Di 09.03. 2021 00:50Uhr 104:04 min

Hannah Arendt (Barbara Sukowa)
Die jüdische Philosophin Hannah Arendt (Barbara Sukowa) verfolgt 1961 den Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem. In einer Artikelserie charakterisiert sie den Hauptverantwortlichen für die "Endlösung" der Juden in Europa als mediokren Schreibtischtäter und löst damit ungeahnte Proteststürme aus. Bildrechte: MDR-ARD Degeto/WDR/BR/Heimatfilm/Véronique Kolber
MDR FERNSEHEN Di, 09.03.2021 00:50 02:35

Starke Frauen - Starke Geschichten Hannah Arendt

Hannah Arendt

Spielfilm Deutschland/Frankreich/Israel/Luxemburg 2012

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Die jüdische Philosophin Hannah Arendt verfolgt 1961 den Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem. Im Gerichtssaal trifft sie auf einen unscheinbaren Mann, der "nur" Befehle ausführte. In einer Artikelserie charakterisiert sie ihn, einen der Hauptverantwortlichen für die Shoa in Europa, als Schreibtischtäter und löst Proteststürme aus.

Bilder zum Film

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1961 verfolgt die jüdische Philosophin Hannah Arendt den Prozess gegen Adolf Eichmann. Statt eines Monsters sieht sie einen unscheinbaren Schreibtischtäter. Ihre These der "Banalität des Bösen" löst Proteststürme aus.

Hannah Arendt (Barbara Sukowa)
Die jüdische Philosophin Hannah Arendt (Barbara Sukowa) konnte vor der Nazi-Herrschaft in Deutschland fliehen und lebt seit 1941 mit ihrem Ehemann in New York. In den darauffolgenden Jahren publizierte sie mehrfach über den deutschen Faschismus. Als 1960 Adolf Eichmann, NS-Kriegsverbrecher und Organisator der Judenverfolgung, gefasst wird und ihm in Israel der Prozess gemacht werden soll, ist sie elektrisiert: Sie will den Massenmörder sehen und hinter das Unbegreifliche seiner Taten blicken. Bildrechte: MDR/Degeto/WDR/BR/Heimatfilm/Véronique Kolber
Hannah Arendt (Barbara Sukowa)
Die jüdische Philosophin Hannah Arendt (Barbara Sukowa) konnte vor der Nazi-Herrschaft in Deutschland fliehen und lebt seit 1941 mit ihrem Ehemann in New York. In den darauffolgenden Jahren publizierte sie mehrfach über den deutschen Faschismus. Als 1960 Adolf Eichmann, NS-Kriegsverbrecher und Organisator der Judenverfolgung, gefasst wird und ihm in Israel der Prozess gemacht werden soll, ist sie elektrisiert: Sie will den Massenmörder sehen und hinter das Unbegreifliche seiner Taten blicken. Bildrechte: MDR/Degeto/WDR/BR/Heimatfilm/Véronique Kolber
Heinrich Arendt (Axel Milberg)
Ihr Mann Heinrich (Axel Milberg), der mit ihr vor 20 Jahren ins amerikanischen Exil ging, unterstützt sie bei ihrem Vorhaben. Bildrechte: MDR/Degeto/WDR/BR/Heimatfilm
Hannah Arendt (Barbara Sukowa) und Mary McCarthy (Janet McTeer)
Sie leben in einer Atmosphäre intellektueller Debatten. Ihre New Yorker Wohnung hat sich über die Jahre zu einem Treffpunkt immigrierter jüdischer Intellektueller entwickelt, die sich um die Aufarbeitung des Holocaust bemühen. Hannah debattiert darüber u.a. mit ihrer Freundin Mary McCarthy (Janet McTeer, re.). Bildrechte: MDR/Degeto/WDR/BR/Heimatfilm/Véronique Kolber
Hannah Arendt (Barbara Sukowa, li.) reist 1961 nach Jerusalem, um den Prozess gegen Adolf Eichmann zu verfolgen
Im Auftrag der Zeitung "The New Yorker" reist die Totalitarismusforscherin 1961 nach Jerusalem. Sie will über den spektakulären Prozess gegen Adolf Eichmann berichten und sich vor allem mit seiner Persönlichkeit beschäftigen. Bildrechte: MDR/Degeto/WDR/BR/Heimatfilm
Hannah Arendt (Barbara Sukowa)
Doch im Gerichtssaal ist Hannah Arendt irritiert: Anstelle des erwarteten Monsters sieht sie einen mediokren Schreibtischtäter. Der Hauptverantwortliche für den Holocaust zeigt sich als unscheinbarer Mann, der behauptet, nur Befehle ausgeführt zu haben. Die Mittelmäßigkeit des Bürokraten passt scheinbar gar nicht zur unvorstellbaren Grausamkeit seiner Taten. Bildrechte: MDR/Degeto/WDR/BR/Heimatfilm
Hannah Arendt (Barbara Sukowa)
In einer Artikelserie beschreibt Hannah Arnedt ihre Beobachtungen. Und sie entwickelt ihre These der "Banalität des Bösen", derzufolge ganz normale Menschen zu Gräueltaten unvorstellbaren Ausmaßes fähig sind. Im Februar 1963 erscheint Hannahs Artikelserie und löst heftige Proteststürme aus. Bildrechte: MDR/Degeto/WDR/BR/Heimatfilm/Véronique Kolber
Hannah Arendt (Barbara Sukowa) und Hans Jonas (Ulrich Noethen)
Weltweite Empörung schlägt ihr entgegen, Hetzkampagnen werden gegen sie geführt, aber auch nahe Freunde wie Hans Jonas (Ulrich Noethen, re.) wenden sich von ihr ab. Bildrechte: MDR/Degeto/WDR/BR/Heimatfilm
Hannah Arendt (Barbara Sukowa) und Kurt Blumenfeld (Michael Degen)
Auch mit ihrem langjährigen Freund Kurt Blumenfeld (Michael Degen, li.), den sie während der Jerusalemer Prozesstage besuchte, kommt es zum Bruch. Bildrechte: MDR/Degeto/WDR/BR/Heimatfilm
Margarethe von Trotta
Mit diesem biographischen Filmporträt über die jüdische Philosophin und Totalitarismusforscherin Hannah Arendt setzte Margarethe von Trotta ihre Reihe großer Frauenporträts fort. Sie integrierte originale Filmmitschnitte vom Eichmann-Prozess in Jerusalem, um ein möglichst authentisches Bild des Ereignisses zu vermitteln. Bildrechte: WDR/Manfred Breuersbrock
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100 Jahre Frauentag am 8. März

Hannah Arendt (Barbara Sukowa) ist aus Nazideutschland geflohen und lebt mit ihrem Mann Heinrich (Axel Milberg) schon seit 20 Jahren im amerikanischen Exil. Ihre New Yorker Wohnung ist Treffpunkt immigrierter jüdischer Intellektueller, die sich um die Aufarbeitung der Shoa bemühen. Die überraschende Nachricht von der Ergreifung des NS-Kriegsverbrechers Adolf Eichmann elektrisiert die Totalitarismusforscherin, die schon mehrfach über den deutschen Faschismus publiziert hat.

Im Auftrag der Zeitung "The New Yorker" reist sie nach Jerusalem, um über den Prozess zu berichten. Im Gerichtssaal erwartet sie, ein Monster anzutreffen, und ist zunächst irritiert. Die Mittelmäßigkeit des Bürokraten, der keine Reue zeigt, passt scheinbar gar nicht zur unvorstellbaren Grausamkeit seiner Taten. Sie sieht in dem Massenmörder einen Beamten, der die Ermordung der Juden mitleidslos wie eine ihm auferlegten Pflicht erfüllte.

Im Februar 1963 erscheint ihre Artikelserie, deren provozierende These von der "Banalität des Bösen" für weltweite Empörung sorgt. Trotz einer beispiellosen Hetzkampagne verteidigt die Denkerin ihre Interpretation, wonach ganz normale Menschen zu Gräueltaten unvorstellbaren Ausmaßes fähig sind. Der Vorwurf, sie würde einen der Hauptverantwortlichen für den Holocaust verteidigen, führt zum Bruch mit nahen Freunden wie Hans Jonas (Ulrich Noethen) und Kurt Blumenfeld (Michael Degen).

Mit diesem Biopic setzt Margarethe von Trotta ihre Reihe großer Frauenporträts fort. Nach "Rosa Luxemburg" und "Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen" widmet die Autorenfilmerin sich der provokanten Denkerin Hannah Arendt, die eine der heftigsten Kontroversen über den Holocaust ausgelöst hat. Durch die Integration originaler Filmmitschnitte vom Eichmann-Prozess in Jerusalem kann der Zuschauer die Grundthese der streitbaren Philosophin unmittelbar überprüfen.

Der Film überzeugt durch die stimmungsvolle Darstellung des New Yorker Exils und spart auch das ambivalente Verhältnis zwischen Hannah Arendt und dem mit den Nazis sympathisierenden Philosophen Martin Heidegger (Klaus Pohl) nicht aus. Barbara Sukowas kongeniale Annäherung an die Denkerin macht eine abstrakte intellektuelle Debatte sinnlich nachvollziehbar. Mit Axel Milberg als Ehemann, Ulrich Noethen als Hans Jonas, Julia Jentsch als Sekretärin Lotte und Michael Degen als Kurt Blumenfeld sind Freunde und Weggefährten bestens besetzt.
Mitwirkende
Musik: André Mergenthaler
Kamera: Caroline Champetier
Buch: Pamela Katz, Margarethe von Trotta
Regie: Margarethe von Trotta
Darsteller
Hannah Arendt: Barbara Sukowa
Heinrich Blücher: Axel Milberg
Mary McCarthy: Janet McTeer
Lotte Köhler: Julia Jentsch
Hans Jonas: Ulrich Noethen
Kurt Blumenfeld: Michael Degen
William Shawn: Nicholas Woodeson
Lore Jonas: Sascha Ley
Charlotte Beradt: Victoria Trauttmansdorff
Martin Heidegger: Klaus Pohl
Hannah Ahrendt (jung): Friederike Becht
Frances Wells: Megan Gay