Di 23.02. 2021 21:00Uhr 44:19 min

Der Osten - Entdecke wo du lebst Die Bunker um Leuna - Von der Naziruine zum Chemiepark

Film von Michael Schönherr und Tom Fröhlich

Komplette Sendung

Sie liegen über ganz Mitteldeutschland verteilt, mal versteckt unter der Erde, mal als fensterlose Betontürme in der Landschaft: Bunker des Zweiten Weltkriegs. 44 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Di, 23.02.2021 21:00 21:45

Bilder zur Sendung

Die Bunker um Leuna: Von der Nazi-Ruine zum Chemiepark Bilder zur Sendung

Die Leuna-Werke sind der Ausgangspunkt für den Chemie-Boom in Mitteldeutschland. Für die Region um Merseburg spricht viel: Sie liegt zunächst außer Reichweite feindlicher Bomber. Außerdem gibt es Braunkohlevorkommen.

Kraftwerk Lippendorf, im Vordergrund altes Bunkergebäude.
Böhlen-Lippendorf bei Leipzig. Im größten Braunkohlekraftwerk der Region entsteht der Strom für die Chemieindustrie. Am Fuß der Kühltürme steht einer der überirdischen Bunker aus Kriegszeiten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Bunkereingang
Der Eingang zum unterirdischen Bunker, in dem die Werksführung Schutz finden sollte, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Fässer mit Kraftstoff der Wehrmacht
Im März 1935 war der Grundstein für das Treibstoffwerk in Böhlen-Lippendorf gelegt worden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Bunker um Leuna - Von der Naziruine zum Chemiepark
Die Leuna-Werke waren der Ausgangspunkt für den Chemie-Boom in Mitteldeutschland. Die Region um Merseburg liegt zunächst außer Reichweite für feindliche Bomber. Außerdem gibt es große Braunkohlevorkommen; die Basis für den Treibstoff, der die Kriegsmaschinerie am Laufen halten sollte. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Bunker um Leuna - Von der Naziruine zum Chemiepark
Ein Drainage-Netz soll alles, was an Ölen und Benzinen im Boden ist, herausfiltern. Eine Aufgabe noch für die nächsten zwei, drei Generationen, schätzt Ingenieur Christian Schulz-Giesdorf. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Bunker um Leuna - Von der Naziruine zum Chemiepark
Teile einer abgeschossenen Lancaster, die Recherchen führten zu den Nachfahren des britischen Piloten: "Heute ist man freundschaftlich verbunden", erzählt Matthias Koch. Jedes Stück im Museum hat eine Geschichte wie diese. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Kraftwerk Lippendorf, im Vordergrund altes Bunkergebäude.
Böhlen-Lippendorf bei Leipzig. Im größten Braunkohlekraftwerk der Region entsteht der Strom für die Chemieindustrie. Am Fuß der Kühltürme steht einer der überirdischen Bunker aus Kriegszeiten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Bunkergewölbe mit verschiedenen Gerätschaften
Der Bunker vom Typ Salzgitter wurde erhalten und als Lagerraum genutzt. Versuche, die Anlagen aus Stahlbeton mit zwei Meter dicken Wänden abzutragen, scheiterten nicht nur in Böhlen-Lippendorf. Die neuen Werke wurden um die Kriegshinterlassenschaften herumgebaut. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Mann mit Lampe an der Schulter schaut zur Kamera.
Andreas Bock arbeitet seit mehr als 30 Jahren bei der Werksfeuerwehr und kennt das Gelände, auch den unterirdischen Bunker, der im Falle eines Angriffs Kommandozentrale mit Telefonleitstelle sein sollte. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Bunker um Leuna - Von der Naziruine zum Chemiepark
Direkt neben Leuna entstand die Gartenstadt mit attraktiven Unterkünften, um Fachkräfte zu gewinnen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Bunker um Leuna - Von der Naziruine zum Chemiepark
Ab 1940 startete ein großes Bunker-Bauprogramm, um die Werke und deren Belegschaft zu schützen. Für Leuna sind sieben geplant, davon drei auf dem Betriebsgelände. Einer dieser Hochbunker steht noch heute mitten zwischen den Chemieanlagen und überragt Stadt und Werk. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Bunker um Leuna - Von der Naziruine zum Chemiepark
Im April 1936 begann der Bau der Buna-Werke in Schkopau zur Produktion von Synthesekautschuk, auch heute ist das Gelände ein Chemie-Standort. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Bunker um Leuna - Von der Naziruine zum Chemiepark
Heinz Rehmann arbeitete 46 Jahre lang in den Buna-Werken, zu DDR-Zeiten berühmt für Plaste und Elaste. Nach der Wende wurde der heute fast 90-Jährige zum ehrenamtlichen Archivar. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Bunker um Leuna - Von der Naziruine zum Chemiepark
Heinz Rehmann sammelte Karten und Pläne, auch seine Erinnerungen hielt er fest in einem einzigartigen Buch über die Buna-Geschichte, deren Beginn er als kleiner Junge miterlebte. Später versetzten ihn die Angriffe der Bomber in Todesangst. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Bunker um Leuna - Von der Naziruine zum Chemiepark
Aufgrund der kriegswichtigen Herstellung von Treibstoff und Kautschuk wurde die Chemieregion schließlich zum Angriffsziel für die allliierten Bomber. Am Ende konnte sie auch der mitteldeutsche Flak-Gürtel nicht aufhalten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Bunker um Leuna - Von der Naziruine zum Chemiepark
Auf die Spätfolgen des Krieges stößt man bis heute in der Region. Auch in Zeitz, wo ein Hydrierwerk zur Treibstoff-Produktion errichtet worden war. Die Geschichte ist nicht erledigt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Bunker um Leuna - Von der Naziruine zum Chemiepark
Das Archiv im ehemaligen Luftschutzbunker des Hauptgebäudes: Nur noch in den alten Büchern und Plänen sind die zahlreichen Gebäude aus der Entstehungszeit der Werke in den 1930er-Jahren verzeichnet, auch die vielen Bunker. Monatelang haben Karl Mück (l.) und seine Kollegen zu DDR-Zeiten damit gekämpft, die massiven Bauten abzureißen. Vergeblich. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Alle (23) Bilder anzeigen
Sie liegen über ganz Mitteldeutschland verteilt, mal versteckt unter der Erde, mal als fensterlose Betontürme in der Landschaft: Bunker des Zweiten Weltkriegs. Diese Bunker sind nicht allein Zeugen des Bombenkriegs, sie erzählen auch von einer Sonderstellung Mitteldeutschlands im gesamten Kriegsgeschehen. Denn hier wurde nicht weniger als über Sieg oder Niederlage der Wehrmacht entschieden, hier rund um Leuna, in Schkopau, Böhlen, Zeitz oder Lützkendorf im Geiseltal. Albert Speer hat während der Nürnberger Prozesse zugeben müssen, dass mit den Angriffen auf die Chemie in Mitteldeutschland "der Krieg produktionstechnisch verloren" war.

"Der Zweite Weltkrieg begann hier in Mitteldeutschland, und er endete auch hier." Matthias Koch weiß, ohne die chemischen Produkte aus der Braunkohle, also ohne Buna-Reifen und Leuna-Benzin, hätte das Deutsche Reich gar nicht erst in einen Krieg ziehen können. Seit Jahren sucht er im Geiseltal nach alten Relikten des Krieges, nach winzigen Flakbunkern oder nach Schutzstollen, in die auch seine Oma flüchten musste. Aus den Fundstücken hat er in einem Bunker in Krumpa eine kleine Ausstellung aufgebaut.

Am Kraftwerk Böhlen-Lippendorf erkundet Andreas Bock einen verlassenen Nazibunker, mit einem geheimen Zugang versteckt hinter Büschen und Bäumen. Als Mitarbeiter der Werkfeuerwehr am Kraftwerk muss er wissen, was sich auf dem Werksgelände befindet. Der Bunker mit seinen engen Gängen und kleinen Räumen war ausschließlich für das leitende Personal der damaligen Werksleitung gedacht, in der DDR wurde er sogar saniert und weitergenutzt. Diese Bunker sollten ab 1940 Arbeiter in den kriegswichtigen Industrien schützen, vor allem in der Treibstoffproduktion. Hitler wollte sich vom Erdöl unabhängig machen, deswegen ließ er nahe der hiesigen Braunkohle Treibstoffwerke bauen, unter anderem in Böhlen, Zeitz und Lützkendorf im Geiseltal. Das Vorbild war Leuna. Das sogenannte Leuna-Benzin, ein synthetischer Kraftstoff aus Braunkohle, der schon seit den 1920ern im ganzen Land getankt wurde.

Die Alliierten wussten um die Bedeutung des Leuna-Benzins und setzten die Region südlich von Merseburg ganz oben auf ihre Angriffsliste. Hier fielen mehr Bomben als in mancher ostdeutschen Großstadt. Mit jedem einzelnen Luftangriff wurden die Bunkeranlagen weiter ausgebaut, vor allem von Zwangsarbeitern. Bei einem Angriff jedoch durften sie nicht in die Bunker und gehörten meist zu den ersten Todesopfern. Gleichzeitig wurde der sogenannte mitteldeutsche Flakgürtel ausgebaut, unter den Piloten der Alliierten berüchtigt als "Flakhölle von Merseburg".

Einer der letzten überlebenden Zeitzeugen des Luftkriegs ist Heinz Rehmann, der noch heute in Schkopau lebt. Er erlebte als Kind den Bau des benachbarten Buna-Werks und musste als 13-jähriger in Luftschutzbunkern ausharren. Nach dem Krieg begann er in "seinem" Werk eine Lehrausbildung, stieg bis zum leitenden Ingenieur auf. Deswegen weiß er auch, dass viele der Bunker den Krieg überstanden haben. Doch es war zu kompliziert und vor allem zu teuer, sie abzutragen. Stattdessen hat man die meisten von ihnen in der DDR neu genutzt, zum Beispiel als Lager oder für die Betriebskampfgruppen. Noch heute finden sich zwischen Schkopau, Leuna und Zeitz viele große und kleine Bunker. Heute sind an den Standorten der früheren Hydrierwerke moderne Chemieparks entstanden. Auch sie erzählen vom hiesigen Chemie-Boom während des Zweiten Weltkriegs.

Politische und gesellschaftliche Dokus und Reportagen

Martin Luther und der Teufel: Julian Sengelmann lässt sich von Nino Dell die Geschichte des Tintenklecks erklären.
Martin Luther und der Teufel: Julian Sengelmann lässt sich von Nino Dell die Geschichte des Tintenklecks erklären. Bildrechte: MDR/EIKON Nord
MDR FERNSEHEN So, 16.05.2021 07:30 08:00
  • Stereo
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand
Janett Eger im MDR-Zeitreise-Studio mit Video
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN So, 16.05.2021 22:25 22:55

75 Jahre DEFA MDR Zeitreise

MDR Zeitreise

Großes Kino?! Was bleibt von der DEFA?

  • Stereo
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand
Alena und Jesse, Azubis im Hotel „Borkel-Mühle“ in Hamburg.
Vielen jungen Menschen geht es derzeit wie Jesse und Alena (re.). Durch Corona erlebten sie eine Vollbremsung. Dieser Film erzählt von ihrem Alltag in der Pandemie und wie sie es trotzdem schaffen, nicht den Mut zu verlieren. Bildrechte: MDR/NDR
MDR FERNSEHEN Do, 20.05.2021 22:40 23:10

Lost in Corona

Lost in Corona

Film von Judith Heinze, Cosima Jagow-Duda, Hans Jacob Rausch

  • Stereo
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand
Ich, 23, Priester mit Video
Bildrechte: MDR/Florian Friedrich
MDR FERNSEHEN Sa, 22.05.2021 18:00 18:15
  • Stereo
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand
polizeiruf-logo
Bildrechte: ARD
MDR FERNSEHEN Sa, 22.05.2021 20:15 21:45

50 Jahre Polizeiruf 110 Legenden

Legenden

Polizeiruf 110 - die Krimidokumentation

  • Stereo
  • Audiodeskription
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand
Exquisit - Mode made in GDR
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN So, 23.05.2021 22:00 22:45
  • Stereo
  • Audiodeskription
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand
Tina Turner one of the living
Tina Turner one of the living Bildrechte: MDR/DOKfilm GmbH
MDR FERNSEHEN So, 23.05.2021 22:45 23:35