwändig verfilmt und in Kinoform online präsentiert. Das Theater der Jungen Welt in Leipzig stellt im Februar eine digitale und interaktive Webserie für Jugendliche vor. Doch wie haltbar und wie überzeugend sind diese Aktivitäten? Und was haben sie noch mit dem klassischen Theater zu tun? Sind Online-Performances eine Chance diejenigen anzusprechen, die den Weg in die Theaterhäuser in Zukunft gar nicht mehr finden? Oder verflacht der eindimensionale Bildschirm, das Streamen von Bühnenstücken, das Geschehen zum kleinen Fernsehspiel? Wenn man davon ausgeht, dass die Jahrtausende alte Kunstform Theater auch diese Zeit überdauert, dann ergibt sich aus den allgegenwärtigen Online-Experimenten ja vielleicht sogar eine echte Chance für das Theater: die Verlängerung des Bühnenraumes in den Browser. Wie und ob das gelingt, darüber sprechen wir mit Sandra Hüller, dem Theaterkritiker Simon Strauß und Thorben Meißner vom Theaterhaus Jena.
Autorin: Petra Böhm

* Keine Leipziger Buchmesse 2021
Nach der Absage in Leipzig im vergangenen Jahr und der Absage der Frankfurter Buchmesse wurde jetzt die dritte große Literaturmesse in Folge gecancelt. Als alle hoffnungsvoll Richtung Sommer blicken, fällt die erste Großveranstaltung aus. Es soll zwar digitale Programme geben und vielleicht auch Lesungen – aber eine Veranstaltung mit mehr 100.000 Gästen könne unter Gewährleistung der Gesundheit und angesichts der aktuellen Rechtslage nicht stattfinden, sagt Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer der Leipziger Messe.
Welche Perspektive haben Publikumsevents im Sommer überhaupt noch und was bedeutet der erneute Absage für die den Messestandort Leipzig und für die Verlagsbranche, in der ohnehin gerade viel im Umbruch ist? artour spricht mit Oliver Zille, Roman Pliske vom Mitteldeutschen Verlag und Karin Schmidt-Friderichs vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels.
Autorin: Henrike Sandner

Kulturkalender
* digitale Ausstellung - Christoph Ruckhäberle "Groundhog Day", Thaler Originalgrafik. Leipzig Spinnerei unter www.thaler-originalgrafik.de
* "Kollektiv - Korruption tötet", Dokutipp ARD Mediathek
* "Feature Ring" am Festspielhaus Hellerau, Online-Konzert mit Alli Neumann am 8.2.
Autorin: Ulrike Reiß

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